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Dienstag, 19. Mai 2026

Vernünftig: Umbau Bahnhofsvorplatz in Stuttgart soll vom Projekt Stuttgart 21 entkoppelt werden

Gemäß einer Zeitungsmeldung vom 12.05.2026 soll der Umbau des Arnulf-Klett-Platzes (Bahnhofsvorplatz) in Stuttgart vom Projekt Stuttgart 21 entkoppelt werden.

Das ist eine vernünftige Entscheidung der Stadtverwaltung und wird in diesem Blog seit jeher so gefordert. Jetzt scheint in Sachen Stuttgart 21 auch der Landeshauptstadt Stuttgart der Geduldsfaden zu reißen.

Der Arnulf-Klett-Platz soll verkehrsberuhigt werden. Hierzu ist allerdings die Verlegung eines Teils des Cityrings vom Arnulf-Klett-Platz in die Wolframstraße erforderlich. In der Wolframstraße gibt es aber ein paar Probleme. Sie sind jedoch nicht unlösbar.

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Landeshauptstadt Stuttgart fast pleite - Kann Rückabwicklung des Stuttgart 21-Grundstückgeschäfts helfen?

Verschiedene Medien berichten, dass die Landeshauptstadt Stuttgart nahezu pleite ist.

Der Grund sind die stark gefallenen Gewerbesteuerzahlungen sowie die kostspielige Umsetzung von Bundesgesetzen. 

In diesem Kontext sollte geprüft werden, ob eine Rückabwicklung des Stuttgart 21-Grundstückgeschäfts der Finanzsituation der Landeshauptstadt behilflich sein könnte. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat für einen Preis von 459 Mio. Euro die durch Stuttgart 21 möglicherweise freiwerdenden Gleisflächen der Bahn abgekauft.

Glück gehabt: Übernahme von Stuttgart 21-Mehrkosten
Die Bahn hat ja die Projektpartner von Stuttgart 21 vor Gericht zur anteiligen Übernahme der Mehrkosten bei Stuttgart 21 verklagt und auch in zweiter Instanz verloren. Hätten die Gerichte dieser Kostenübernahme zugestimmt, wäre die Landeshauptstadt Stuttgart jetzt tatsächlich pleite und das Regierungspräsidium Stuttgart würde den Haushalt der Stadt festlegen. Dieser Kelch ist an Stuttgart noch einmal vorübergegangen.
 
Rückkauf der Bahngrundstücke durch die Bahn
Ein Rückkauf der sich jetzt im Eigentum der Landeshauptstadt Stuttgart befindlichen Bahngrundstücke durch die Bahn würde den Haushalt der Landeshauptstadt Stuttgart um 459 Mio. Euro entlasten und sollte deshalb ernsthaft geprüft werden.
 
Ein Kombibahnhof beseitigt alle Probleme 
Das wäre auch für die Bahn sinnvoll, weil sie im Rahmen eines Kombibahnhof aus Durchgangsbahnhof und Kopfbahnhof beim Stuttgarter Hauptbahnhof aller Kapazitätssorgen entledigt würde und auch den "Digitalen Knoten Stuttgart" erst mal ad acta legen könnte. Auch mit einem Kombibahnhof würden heutige Bahnflächen frei. Die Landeshauptstadt Stuttgart könnte zu einem späteren Zeitpunkt diese Flächen wieder zurückkaufen. Oder die Bahn vermarktet diese Flächen selbst.
 
Stuttgart 21-Rosenstein ist Luftnummer
In absehbarer Zeit kann die Landeshauptstadt Stuttgart die Altlastenbeseitigung und die Entwicklung eines Rosenstein-Quartiers nicht leisten. Es ist auch vollkommen unklar, ob zum Jahr 2035 oder 2040 überhaupt noch ein Bedarf an Wohnungen im Rosensteinquartier besteht. Man denke nur an die allgemein rückläufigen Bevölkerungszahlen oder an die mit einem wirtschaftlichen Niedergang verbundenen Wegzüge aus Stuttgart.
 
Rückkauf der Grundstücke kommt zur rechten Zeit
Von daher kommt jetzt die Möglichkeit, dass die Bahn die Stuttgart 21-Grundstücke von der Landeshauptstadt Stuttgart zurückkauft, sowohl für die Bahn als auch für die Landeshauptstadt zur rechten Zeit. Die Wahrnehmung dieser Möglichkeit würde eine der bisher im Kontext von Stuttgart 21 wichtigsten Entscheidungen darstellen.


Freitag, 27. Juni 2025

Nach Umzug der Allianz: Stuttgart 21-Rosenstein unwichtiger denn je

Gemäß verschiedener Medienberichte ist der riesige neue Bürokomplex der Allianz-Versicherungen in Stuttgart-Vaihingen fertiggestellt worden. 

Ab sofort beginnt der Umzug von 4.500 Mitarbeitern aus den beiden Talkesselstandorten Reinsburgstraße und Uhlandstraße nach Vaihngen.  

Was für ein Aderlass für den Stuttgarter Talkessel! Da fehlen auf einmal 4.500 Menschen, die im Talkessel vielleicht bisher mit der S-Bahn und der Stadtbahn fahren oder die die Läden oder Restaurants/Cafes in der Innenstadt frequentieren.

Und so, wie ich die Landeshauptstadt Stuttgart kenne, braucht es jetzt viele Jahre oder gar Jahrzehnte, bis an den Standorten Reinsburgstraße und Uhlandstraße eine endgültige Nachnutzung bzw. Nachbebauung realisiert wird.

Auch der Umzug der Allianz ist ein weiteres Beisiel dafür, dass man Stuttgart 21- Rosenstein nicht braucht. Wie soll denn die Landeshauptstadt Stuttgart das Projekt Stuttgart 21-Rosenstein hinbekommen, wenn tatsächlich Dutzende anderer Flächen im Stadtgebiet seit Jahren oder Jahrzehnten auf eine Neunutzung oder Neubebauung warten? In diesem Blog sind schon genügend Beispiele dafür genannt worden.

Und vor allem und als Gipfel der Unverschämtheit: Es darf und kann nicht sein, dass wegen des Phantoms Stuttgart 21-Rosenstein die Bahnverbindung vom Wirtschaftsstandort Stuttgart in die Weltstadt Zürich und umgekehrt gekappt wird. 

Jetzt noch ein Vorschlag: Die großen Stuttgarter Weltfirmen wie z.B. Mercedes-Benz, Porsche und andere mehr sollten gegen die sture Landeshauptstadt Stuttgart in Bezug auf den Erhalt der Gäubahn, auf den Erhalt der Verbindung Stuttgart - Zürich oder Stuttgart - Konstanz klagen.   

Freitag, 3. Januar 2025

Die Argumente gegen "Stuttgart 21-Rosenstein"

Die Landeshauptstadt Stuttgart will die bestehenden Bahnflächen im Stuttgarter Talksessel nach einer Vollinbetriebnahme von Stuttgart 21 bebauen. Das neue Stadtviertel heißt "Stuttgart 21-Rosenstein".

Nach den Angaben der Stadt ist das neue Stadtviertel Stuttgart 21-Rosenstein der Hauptgrund dafür, dass sich die Stadt am Projeht Stuttgart 21 finanziell beteiligt hat.

Wir listen im heutigen Post in diesem Blog mal einige Argumente auf, die gegen Stuttgart 21-Rosenstein sprechen.

§23 Allgemeines Eisenbahngesetz
Nach der Novellierung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes wird im §23 festgestellt, dass der Bahnbetriebszweck eines Grundstücks, das Betriebsanlage einer Eisenbahn ist oder auf dem sich eine Betriebsanlage einer Eisenbahn befindet, im überragenden öffentlichen Interesse liegt. Die Freistellung von den Bahnbetriebszwecken kann nur festgestellt werden, wenn das Interesse des Antragstellers an der Freistellung das überragende öffentliche Interesse überwiegt, Stuttgart 21-Rosenstein gehört wohl nicht dazu.
 
Deutschlandtakt (Integraler Taktfahrhplan)
Der Deutschlandtakt (Intraler Taktfahrplan) macht aus dem Stuttgarter Hauptbahnhof mittelfristig einen Vollknoten. Voraussetzung ist der Bau des Nordzulauftunnels und andere kleinere Verbesserungen im Verlauf der Strecke Mannheim - Stuttgart. Der Vollknoten erfordert zusätzlich zu den acht Tiefbahnhofgleisen zehn Kopfbahnhofgleise sowie drei weitere zweigleisige Zufahrten (Ludwigsburg, Bad Cannstatt und Gäubahn).
  
Erste Gebäude nicht vor 2040
Erste bezugsfertige Gebäude wird es auch in dem Teil von Stuttgart 21-Rosenstein, der möglicherweise irgendwann mal bebaut werden kann, nicht vor dem Jahr 2040 geben. Man vergesse auch nicht die Kontaminierung der Flächen. Im Jahr 2040 ist aber das Thema des Wohnungsmangels möglicherweise nicht mehr aktuell.
 
Münchner Olympiapark versus Stuttgarter Neckarpark
Der Olympiapark in München ist nicht nur Sportstätte, sondern auch eine schöne Parkanlage mit allem, was einen Park ausmacht. Das kann man vom Stuttgarter Neckarpark nicht sagen, Wir treffen hier auf ein Sammelsurium von Straßen, Parkhäusern und Sportstätten. Den Stuttgarter Entscheidern fehlt wohl ein Auge für Schönheit. Deshalb sollte man Stuttgart 21-Rosenstein auch aus diesem Grund fallenlassen. 

Bebauung ehemaliger Güterbahnhof Bad Cannstatt geht nicht voran
Die Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs in Stuttgart-Bad Cannstatt muss man als Blaupause für Stuttgart 21-Rosenstein ansehen. Nach Jahrzehnten ist jedoch weit weniger als die Hälfte der Flächen dort bebaut. Es wird doch niemand behaupten wollen, dass es bei Stuttgart 21-Rosenstein besser ginge! 

Europaviertel kein Vorbild für Stuttgart 21-Rosenstein
Das Europaviertel hat im Grunde mit Stuttgart 21 nichts zu tun. Es kann unabhängig von Stuttgart 21 entwickelt werden. Der - vollkommen unmaßstäbliche und hässliche - Gebäudekomplex der LBBW wurde dort ab dem Jahr 1990 errichtet. Ich habe nichts gegen Hochhäuser. Es gibt auf der Welt viele schöne und architektonisch gelungene Hochhäuser. Die sogenannten Hochhäuser im Europaviertel sind aber keine schönen Hochhäuser, sondern biedere, provinzielle Gebäude. Ich habe auch nichts gegen große und prächtige Gebäude. Die sucht man im Europaviertel allerdings vergeblich. Noch lange ist das Europaviertel nicht fertiggestellt. Sollte Stuttgart 21-Rosenstein eine Kopie des Europaviertels werden, ergeht noch einmal der eindringliche Appell, Stuttgart 21-Rosenstein sofort zu stoppen.
      
In Stuttgart herrscht eine Baukrise
Im Stuttgarter Talkessel herrscht eine Baukrise. Kaum ein Gebäude wird noch fertig, kaum ein neues Gebäude wird angefangen. Beispielhaft dafür steht das Bürogebäude neben dem Tagblattturm. Dieses 08/15-Bürogebäude ist nun schon seit vielen, vielen Jahren "im Bau" oder vielmehr eben nicht im Bau. Nur ganz selten sieht man irgendwelche Bauarbeiten. Den größten Teil der Zeit steht der Rohbau einfach so herum. Eine Stadt, die nicht in der Lage ist, ein 08/15 Bürogebäude in - sagen wir mal - zwei Jahren fertigzustellen, sollte kein Stuttgart 21-Rosenstein bauen. 

Viele anderweitige Brachflächen und untergenutzte Gebiete
Es gibt in Stuttgart unzählige Brachflächen und untergenutzte Gebiete. Das sind Flächen, die im Gegensatz zu Stuttgart 21-Rosenstein oft sofort bebaut werden können. Werden sie aber nicht! Beispiele sind das ehemalige EnBW-Areal am Stöckach, das ehemalige Autohaus-Areal bei der Metzstraße, das ehemalige IBM-Areal beim Autobahnkreuz Stuttgart, das ehemalige W&W-Areal im Stuttgarter Westen, die freiwerdenden Areale der Allianz in S-West und S-Mitte, das Areal der ehemaligen Bundesbahndirektion und viele andere mehr. Was braucht es da noch Stuttgart 21-Rosenstein?
  
Stuttgart geht den Weg in die Verschuldung
In den vergangenen Jahren war Stuttgart praktisch schuldenfrei. Gemäß übereinstimmenden Medienberichten und gemäß der Reaktion des zuständigen Regierungspräsidiums als Aufsichtsbehörde scheint sich dies nun aber zu ändern. Stuttgart geht mit Riesenschritten in die Verschuldung.
 
Dafür sind u.a. neue Bundes- und Landesgesetze verantwortlich, die für Stuttgart kostenwirksam sind. Verantwortlich ist auch die Wirtschatskrise. Maßgebend ist aber auch, dass Stuttgart verschiedene Großprojekte stemmen will, die es eigentlich nicht gleichzeitig finanzieren kann. Man denke nur an den Ersatz der vielen maroden Brücken, an den Umbau/Neubau der Oper, an den Neubau der Schleyer-Halle und an die Sanierung der Villa Berg. Da ist kein Platz mehr für Stuttgart 21-Rosenstein.
 
Befreien wir Stuttgart von der Last Stuttgart 21-Rosenstein
Es gibt weitere Gründe gegen Stuttgart 21-Rosenstein, wie z.B. klimatische Aspekte oder die Biodiversität. Sie sind hier nicht weiter erwähnt, weil ich mich bei diesem Themen nicht genügend auskenne. Jedenfalls wird Stuttgart noch froh sein, wenn die Bürgerinnen und Bürger es wenigstens von der Last Stuttgart 21-Rosenstein befreien. 

Freitag, 20. Dezember 2024

Muss die Landeshauptstadt Stuttgart das Projekt "Stuttgart 21-Rosenstein" aufgeben?

Wegen der sich wahrscheinlich zuspitzenden Finanzlage ab 2026 muss die Landeshauptstadt Stuttgart möglicherweise auf das Projekt Stuttgart 21-Rosenstein verzichten. 

In einem Bericht des SWR vom 09.07.2024 auf der Website des SWR wird der Stuttgarter Finanzbürgermeister Fuhrmann dahingehend zitiert, dass zukünftig die bestehende Infrastruktur oder der Ersatz vorhandener Infrastruktur Vorrang haben müsse. Es sollen keine zusätzlichen Projekte angefangen werden.

Bei der bestehenden Infrastruktur bzw. dem Ersatz vorhandener Infrastruktur denkt man sofort an die vielen maroden Brücken in der Landeshauptstadt, die alle früher oder später grundsaniert oder ersetzt werden müssen. Auch der große Bereich der Schulen ist hier zu nennen. Viele Schulen leiden unter Investitionsstau. Deren Instandsetzung bzw. Ersatz verursacht einen riesigen Ausgabeposten. Dann darf man selbstverständlich die öffentlichkeitswirksamen Vorhaben nicht vergessen wie z.B. die Sanierung bzw. der Neubau der Oper. Auch hier ist Stuttgart mit einem riesigen Posten dabei.

Alleine diese und andere Vorhaben reisen bereits ein Loch in die Stadtkasse, das bei der Aufsichtsbehörde, dem Regierungspräsidium Stuttgart, die Alarmglocken klingeln lässt. Das für die Stadt milliardenschwere Projekt Stuttgart 21-Rosenstein ist hier noch gar nicht berücksichtigt. Allerdings muss man anmerken, dass mehr oder weniger alle Kommunen im Land BW von den Finanzschwierigkeiten betroffen sind bzw. betroffen sein werden. Die Problematik wird nicht allein durch die falsche Politik der Landeshauptstadt Stuttgart verursacht, sondern auch durch übergeordnete Sachverhalte wie die Wirtschaftskrise und die Kostenübertragungen an die Kommunen, die als Folge von Landes- und Bundesgesetzen entstehen.

Stuttgart kann Stuttgart 21-Rosenstein möglicherweise nicht mehr stemmen
Es ist deshalb durchaus realistisch, wenn man demnächst zum Schluss kommt, dass die Stadt das Projekt Stuttgart 21-Rosenstein nicht mehr stemmen kann. Damit aber änderte sich schlagartig die Gemengelage um den Bahnknoten Stuttgart. Denn die Landeshauptstadt Stuttgart hat mehrfach betont, dass ihr Engagemennt für Stuttgart 21 sich vor allem auf die Bebauung Stuttgart 21-Rosenstein gründet. Fällt dieser Punkt weg, gäbe es für die Landeshauptstadt Stuttgart keinen Grund mehr, sich gegen den wenigstens teilweisen Erhalt des Kopfbahnhofs und gegen die oberirdische Einführung der Gäubahn in den Kopfbahnhof zu wenden. Dann also würden die Karten neu gemischt. 

Die nächsten Monate mit den Beratungen zum nächsten Doppelhaushalt 2026/27 der Landeshauptstadt Stuttgart werden also spannend.             

Freitag, 23. August 2024

Nach Stuttgart 21-Blamage: Muss man sich jetzt auch noch für den Stuttgarter Schlossplatz schämen?

In diesen Tagen sieht man vielfach Touristen in der Umgebung des Stuttgarter Schlossplatzes, die ungläubig und zum Teil fassungslos auf das schauen, was sich ihnen hier bietet: 

Nahezu der gesamte Schlossplatz ist hinter eine mobilen Absperrung verschwunden und somit nicht oder kaum sichtbar. Am ehesten erwischt man noch einen Blick auf den Schlossplatz, wenn man in den Musikpavillon hineingeht. Denn der Fußboden des Musikpavillons ist etwas erhöht. So drängen sich in diesen Tagen zuweilen Menschen mit emporgestemmter Kamera oder iPhone, um vielleicht doch noch ein Bild vom Schlossplatz machen zu können.

Was ist geschehen?
Der Stuttgarter Schlossplatz war der Standort mehrerer Großveranstaltungen. Das hat den Platz so zugerichtet, dass er jetzt für mehrere Wochen wohl bis in den September hinein gesperrt bleiben muss. 

Angefangen hat es mit der Großveranstaltung des Public Viewing zur Fußball-Europameisterschaft. Die EM begann am 14.06.2024. Der Aufbau der Megakonstruktion begann einige Wochen vorher. Nach der Fußball-EM gab es einen fliegenden Wechsel der Megakonstruktion. Dann begannen die Jazz Open.

Summa summarum bleibt der Stuttgarter Schlossplatz somit im Jahr 2024 für die Dauer von wohl drei Monaten für die Öffentlichkeit - für Einheimische wie Touristen - gesperrt. 

Muss man sich das bieten lassen?
Viel zu wenig wird hinterfragt, ob man sich so etwas bieten lassen muss. Öffentlichkeit, Stadtverwaltung, Gemeinderat, Landesverwaltung und Landesparlament sollten in der Tat mal diskutieren, ob es richtig ist, den wichtigsten öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Stuttgart für die Dauer von drei Monaten pro Jahr der Öffentlichkeit zu entziehen.

Denn Stuttgart hat nicht viele solche urbanen und schönen Plätze wie den Schlossplatz. Der Schlossplatz wurde nicht für Großveranstaltungen wie Public Viewing oder für Musikveranstaltungen gemacht. Der Schlossplatz und seine umgebende Bebauung sollen heute in erster Linie für sich selbst wirken und für die Einheimischen wie für die Touristen ein angenehmer Ort sein.

München zum Beispiel würde so etwas niemals einfallen. Und München hat mehr schöne und urbane Plätze als Stuttgart. Das Public Viewing in München fand im Olympiapark statt.

Wie attraktiv ist Stuttgart für Touristen?
Ist Stuttgart für Touristen attraktiv? Ich habe mir das mal durch den Kopf gehen lassen. Und in der Tat: Stuttgart hat unglaublich viele und viele Dutzend Einzelsehenswürdigkeiten, wie z.B. das Porsche Museum, die Grabkapelle Württemberg, die Hohenheimer Gärten, die Wilhelma, die Mineralbäder und -quellen, die Zahnradbahn und viele, viele andere mehr. Stuttgart hat aber ein Problem, wenn es um das Thema einer urbanen, durch eine räumliche, zweidimensionale Abfolge von Plätzen, Boulevards, Parks und markanten Gebäuden mit guter Architektur charakterisierten Stadt geht. Das ist zum Teil auf die topographische Situation, zum Teil auf die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, aber auch auf schwere städtebauliche Fehler beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen. Eine glaubhafte Kehrtwende kann ich noch nicht erkennen.

Vor diesem Hintergrund den Schlossplatz, den mit Abstand besten Platz Stuttgarts, für ein Viertel Jahr pro Kalenderjahr der Bevölkerung zu entziehen, ist nicht zulässig.

Die Landeshauptstadt Stuttgart sollte so schnell wie möglich auf das Land BW, den Eigentümer des Schlossplatzes zugehen und vereinbaren, dass Großveranstaltungen zukünftig nicht mehr auf dem Schlossplatz, sondern z.B. auf dem Cannstatter Wasen stattfinden.

Schlossplatz-verträglich scheint mir hingegen der Weihnachtsmarkt mit Eisenbahn und leuchtenden Figuren zu sein. Und selbstverständlich müssen auf dem Schlossplatz auch Demonstrationen stattfinden können. Das Demonstrationsrecht ist in der Deutschen Verfassung ganz hoch angesiedelt.    

Freitag, 9. August 2024

Brache bei ehemaliger Bundesbahndirektion in Stuttgart nährt Zweifel an Stuttgart 21-Rosenstein

Braucht Stuttgart das Gebiet "Stuttgart 21-Rosenstein" wirklich so dringend für den Wohnungsbau?

Wenn man sich die Brache bei der ehemaligen Bundesbahndirektion gleich beim Stuttgarter Hauptbahnhof genauer ansieht, kommen diesbezüglich Zweifel auf. Das gilt aber nicht nur in Bezug auf die ehemalige Bundesbahndirektion, sondern auch in Bezug auf viele andere Flächen in Stuttgart, die seit Jahren und Jahrzehnten brachliegen oder weit unter Wert genutzt werden oder bei denen ein Baufortschritt nur mit Zeitlupe auszumachen ist.

In Sachen Bebauung der Flächen bei der ehemaligen Bundesbahndirektion tut sich seit vielen Jahren de facto nichts.

Bereits 2018 war man ungeduldig
Bereits im Jahr 2018 gab es Rückfragen aus der Öffentlichkeit, wann denn nun endlich mit einer Bebauung der Flächen rund um den stehengebliebenen Restteil der ehemaligen Bundesbahndirektion begonnen würde. Damals hieß es, dass der hierzu notwendige Bebauungsplan wohl erst im Jahr 2022 beschlossen würde. Aus damaliger Sicht war das noch ganz weit in der Zukunft und eine Enttäuschung. Warum braucht man eigentlich für die Erstellung eines Bebauungsplans so lang?

Nun leben wir bekanntlich bereits im Jahr 2024. Aber es tut sich weiterhin nichts. Das Gelände ist wohl im Besitz eines Bauträgers. Allerdings gab es vor einiger Zeit Wünsche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt, an Stelle eines Umzugs des Technischen Rathauses auf die Fildern doch diese Institution mit vielen hundert Arbeitsplätzen lieber auf dem Brachgelände rund um die ehemalige Bundesbahndirektion anzusiedeln.

Wichtig ist allein: Es wird nicht gebaut
Aber eigentlich ist es vollkommen egal, weshalb die Brache nicht bebaut wird. Wichtig ist allein, dass sie nicht bebaut wird - wie auch zahlreiche andere Brachen und unterwertig genutzte Bauflächen im ganzen Stadtgebiet einschließlich der Stuttgarter Innenstadt. Als Eines für Alle sei nur noch einmal das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Bad Cannstatt genannt, wo sich eine Neubebauung inzwischen über Jahrzehnte hinzieht und immer noch nur ein kleiner Teil des Geländes bebaut ist.

Wie kann die Landeshauptstadt Stuttgart im Ernst unter solchen Umständen vor ihre Bevölkerung treten und das Bauprojekt Stuttgart 21 Rosenstein verkünden? Man braucht dieses Projekt nicht! Dabei bleiben selbst bei einem Weiterbetrieb von Teilen des Stuttgarter Kopfbahnhofs und Teilen der Zulaufstrecken zum Kopfbahnhof noch genügend Flächen übrig, die von Seiten der Landeshauptstadt Stuttgart bebaut werden könnten, mehr als diese in der Lage ist zu bauen. 

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die mit dem Projekt Stuttgart 21-Rosenstein betraut sind, möchte man eigentlich raten, bei ihrem Arbeitgeber um eine sinnvollere Verwendung nachzufragen. Oder es sollten diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Job bei der Stadt kündigen und bei besseren Städtebauprojekten anheuern. Wer will seine berufliche Biographie denn schon mit dem Looser-Projekt Stuttgart 21-Rosenstein belasten?

Blick von der Jägerstraße in Stuttgart-Mitte in nordöstliche Richtung: Brache in der Stuttgarter Innenstadt nur wenige Meter vom Hauptbahnhof entferrnt.

 
Blick von der Jägerstraße in Stuttgart-Mitte zum Kriegsberg: Wurde in der Weinberghütte ganz oben Stuttgart 21 erfunden?

Blick von der Jägerstraße in Stuttgart-Mitte zum Rest der ehemaligen Bundesbahndirektion: Ein desolates Gebiet.

Freitag, 12. April 2024

Nach Umzug des Statistischen Landesamts: Stuttgart 21-Rosenstein unnötiger denn je

Am 1. März 2024 ist das Statistische Landesamt Baden-Württemberg von Stuttgart-Süd nach Fellbach umgezogen

Damit haben erneut 650 Arbeitsplätze die Landeshauptstadt Stuttgart verlassen, ein weiterer Aderlass in Stuttgart. Das Projekt Stuttgart 21-Rosenstein wird damit unnötiger denn je.

Ist man heute vor Ort in der Böblinger Straße in Stuttgart-Süd, unmittelbar bei der Stadtbahnhaltestelle Erwin-Schoettle-Platz, sieht man einen großen, nicht mehr genutzten Gebäudekomplex (Schoettle-Areal). An der Außenwand prangt noch ein Transparent, das auf das Statistische Landesamt hinweist. 

In einer Vitrine neben dem Tor zum Gelände wendet sich das Statistische Landesamt unter dem Motto "Wir sind dann mal weg" an die Bevölkerung von Stuttgart-Süd. Seit dem Jahr 1974 residierte das Amt in Stuttgart-Süd. Das Amt lobt das vielfältige gastronomische Angebot und das gute Handels- und Serviceangebot. Die Mitarbeiter werden den liebenswerten Stuttgarter Süden mit Erwin-Schoettle-Platz, Marienplatz, Karlshöhe und der Zahnradbahn vermissen. 

Potenzial für hunderte Wohnungen - aber es wird sich erst mal nichts tun 
Auf dem bisherigen Gelände des Statistischen Landesamts könnte man hunderte Wohnungen bauen. Aber man kann wetten: Über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg wird sich nichts tun. Das ist die Erfahrung in Stuttgart mit ähnlichen Projekten. Das haben wir hier in diesem Blog schon mehrfach thematisiert.
 
Ein paar wenige Beispiele noch einmal: EnBW-Areal beim Stöckach, ehemaliges Autohaus-Areal in der Neckarstraße, ehemaliges WGV-Areal in Stuttgart-West, Allianz-Areale nach dem Umzug nach S-Vaihingen und nicht zu vergessen der ehemalige Güterbahnhof in Bad Cannstatt, auf dessen Gelände es Jahrzehnte dauert, um ein paar Wohnhäuser zu bauen. Und viele andere potenzielle Bauvorhaben mehr.
 
Auch bei den öffentlichen Bauten wie z. B. Konzerthallen usw. tut sich nichts. Der Umbau und die Nachnutzung der Villa Berg lässt nun bereits über ein Jahrzehnt auf sich warten. Die Sanierung der Oper könnte eine Jahrhundertsache bzw. -Katastrophe werden. Es ist hoffungslos. Wie will die Stadt denn unter diesen Umständen in Stuttgart 21-Rosenstein z. B. eine Konzerthallle errichten?
 
Ein Teil von Stuttgart 21-Rosenstein kann auf jeden Fall anderweitig bebaut werden
Stuttgarts OB Nopper will Stuttgart 21 in der reinen Form fertigstellen, weil dann über 5.000 Wohnungen in Stuttgart 21-Rosenstein gebaut werden könnten. Das wäre bei der aktuellen Wohnungsknappheit sehr wichtig - so Nopper.
 
Dabei ist es absolut unwahrscheinlich, dass mit Stuttgart 21-Rosenstein jetzt plötzlich das gelingen sollte, was andernorts in Stuttgart nicht vorangeht. Und Wohnungen könnte man an vielen Stellen der Stadt errichten. Da braucht man Stuttgart 21-Rosenstein nicht.
 
Auch bei Stuttgart 21-Rosenstein sollte das Schwarz-Weiß-Denken so langsam der Vergangenheit angehören. Auch mit einem ergänzenden Kopfbahnhof können Teile von Stuttgart 21-Rosenstein anderweitig bebaut werden, sogar mehr Flächen, als die Stadt nach den bisher gemachten Erfahrungen zu bebauen in absehrbarer Zeit in der Lage ist.
 
Warum besteht OB Nopper bei dieser Gemengelage auf das vollständige Freiräumen von Stuttgart 21-Rosenstein? Meiner Ansicht nach gehört das in die Kategorie "Gesichtswahrung". Viele dieser Gesichtswahrer, dieser Stuttgart 21-Protagonisten der ersten Stunde, sind bereits in den Ruhestand gegangen. OB Nopper steht dies noch bevor. Bis zuletzt scheint dieser OB eine Eins zu eins-Umsetzung des ursprünglichen, aus der Zeit gefallenen Stuttgart 21 zu fordern. Von daher ist jedes Jahr, das Stuttgart 21 später in Betrieb geht, zu begrüßen. Denn es ist zu hoffen, dass in der Legislative und der Exekutive mit jedem Jahr mehr eine neue Generation das Sagen bekommt, eine Generation, die Stuttgart 21 nicht erfunden hat und die ohne lästige Gesichtswahrung über gangbare Wege heraus aus Stuttgart 21 entscheiden kann. 
 
In diesem Bürokomplex in Stuttgart-Süd residierte bis vor kurzem das Statistische Landesamt Baden-Württemberg.

    

Freitag, 1. März 2024

Landeshauptstadt Stuttgart - die große Verliererin beim Stuttgart 21-Spiel?

Je nach Ausgang der laufenden Gerichtsverfahren (einschließlich der Revisionen) ist es möglich, dass die Landeshauptstadt Stuttgart zusätzliche Kosten des Projekts Stuttgart 21 in Milliardenhöhe schultern muss.

Wir sehen uns die Rolle der Landeshauptstadt Stuttgart in Sachen Stuttgart 21 heute mal etwas näher an. Irgendwelchen Entscheidungen von Gerichten soll hier in keinster Weise vorgegriffen werden.

Was könnte auf die Landeshauptstadt Stuttgart zukommen?
Ein Eckwert von null Euro zusätzlichen Kosten für die Landeshauptstadt Stuttgart wäre dann gegeben, wenn ein Gericht entschiede, dass der Bauherr (Die Bahn) alle Mehrkosten von Stuttgart 21 übernehmen muss.

Ein anderer Eckwert wäre so zu definieren, dass die Landeshauptstadt Stuttgart alle gegenüber dem Stuttgart 21-Vertrag auftretenden Mehrkosten übernehmen muss. Das wären weit über fünf Milliarden Euro. Stuttgart wäre dann pleite. Dieser Eckwert leitet sich daraus ab, dass sich die Stadtverwaltung Stuttgart sinngemäß so geäußert hat, das sie sich nicht am Projekt Stuttgart 21 beteiligte hätte, wenn die oberirdischen Gleise im Stuttgarter Talkessel nicht aufgelassen würden. Damit aber wird Stuttgart 21 in seiner Eigenschaft als Immobilienprojekt deutlich. Das aber ist ausschließlich Sache der Landeshauptstadt Stuttgart.
 
Eine dritte Variante wäre, dass sich Stuttgart gemäß dem bisherigen Anteil an der Finanzierung des Projekts auch bei den Mehrkosten beteiligen muss. Das wären so ganz grob geschätzt 1,5 Milliarden Euro, die an der Stadt hängenbleiben. Dieser Mittelweg ist gar nicht so unwahrscheinlich. Auch das würde Stuttgart hart treffen. Es müssten dann wohl alle freiwilligen Leistungen der Stadt eingeschränkt oder storniert werden. Stuttgart müsste hohe Schulden aufnehmen.
 
Die Bahnreform - nicht gut für Stuttgart
Stuttgart hat nach der Bahnreform gleich dreimal Pech gehabt. Zum einen kam mit Heinz Dürr ein Manager an die Spitze der Bahn, der kein Bahnfachmann war. Heinz Dürr interessierte sich für den Verkauf von Bahnflächen in größerem Ausmaß. Zum Zweiten stammte Heinz Dürr auch noch aus Stuttgart. Damit wurde der Stuttgarter Hauptbahnhof zum Versuchskaninchen in Sachen Vergoldung der Bahnflächen. Und zum Dritten hatte Dürr gegenüber dem damaligen Ministerpräsidenten Teufel und dem damaligen Stuttgarter OB Rommel - beides ebenfalls keine Bahnfachleute - leichtes Spiel. Beide ließen sich sofort von Stuttgart 21 begeistern.
 
Hätte die Landeshauptstadt Stuttgart die Bruchstellen von Stuttgart 21 erkennen müssen?
Stuttgart 21 weist mindestens zwei Systemfehler bzw. Bruchstellen auf.
 
Eine der Bruchstellen ist die außenseiterhafte Finanzierung des Projekts. Es ist immer ratsam, Projekte von derjenigen Institution finanzieren zu lassen, die dafür auch zuständig ist. Bei den Bahnstrecken und Bahnhöfen wäre dies der Bund. Der Bund wollte aber Stuttgart 21 nicht finanzieren. Sicher hatte und hat der Bund gute Gründe für diese Entscheidung. Die gewählte Finanzierung von Stuttgart 21 als eigenwirtschaftliches Projekt der Bahn bringt nun alle hinlänglich bekannten Probleme mit sich. Es gibt die inzwischen berühmte Sprechklausel, die nun vor Gericht gelandet ist. 
 
Aufgabe von Heinz Dürr und auch der Landeshauptstadt Stuttgart wäre gewesen, beim Bund für die Kombilösung beim Stuttgarter Hauptbahnhof zu werben. Kombilösung bedeutet die Erhaltung und die Modernisierung des Kopfbahnhofs sowie eine neue Durchmesserlinie mit einem viergleisigen Durchgangsbahnhof. Das hätte der Bund sicher nicht bereits im Jahr 1994 finanziert und verwirklicht. Der Bund musste erst mal viel in die neuen Bundesländer investieren. Aber in den Nuller Jahren oder den Zehner Jahren oder den Zwanziger Jahren wäre die Kombilösung in Stuttgart im Bau gewesen. Da ist auch ein wenig Geduld gefragt.
 
Die zweite Bruchstelle ist die minimalistische Ausgestaltung des Projekts als Folge des Zwangs, dass alle oberirdischen Gleise im Stuttgarter Talkessel verschwinden müssen. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat ja erklärt, Stuttgart 21 nur dann zu unterstützen, wenn es keine oberirdischen Gleise mehr gibt. Das aber hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Konfiguration von Stuttgart 21. Das Projekt musste in der Folge in einer minimalistischen Form ausgeführt werden. Alles andere hätte sich nicht gerechnet.
 
Der Hauptbahnhof erhält nur acht Gleise. Der für 40 Prozent der Verkehrsnachfrage und der Zugzahlen zum/vom Hauptbahnhof zuständige Nordzulauf erhält nur zwei Gleise. Die Führung der Gäubahn über die Gleise der Flughafen-S-Bahn muss als unfahrbar bezeichnet werden. Ebenfalls unfahrbar mit eingleisigem Abschnitt und mehreren höhengleichen Gleiskreuzungen ist die Relation Hauptbahnhof - Untertürkheimer Tunnel - Waiblingen. Bei den Gleisen des Stuttgart 21-Hauptbahnhofs muss teilweise sogar die Doppelbelegung eingeführt werden - und das trotz starker Längsneigung der Gleise. Der Deutschlandtakt (Integraler Taktfahrplan) ist mit Stuttgart 21 zum Scheitern verurteilt - in Bezug auf die zu wenigen Zulaufgleise und in Bezug auf die zu wenigen Bahnsteiggleise.
 
Verschiedene Ergänzungsprojekte musste das Land BW übernehmen, wie die Große Wendlinger Kurve, der Regionalbahnhof Vaihingen und die P-Option. Verschiedene Maßnahmen, um Stuttgart 21 irgendwie zum Laufen zu bringen, wurden dem Bund vor die Türe gekarrt. Das sind z.B. der Digitale Knoten Stuttgart, der Nordzulauftunnel und der Pfaffensteigtunnel.
 
Was hätte die Landeshauptstadt Stuttgart unternehmen müssen?
Die Landeshauptstadt Stuttgart hätte die Hauptbahnhöfe in Europa analysieren müssen dergestalt, ob es irgendwo ein zweites Stuttgart 21 gibt. Das Ergebnis hätte Nein gelautet. In der Folge hätte die Landeshauptstadt Stuttgart ihre Unterschrift unter das Projekt verweigern müssen. Das Projekt wäre damit Projekt geblieben.           
 
Frankfurt am Main ist zu beneiden 
Hier noch kurz als Beispiel ein Bahnprojekt, das so läuft, wie es eigentlich in Deutschland vorgesehen ist.
 
In Frankfurt am Main läuft alles anders als in Stuttgart, will heißen, in Frankfurt am Main läuft alles normal. Vor einigen Monaten betonte der Oberbürgermeister von Frankfurt, dass die Stadt Frankfurt keinen Cent am neuen Fernbahntunnel in Frankfurt zuzahlen muss.

Da hat er Recht. Denn der Frankfurter Fernbahntunnel ist ein Vorhaben im Rahmen der Bundesschienenwege und wird vom Bund finanziert. Es ist im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 enthalten.

Es gab bereits Einwände, dass die Einwohnerinnen und Einwohner von Frankfurt vom neuen Fernbahntunnel eigentlich gar nichts haben. Das ist allerdings falsch. Denn der neue Fernbahntunnel ermöglicht es, noch mehr Fernzüge über den Frankfurter Hauptbahnhof zu führen.

Viel wichtiger aber ist, dass auch der Regionalverkehr vom Fernbahntunnel profitiert. Denn der Fernbahntunnel macht im Frankfurter Kopfbahnhof mehrere Gleise frei, die bisher dem Fernverkehr dienen. Damit können in Zukunft auch mehr Regionalzüge fahren und die Überlastung des Regionalverkehrssystems in der Region Rhein-Main abmildern.

Das geht aber nur, weil als Folge des Fernbahntunnels kein einziges Gleis im Frankfurter Kopfbahnhof stillgelegt wird. Im Gegenteil: Bald sollen die Bauarbeiten für das neue Gleis 25 des Kopfbahnhofs beginnen.

 

Freitag, 15. September 2023

Haben die "Badenfrage" und Stuttgart 21-Rosenstein etwas miteinander zu tun?

Die "Badenfrage" könnte - zusammen mit zahlreichen anderen Umständen - dazu führen, dass das Konversionsprojekt Stuttgart 21-Rosenstein nicht oder nur eingeschränkt umgesetzt werden kann.

Das sehen wir uns heute hier in diesem Blog näher an.

Zunächst mal: Was versteht man unter der Badenfrage? Die Deutsche Digitale Bibliothek definiert die Badenfrage wie folgt: "Baden-Württembergische Eifersüchteleien. Die Badener fühlen sich benachteiligt und fürchten, daß die regionalen Entwicklungschancen durch das Stuttgarter Übergewicht behindert werden". 

Nach Ansicht von Ministerpräsident Kretschmann gibt es die Badenfrage heute nicht mehr. Vor einigen Monaten äußerte er sich sinngemäß so, dass es keine Württemberger und Württembergerinnen bzw. Badener und Badenerinnen, sondern nur Baden-Württemberger und Baden-Württembergerinnen gibt.

Freitag, 8. September 2023

Wird bei Stuttgart 21 die Zahl 2026 langsam salonfähig?

Gemäß einer Pressemitteilung der Landeshauptstadt Stuttgart vom 02.08.2023 bleibt ein bestimmter Bauzustand der Verlängerung der Unterfahrung der B 14 am Gebhard-Müller-Platz voraussichtlich bis Beginn 2026 eingerichtet.

Da ist also zum ersten Mal die Jahreszahl 2026 im Umfeld von Stuttgart 21.

Denn die Verlängerung der Unterfahrung der B 14 am Gebhard-Müller-Platz ist ein unmittelbar mit Stuttgart 21 verbundenes Projekt. Ohne Stuttgart 21 gäbe es diese Verlängerung nicht. Die Verlängerung der Unterfahrung der B 14 am Gebhard-Müller-Platz ist erforderlich, damit die am Südende des Stuttgart 21-Tiefbahnhofs zum Bahnhof gehenden bzw. von dort kommenden Fahrgäste die Willy-Brandt-Straße überqueren können. Ohne die Verlängerung der Unterfahrung der B 14 stünden diese Fahrgäste vor einer unüberwindlichen Tunnelrampe. 

Die Kosten für die Verlängerung der Unterführung von fast 50 Mio. Euro (Preisstand 2020) trägt die Landeshauptstadt Stuttgart, obwohl dieses Bauvorhaben mit Stuttgart 21 unmittelbar zusammenhängt. Damit hat man im Budget von Stuttgart 21 schon einmal ca. 50 Mio. Euro gespart. Und es bleibt spannend, wann denn dann mal der tatsächliche Fertigstellungstermin der Unterführung sein wird.

Freitag, 25. August 2023

Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke hat massive Auswirkungen auf die Fußgänger-Ströme in der Stuttgarter Innenstadt

Während der Sommerferien 2023 ist die Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn einmal mehr gesperrt. Die Sperrung der Stammstrecke - so unangenehm und ärgerlich sie ist - bietet die Gelegenheit, sich die Fußgängerströme in der Stuttgarter Innenstadt ein wenig näher zu betrachten. 

Die Haupt-Fußgängerströme in der Stuttgarter Innenstadt bewegen sich im Verlauf der Königstraße und einiger parallel verlaufender Straßen. Fußgängerströme quer zu dieser Hauptrichtung sind rar.

Die Stuttgarter S-Bahn hat die Fußgängerströme in der Innenstadt entscheidend geändert
Die Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn hat es immerhin geschafft, dass es seit dem Jahr 1978 auch einige Fußgängerströme quer zur Königstraße gibt. An erster Stelle ist hier der S-Bahnhaltepunkt Stadtmitte zu nennen. Dieser unterirdisch gelegene Haltepunkt generiert große Fußgängerströme quer zur Königstraße. Das sind die folgenden drei Relationen:
  • Büchsenstraße - Schulstraße - Marktplatz - Dorotheenquartier
  • Rotebühlplatz - Königstraße - Eberhardstraße
  • Sophienstraße - Einkaufszentrum Gerber
Während der sechswöchigen Sperrung der Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn wurden diese querenden Fußgängerströme jedoch zu einem Rinnsal.

Im Cafe bei den Kreuzungen Büchsenstraße / Calwer Straße und Sophien -/ Marienstraße 
Das kann man z.B. bei der Kreuzung  Büchsenstraße / Calwer Straße gut beobachten. Dort befindet sich ein Bäcker-Cafe. Sitzt man dort, kann man normalerweise einen wahren Fußgängerstrom im Verlauf der Büchsenstraße beobachten. Während der Sommerferien ist dieser Strom nun fast versiegt.
 
Auch an der Kreuzung Sophienstraße / Marienstraße befindet sich ein Bäckercafe. Auch hier kann man normalerweise einen richtigen Fußgängerstrom im Verlauf der Sophienstraße beobachten. Während der Sommerferien ist im Verlauf der Sophienstraße nun kaum was los.
 
Diese großen Veränderungen lassen sich alleine wegen der Sommerferien und wegen der generell schlechten Erreichbarkeit der Stuttgarter Innenstadt als Folge der S21-Baustelle nicht vollumfänglich erklären.
 
Gutes und Schlechtes bei den Fußgängerströmen   
Es gibt also etwas Gutes und etwas Schlechtes zum Thema Fußgängerströme in der Stuttgarter Innenstadt zu vermelden.
 
Das Gute ist, dass die Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn augenscheinlich nennenswerte Fußgängerströme quer zur Königstraße generiert.
 
Das Schlechte ist, dass es in der Stuttgarter Innenstadt diese Fußgängerströme quer zur Königstraße augenscheinlich nur wegen der S-Bahn gibt und nicht etwa deshalb, weil die Innenstadt aus sich selbst heraus so attraktiv ist, dass sie solche Querströme generiert.
 
Bei den Fußgängerströmen in der Stuttgarter Innenstadt muss sich dringend etwas ändern 
Die Innenstadt muss größer und attraktiver werden, so dass sie flächenhaft, zweidimensional und auch quer zur Königstraße erlebbar ist. Es sind attraktive Fußgängerverbindungen - sowohl was die Straßengestaltung als auch was die die Straße begleitenden Gebäude betrifft - zu schaffen.
 
Das könnten die zu schaffenden neuen attraktiven Fußgängerverbindungen in der erweiterten Stuttgarter Innenstadt sein:
  • Büchsenstraße - Holzgartenstraße - Hegelplatz - Hegelstraße - Hölderlinplatz
  • Rotebühlplatz - Rotebühlstraße - Feuersee - Johannesstraße - Hölderlinplatz
  • Rotebühlplatz - Fritz-Elsas-Straße - Berliner Platz - Seidenstraße - Hölderlinstraße - Hölderlinplatz (hierzu müsste zunächst die hässliche und raumgreifende Tunnelrampe der Stadtbahn in der Fritz-Elsas-Straße beseitigt werden).
  • Schillerstraße - Gebhard-Müller-Platz - Willy-Brandt-Straße - Neckarstraße
  • Kronenstraße - Oberer Schlossgarten
  • Rotebühlplatz - Eberhardstraße - Torstraße - Wilhelmsplatz - Wilhelmstraße
Im Verlauf dieser Achsen müssen die Straßen neu gestaltet werden. Es müssen neue Plätze angelegt werden. Und es müssen in nennenswertem Umfang neue Gebäude errichtet werden. Die Menschen stimmen mit ihren Füßen darüber ab, ob eine Sache gelungen ist oder nicht.
 
Neue ÖPNV-Portale
Die ÖPNV-Portale zur Stuttgarter Innenstadt würden dann auch Zuwachs bekommen. Zusätzlich zu den bestehenden Portalen Hauptbahnhof, Stadtmitte, Schlossplatz, Charlottenplatz, Staatsgalerie, Rathaus, Börsenplatz und Österreichischer Platz kämen dann die Portale Feuersee, Hölderlinplatz, Schloss-/Johannesstraße, Berliner Platz und Hegelplatz dazu. Die Portale Hegelplatz und Hölderlinplatz könnten im Zuge der Realisierung einer dritten Stammstrecke in Niederflurbauweise für die Stuttgarter Stadtbahn als neuer Streckenast gebaut werden - mit der neuen Linienführung Hauptbahnhof - Hegelplatz - Hölderlinplatz - Rosenbergplatz.    
 
Ist Stuttgart 21 - Rosenstein wirklich so wichtig?
Ohne Zweifel ist dies eine riesige, jahrzehntelange Aufgabe. Sie zeigt jedoch, dass es in Stuttgart auch noch andere und möglicherweise wichtigere Aufgaben als Stuttgart 21-Rosenstein gibt. Man muss sich bei der Stadtverwaltung schon fragen, ob das kompromisslose Festhalten an Stuttgart 21-Rosenstein mit der damit verbundenen Köpfung der Gäubahn sowie der damit verbundenen Verunmöglichmachung eines ergänzenden Kopfbahnhofs die Sache wert ist, oder ob man sich nicht zunächst mal auf das Upgrading der Stuttgarter Innenstadt konzentrieren sollte, während durch die Beibehaltung der Gäubahnführung bis zum Hauptbahnhof und durch die Leistungssteigerung in Folge eines ergänzenden Kopfbahnhofs die Landeshauptstadt Stuttgart verkehrsmäßig wirklich punktet.   
 
      

 

Freitag, 11. August 2023

Gute Nachricht: Stuttgarter Lindenmuseum zieht nicht nach Stuttgart 21-Rosenstein um

Jahrelang galt das Stuttgarter Lindenmuseum als heißer Kandidat für einen Umzug auf die zukünftige Konversionsfläche Stuttgart 21-Rosenstein. Jetzt wurde entschieden: Das Lindenmuseum bleibt an seinem angestammten Platz und wird dort erweitert und städtebaulich besser integriert. 

Das teilte das Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg am 25.07.2023 mit. Voraus ging ein Beschluss des Verwaltungsrats des Museums, in dem das Land BW und die Landeshauptstadt Stuttgart vertreten sind.

Das sehen wir uns heute hier in diesem Blog mal ein wenig näher an. Denn der Fall Lindenmuseum steht beispielhaft für die zum Teil verkorkste Stadt- und Architekturplanung Stuttgarts sowie für die Fragwürdigkeit von Stuttgart 21-Rosenstein.

Das Lindenmuseum ist eines der zahlreichen Museen Stuttgarts. Es ist ein staatliches Museum für Völkerkunde sowie eines der größten Völkerkundemuseen Europas. Das Museum gehört dem Land Baden-Württemberg. Die Landeshauptstadt Stuttgart trägt die Hälfte der Finanzierung.

Angeblich ist der heutige Standort des Lindenmuseums schlecht
Das Lindenmuseum befindet sich am Hegelplatz im Stadtbezirk Stuttgart-Mitte im Stuttgarter Talkessel. Interessant ist, dass der früher geplante Umzug des Lindenmuseums nach Stuttgart 21-Rosenstein mit dem angeblich schlechten Standort des Museums begründet wurde. Das Museum befinde sich im Abseits. Das ist dann aber doch merkwürdig. Es gibt also nach Auffassung bestimmter Teile der staatlichen Legislative und Exekutive innerhalb des Stuttgarter Talkessels schlechte Standorte?! Wäre es da nicht besser, anstatt das Lindenmuseum zu verlegen, den schlechten Standort zu verbessern?
 
Die heutige desolate Situation
Das Lindenmuseum befindet sich heute an einem städtebaulichen und architektonischen Unort. Der Hegelplatz ist kein Platz, sondern eine biedere Straßenkreuzung, Die Holzgartenstraße, die zusammen mit der Büchsenstraße das Lindenmuseum mit der Innenstadt bei der Königstraße verbindet, besteht aus vielen Bäumen - und sonst nichts. Diese Straße ist eigentlich in einem Gewerbegebiet richtig platziert. Kaum ein Gebäude von architektonischem Rang ist zwischen dem Lindenmuseum und der Königstraße zu finden. Mir fallen drei Ausnahmen ein: Hospitalkirche mit Hospitalhof, Mittnachtbau und Stockgebäude.
 
Warum leistet sich die Landeshauptstadt Stuttgart selbst im Stuttgarter Talkessel solche Unorte?
Gerade mal 31 Prozent der Bevölkerung Stuttgarts lebt im Stuttgarter Talkessel (Hier wurde etwas vereinfacht, indem die Einwohner der Stadtbezirke Mitte, Ost, West, Nord und Süd zusammengezählt wurden). Gerade mal 7 Prozent der Bevölkerung der Region Stuttgart lebt im Stuttgarter Talkessel. Der Stuttgarter Talkessel macht einerseits Stuttgart touristisch interessant. Auf der anderen Seite macht er Stuttgart in den Augen z.B. von Touristen wesentlich kleiner als es eigentlich ist. Bei der Begrenztheit des Stuttgarter Talkessels sollte man eigentlich meinen, dass sich wenigstens die dort zur Verfügung stehenden Flächen städtebaulich und architektonisch optimal präsentieren. Das aber ist mitnichten der Fall.
 
Was muss städtebaulich und architektonisch getan werden?
Der Hegelplatz muss zu einem richtigen Platz entwickelt werden. Genauso muss der Platz der Deutschen Einheit am Schnittpunkt der Holzgartenstraße mit der Büchsenstraße zu einem richtigen Platz werden. Die Kreuzung Schloss-/Büchsenstraße muss ebenfalls ein richtiger Platz werden - allerdings muss dazu die störende Tunnelrampe der Stadtbahn in der Schlossstraße erst mal beseitigt werden.
 
Die drei genannten Plätze könnten - ich übertreibe jetzt absichtlich etwas - nach dem Vorbild des Piccadilly-Circus oder des Oxford-Circus in Londen oder des Gärtnerplatzes in München als Kreisverkehrsanlagen gestaltet werden. Auf allen Seiten des Hegelplatzes sowie entlang der gesamten Holzgartenstraße und Büchsenstraße muss eine architektonisch ansprechende Bebauung in Blockrandbauweise errichtet werden.
 
Die Achse zwischen der Königstraße und dem Lindenmuseum entlang der Büchsenstraße und Holzgartenstraße muss als Boulevard so gestaltet werden, dass die Menschen in größerer Zahl freiwillig und gerne von der Königstraße in Richtung Lindenmuseum flanieren.
 
Geht der Stuttgart 21-Rosenstein-Hype allmählich zu Ende?
Das Lindenmuseum gibt Stuttgart 21-Rosenstein einen Korb. Ob das bereits das Ende des Stuttgart 21-Rosenstein-Hypes einleitet, bleibt erst mal dahingestellt. Es wäre aber der Stadtpolitik nur anzuraten, sich einfach mal ein Bild von der Vielzahl der städtebaulichen und architektonischen Katastrophen innerhalb des Stuttgarter Talkessels zu machen und dann Prioritäten neu zu definieren.
 
Die Stadt sollte aufhören, gegen die Gäubahn und gegen den Ergänzungsbahnhof zu arbeiten
Die Landeshauptstadt Stuttgart kann keine substanziellen Gründe gegen die dauerhafte Führung der Gäubahn zum Hauptbahnhof und gegen einen Ergänzungsbahnhof beim Hauptbahnhof vorweisen. Dazu gibt die Stadt bei der Konversion ehemaliger Bahnflächen ein zu schlechtes Bild ab. Dazu gibt es einfach auch viel zu viele Firmen, die dem Stuttgarter Talkessel Adieu sagen und deren Flächen nun konvertiert werden müssen. Dazu gibt es viel zu viele Unorte im Stuttgarter Talkessel, die darauf warten, wachgeküsst zu werden.
 
Das Lindenmuseum hat Glück gehabt
Trotz der augenblicklichen desolaten städtebaulichen Situation am bestehenden Standort muss man das Lindenmuseum beglückwünschen, dass es am jetzigen Standort bleiben darf. Denn bei einem anvisierten Umzug nach Stuttgart 21-Rosenstein wäre in keinster Weise klar, wann ein solcher Umzug erfolgen könnte. Und wer weiß, vielleicht wäre dann das Lindenmuseum in einer anderen desolaten städtebaulichen Situation in Stuttgart 21-Rosenstein gelandet.
 
Das Stuttgarter Lindenmuseum befindet sich am Hegelplatz, einer banalen Straßenkreuzung

        
Die Holzgartenstraße als Verbindung zwischen dem Lindenmuseum und der Stuttgarter Königstraße ist grün - mehr aber auch nicht.


Samstag, 5. August 2023

Nach Umzug der Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) nach Kornwestheim: Stuttgart 21-Rosenstein immer problematischer

Die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) ist im Frühjahr 2023 von ihrem bisherigen Sitz in Stuttgart-West in ihren neuen Firmensitz beim Campus Kornwestheim umgezogen.

Dieser erneute Aderlass an Arbeitsplätzen und Wohnbevölkerung im Stuttgarter Talkessel macht das Stuttgart 21-Konversionsprojekt Rosenstein immer problematischer.

Im neuen Campus Kornwestheim arbeiten nun ca. 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der W&W. Im Gegensatz dazu bietet sich im dichtbesiedelten Stuttgarter Westen im Geviert zwischen Gutenberg-, Senefelder-, Ludwig- und Johannesstraße ein trostloses Bild. Die Tageszeitungen haben sich diesem Thema inzwischen angenommen. Demnach klagen die Restaurant- und Ladenbetreiber im Umfeld über ausbleibende Kunden und Gäste.

Wir haben hier in diesem Blog das Konversionsprojekt Stuttgart 21-Rosenstein immer wieder thematisiert. Tenor war stets, dass die Landeshauptstadt Stuttgart von diesem Projekt erst mal Abstand nehmen solle, bis konkrete Daten und Fakten zu einem Ergänzungsbahnhof beim Stuttgarter Hauptbahnhof und zu dessen Zulaufstrecken vorhanden sind.

Gestützt hat sich diese Ansicht unter anderem darauf, dass die Landeshauptstadt Stuttgart bei anderen Konversionsprojekten ein ganz schlechtes Bild abgibt und sich die Projekte über Jahrzehnte hinziehen und immer wieder verzögern.

Jetzt kommt aber ein neuer Gesichtspunkt hinzu. Es gibt auch immer mehr Leerstände in der Stadt, die durch den Wegzug von Firmen verursacht werden. Die Stadt kommt mit einer Konversion, einer Neubebauung z.B. mit Wohnungen, nicht hinterher. 

Beispiele dafür sind das EnBW-Areal beim Stöckach, das ehemalige IBM-Areal beim Autobahnkreuz Stuttgart, das Gelände hinter und neben der ehemaligen Bundesbahndirektion, das Desaster Königstraße 1 bis 3, der ehemalige UFA-Palast oder eben gerade jetzt das ehemalige W&W-Areal in Stuttgart-West. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Demnächst kommt z.B. nach dem Umzug der Allianz nach S-Vaihingen im Stuttgarter Talkessel (S-Mitte und S-West) ein weiteres Mega-Konversionsprojekt auf die Stadt zu.

Unter den aktuellen Umständen muss man noch einmal eindringlich an die Stadt appellieren:

  • Hände weg von Stuttgart 21-Rosenstein!
  • Das gesamte verfügbare Personal der Stadt ist für die bereits baubaren Konversionsmaßnahmen einzusetzen.
  • Intensive Planung des Ergänzungsbahnhofs beim Stuttgarter Hauptbahnhof mit seinen Zulaufstrecken
  • Dauerhafter Betrieb der Gäubahn bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof 
  • Erst nach genauer Kenntnis des Ergänzungsbahnhofs kann mit einer langsamen Bebauung von Stuttgart 21-Rosenstein begonnen werden.

Nach dem Umzug von W&W im Frühjahr 2023 nach Kornwestheim zeigt sich in Stuttgart-West eine riesige ungenutzte Fläche.

    

Donnerstag, 27. Juli 2023

Konversionsmaßnahme "Vogelsang" in Stuttgart-West zeigt die Fragwürdigkeit der Zeitangaben bei Stuttgart 21-Rosenstein

Im Frühsommer 2023 wurde die Neubebauung des Areals am Vogelsang im Stadtbezirk Stuttgart-West fertiggestellt.

Auf dem Gelände befand sich früher ein Betriebshof für die Straßenbahn, der im Jahr 1989 stillgelegt wurde. Damit beanspruchte diese Konversionsmaßnahme 34 Jahre Zeit von der Freiwerdung des Gebiets bis zur Vollendung der Bebauung - und das bei einem Grundstück mit den Maßen von nur 200 mal 65 Meter!

Diese Zahlen sind ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es in der Landeshauptstadt Suttgart nicht möglich ist, Grundstücke im Rahmen einer Konversionsmaßnahme zügig zu bebauen. Im Gegenteil: Die Bebauung benötigt jeweils viele Jahrzehnte.

Jahrzehnte am Vogelsang sind keine Ausnahme
Dabei ist das Areal am Vogelsang keine Ausnahme, sondern die Regel für Konversionsprojekte in Stuttgart. Man könnte zum Beispiel auch das Europaviertel beim Stuttgarter Hauptbahnhof nennen, das gerne zu Stuttgart 21 hinzugezählt wird, aber mit Stuttgart 21 eigentlich nichts zu tun hat. Bei diesem Konversionsprojekt begann die erste Maßnahme (Büroklotz der LBBW) im Jahr 1990. Bis heute ist die Bebauung des Europaviertels immer noch nicht annähernd fertig. Die Maßnahme ist also seit nunmehr 33 Jahren im Bau - ohne Ende. Oder sehen wir noch ganz kurz nach Bad Cannstatt und zum dortigen Konversionsprojekt Güterbahnhof. Das Gelände wurde im Jahr 2000 durch die Stadt erworben. Heute ist noch nicht einmal ein Drittel des Geländes bebaut und das nach 23  Jahren.

Man erhält den Eindruck, dass es in Stuttgart entweder keinen Wohnungsmangel gibt oder dass die Stadt (verwenden wir mal diesen abstrakten Begriff) nicht in der Lage ist, genügend Baumaßnahmen in einer vernünftigen Zeitspanne durchzuführen.

Was für das Vogelsang, für das Europaviertel oder für den ehemaligen Güterbahnhof in Bad Cannstatt gilt, wird auch beim Stuttgart 21-Rosensteinviertel so ablaufen. Es wird viele Jahrzehnte brauchen, bis auch nur ein Teil des Gebiets bebaut sein wird.

Landeshauptstadt Stuttgart hat kein Argument gegen Gäubahn
Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass sich die Landeshauptstadt Stuttgart mit Händen und Füßen gegen einen Weiterbetrieb der Gäubahn auf der oberirdischen Panoramastrecke zum Stuttgarter Hauptbahnhof sowie gegen einen Weiterbetrieb eines Teils des Kopfbahnhofs wehrt. Das wird langsam lächerlich und blamabel. Hier ist jetzt der Zeitpunkt erreicht, wo die dritte Gewalt im Staat, die Judikative, die Bühne betreten muss. Dank der Klage der Deutschen Umwelthilfe wird es so dann auch kommen.  

Blickfang der Konversionsmaßnahme "Vogelsang" in Stuttgart-West ist dieses siebenstöckige Gebäude mit Rundungen.


      

Montag, 3. Juli 2023

Stuttgart 21 und Stuttgarts Hässlichkeit: Beides hängt irgendwie zusammen

Die überregionale Tageszeitung Die Welt bringt in ihrer Internetausgabe vom 03. Juli 2023 hinter der Bezahlschranke einen Artikel zu Stuttgarts Hässlichkeit.

Bereits die ersten, für jedermann sichtbaren Sätze haben es in sich. Demnach gibt es in Stuttgart ein Städtebau-Desaster. Schon das Umsteigen sei hier schlimm. Noch schlimmer sei es aber, wenn man hier aussteigt. Und im letzten sichtbaren Satz heißt es: "Stuttgart, so der Eindruck, hat sich aufgegeben".

Als geborener Stuttgarter und als Stuttgarter, der den größeren Teil seiner bisherigen Lebenszeit in Stuttgart verbracht hat, kann ich dem Artikel im Großen und Ganzen zustimmen. Auch hier in diesem Blog habe ich das Thema schön des Öfteren gestreift. So habe ich den aus Richtung Hauptbahnhof gesehen linken Teil der Königstraße als die hässlichsten 250 Straßenmeter entlang einer Fußgängerzone in Deutschlands bezeichnet.

Gerade in diesem Monaten ließt man in immer mehr Foren und Rankings, dass Stuttgart anscheinend zu den hässlichsten Städten Deutschlands gehört.

Schlüsseln wir das mal auf:
Städtebaulich ansprechbar in Stuttgart sind der Schlossplatz, der Schillerplatz und die wenigen angrenzenden historischen Ecken sowie die Gründerzeitviertel, die noch erhalten sind. Alles andere ist dazu geeignet, sich auf den Bauch zu legen und mit den Fäusten auf den Boden zu trommeln.
 
Welchen Zusammenhang gibt es zu Stuttgart 21?
Ich vertrete die folgende These: Eine Stadt, die städtebaulich etwas hergibt, hätte niemals zugelassen, dass Stuttgart 21 gebaut wird. Umgekehrt konnte Stuttgart 21 nur in einer Stadt entstehen, die sich städtebaulich bereits aufgegeben hat.
 
Gibt es noch einen Ausweg?
Stuttgart braucht herausragende Fachleute als Baubürgermeister und Baubeamte. Zudem sollten diese Fachleute den Stuttgarter Gemeinderat überzeugen können.

Der bisher berühmteste Baumeister Württembergs war und ist Heinrich Schickardt (Renaissance). Das badische Pendent ist Johann Jakob Friedrich Weinbrenner (Klassizismus). Stuttgart müsste in ganz Europa suchen, ob es solche herausragenden Fachleute heute noch gibt und ob sie bereit wären, in das hässliche Stuttgart zu ziehen.  

Samstag, 20. Mai 2023

Stuttgart 21-Rosenstein: Sofort stoppen!

Bereits im Post vom 21. April 2023 in diesem Blog haben wir uns mit dem Neubaugebiet Rosenstein von Stuttgart 21 beschäftigt.

Bereits damals war klar: Die Landeshauptstadt Stuttgart muss das für das Neubaugebiet Rosenstein abgestellte Personal sofort von dort abziehen und statt dessen alle verfügbaren Kräfte in die Entwicklung von Bestandsgebieten vorhalten.

Die Ausgabe 347 des "Immobilienbriefs Stuttgart" vom 09.05.2023 scheint die Notwendigkeit dieser Vorgehensweise zu bestätigen. Demnach "erklären schon lange viele Bauträger, dass sie in der Landeshauptstadt nicht mehr bauen wollen". Als Grund wird angegeben, dass die Genehmigungspraxis besonders rigide sei. Es kommt noch hinzu, dass das vom Gemeinderat forcierte Innenentwicklungsmodell mit einem Anteil von 50 Prozent geförderter Wohnungen für Investoren nicht attraktiv sei.

Jetzt kommt so langsam Licht ins Dunkel. In der Landeshauptstadt Stuttgart werden nicht deshalb so wenig Wohnungen gebaut, weil dort Platzmangel herrscht. Vielmehr sind die Stadtverwaltung und der Gemeinderat verantwortlich für die Misere. Tausende und Abertausende Wohnungen könnten in Bestandsgebieten gebaut werden und gleichzeitig diesen Gebieten einen urbanen Entwicklungsschub bescheren, wenn die Landeshauptstadt Stuttgart eine bessere Wohnungsbaupolitik betreiben würde.

Was ist mit Stuttgart 21-Rosenstein?
Vor diesem Hintergrund ist eine Bebauung des Gebiets Rosenstein unnötig und falsch. Wenn in Stuttgart kaum mehr neue Wohnungen gebaut werden, würde dies auch für das Gebiet Rosenstein gelten. Jede weitere Planung für das Gebiet Rosenstein ist vor diesem Hintergrund hinausgeworfenes Geld. Die verfügbaren Resourcen müssen dafür verwendet werden, dass die hausgemachten Wohnungsbaufehler der Landeshauptstadt Stuttgart geheilt werden.
 
Und es gibt noch einen Grund für die Forderung nach einem Verzicht auf das Baugebiet Rosenstein: Das Baugebiet Rosenstein behindert die Entwicklung eines attraktiven Bahnknotens Stuttgart. Hierzu werden ein Ergänzungsbahnhof beim Stuttgarter Hauptbahnhof, die Beibehaltung der Panoramastrecke der Gäubahn mit Einführung in den Ergänzungsbahnhof sowie die Einführung der S-Bahnstrecken von Bad Cannstatt und vom Nordbahnhof in den Ergänzungsbahnhof benötigt.
 
Stuttgart schlittert in zwei Miseren gleichzeitig
Stuttgart muss sich zur Zeit also mit zwei Miseren gleichzeitig herumschlagen. Einerseits geht es mit dem Wohnungsbau nicht mehr voran. Andererseits behindert die Landeshauptstadt Stuttgart einen attraktiven Bahnknoten Stuttgart. So etwas habe ich bisher bei keiner anderen Großstadt in Europa beobachtet.

 

   

Freitag, 21. April 2023

Stuttgart 21-Rosenstein: Unnötig, falsch, zu teuer

Das Neubaugebiet Rosenstein ist gemäß den Statements der Landeshauptstadt Stuttgart der Hauptgrund bzw. der einzige Grund, weswegen man sich am Projekt Stuttgart 21 beteiligt hat.

Neuere Entwicklungen zeigen die Fragwürdigkeit dieser Argumentation.

Vor wenigen Tagen kam wie ein Paukenschlag die Auskunft der EnBW, dass der geplante Bau von 800 Wohnungen in Stuttgart-Ost auf dem Gelände zwischen dem Stöckach und dem Park der Villa Berg nicht umgesetzt werden kann. Das Ganze würde sich nicht rechnen.

Es gibt viele ähnliche, wenngleich nicht so spektakuläre Beispiele. So gibt es gleich in der Nachbarschaft beidseits der Neckarstraße in der Nähe der Stadtbahnhaltestelle Metzstraße nach dem Wegzug eines Autohändlers große Flächen, die einer Bebauung mit Wohnungen harren. Seit Jahren tut sich dort nichts. In der ganzen Stadt gibt es unzählige Flächen, die entweder brach liegen oder unterwertig bebaut sind. Würde man diese Flächen jetzt in der nächsten Zeit bebauen, gäbe es Tausende neue Wohnungen.

Das Projekt Stuttgart 21-Rosenstein ist vor diesem Hintergrund aus der Zeit gefallen.

Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis
Nur um irgendwann mal in einigen Jahrzehnten dort Wohnungen zu bauen, müssen riesige Einschränkungen in Kauf genommen werden.

Es wird mit dem achtgleisigen Stuttgart 21-Tiefbahnhof ein neuer Engpass gebaut.

Die Menschen müssen jahrelang oder jahrzehntelang Einschränkungen und Umleitungen in Kauf nehmen.

Ergänzungen des Engpasses sollen irgendwann einmal als Tangentiallinien gebaut werden, ein Angriff auf das System Eisenbahn, das dadurch gekennzeichnet ist, dass die Züge in das Herz der Städte fahren sollen.

Wegen Stuttgart 21 muss ein neues Zugsicherungssystem gebaut werden, das wochen- und monatelange Streckensperrungen in der Region Stuttgart nach sich zieht. 

Wegen des Engpasses Stuttgart 21-Tiefbahnhof können wichtige Durchbindungen (wie z.B. die Württembergische Magistrale Esslingen - Hauptbahnhof -  Ludwigsburg) nicht stattfinden.

Die Gäubahn droht für Jahrzehnte vom Hauptbahnhof abgehängt zu werden - ein in Europa beispielloses Desaster, usw..

Gutes Beispiel Heidelberg
Die Stadt Heidelberg hat in den letzten Jahren das Neubaugebiet "Bahnstadt" gebaut. Es ist größer als alle Stuttgart 21-Bebauungsflächen zusammengenommen. Für die Bahnstadt war kein neuer Hauptbahnhof erforderlich. Es wurde kein neuer Engpass geschaffen. Es gab keine Beeinträchtiungen während des Baus. Unter diesem Umständen kann man ein solches Neubaugebiet selbstverständlich anpacken.
 
Was muss die Landeshauptstadt Stuttgart jetzt tun?
Das für Stuttgart 21-Rosenstein abgestellte Personal muss dort wieder abgezogen werden. Die Stadt muss alle Kräfte darauf konzentrieren, dass in den bestehenden Bebauungsgebieten Lücken geschlossen werden und eine urbane Entwicklung stattfindet.
 
Darüber hinaus muss sich die Landeshauptstadt Stuttgart kontruktiv in den Bau eines Ergänzungsbahnhofs mit seinen Zulaufstrecken einbringen. Nach der Fertigstellung eines solchen Bahnhofs bleiben dann trotzdem noch genügend Flächen, die sich später für eine anderweitige Bebauung eignen. 

 

     

Dienstag, 14. März 2023

Nach Straßentunnel-Kapitulation in Stuttgart: Rosenstein ist kein Argument mehr gegen Beibehaltung eines Teil-Kopfbahnhofs

Die Stuttgarter Stadtverwaltung hat den Gemeinderat darüber informiert, dass wegen der zahlreichen maroden Brücken und Tunnel sowie wichtiger IBA-Projekte und fehlendem Personal Straßen- und Tunnelprojekte gestrichen werden müssen. Dazu gehört auch der geplante lange Straßentunnel im Verlauf der B10/B27 bei der Friedrichswahl.

Darüber berichtet der BUND Kreisverband Stuttgart am 23.02.2023. 

Damit dürfte aber klar sein: Die von der Landeshauptstadt Stuttgart gewünschte Bebauung der Gleisanlagen beim bestehenden Kopfbahnhof und auf dem bisherigen Gleisvorfeld wird sich nicht wie gewünscht realisieren lassen. Argumente gegen eine Beibehaltung eines Teils des bestehenden Kopfbahnhofs hat die Landeshauptstadt Stuttgart somit nicht mehr.

Sehen wir uns die Sache noch etwas näher an.
 
Der Bestand bei der Friedrichswahl an der Grenze der Stuttgarter Stadtbezirke Feuerbach und Zuffenhausen stammt noch aus den autofreundlichen Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Das gewaltige Straßenohr und die Straßenbrücke dort waren im Hinblick auf eine sechsspurige Krailenshaldentrasse bis zum Pragsattel schon mal vorweg gebaut worden. Die Krailenshaldentrasse wird nicht mehr kommen. Als Ersatz war ein Dachsraintunnel geplant. Auch dieser Tunnel wird nicht mehr kommen. Als Ersatz hat man die Heilbronner Straße zwischen dem Pragsattel und der Friedrichswahl sechsspurig ausgebaut. Dieser sechsspurige Ausbau weist allerdings Problemstellen auf.
 
Im Januar 2022 hat der Stuttgarter Gemeinderat beschlossen, dass bei der Friedrichswahl ein langer, sechsspuriger Straßentunnel gebaut wird. Danach sollten die nicht mehr benötigte Brücke und das Ohr abgerissen werden.
 
Nun ist auch diese Planung obsolet geworden. Die Stuttgarter Stadtverwaltung kommt nicht mehr nach.
 
Daraus sollte man einmal mehr jedoch auch Schlussfolgerungen für Stuttgart 21 ziehen.
 
1. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Stuttgarter Stadtverwaltung auch bei der Bebauung der Gleisflächen nicht hinterherkommen. Das Ganze wird sich möglicherweise bis 2070 hinziehen.
 
2. Auch wenn ein Teil des bestehenden Kopfbahnhofs mit den Zuläufen von der Gäubahn und von Zuffenhausen erhalten bleibt, gibt es genügend freiwerdende Flächen, um der Stadtverwaltung in den kommenden 40 Jahren ein Auskommen zu sichern.
 
3. Mit der Internationalen Bauausstellung IBA 27 hat sich die Landeshauptstadt Stuttgart bereits blamiert. Diese IBA sollte auf den freigewordenen Gleisflächen stattfinden. Das ist selbstverständlich im Jahr 2027 nicht möglich. Eine weitere Blamage sollte sich die Landeshauptstadt Stuttgart sparen und ihren Widerstand gegen eine Beibehaltung eines Teils der Kopfbahnhofs aufgeben.