Samstag, 3. April 2021

Grüne und CDU einigen sich in BW auf Unterstützung eines "leistungsfähigen und digitalen Bahnknotens Stuttgart"

Grüne und CDU in Baden-Württemberg wollen in den kommenden fünf Jahren einen leistungsfähigen und digitalen Bahnknoten Stuttgart unterstützen.

Das ist jedenfalls einer von vielen Punkten aus dem Sondierungsergebnis vom 3. April 2021, mit dem die Sondierungsverhandlungen zwischen den Grünen und der CDU zur Bildung einer neuen Regierung in BW abgeschlossen worden sind.

Nehmen wir mal an, dass der digitale Bahnknoten Stuttgart der Beitrag der BW-CDU zum Thema Stuttgart 21 war. Es gibt bei diesem Thema ja erhebliche Zweifel von Fachleuten und aus der Praxis, ob die Digitalisierung (ETCS) tatsächlich zu einer Leistungssteigerung bei großen Bahnknoten führt.

Das andere Thema, das wahrscheinlich von den Grünen angestoßen worden ist, ist der leistungsfähige Bahnknoten Stuttgart. Das ist nun sehr vage und kann alles oder gar nichts bedeuten. Allerdings ist auf der Stufe der Sondierungsverhandlungen auch nicht mehr zu erwarten. Mehr ins Detail werden die Koalitionsverhandlungen in den kommenden Wochen gehen, die dann mit dem Koalitionsvertrag abschließen werden. Da kann es noch spannend werden.

Hier in diesem Blog und zum aktuellen Zeitpunkt bleibt nur eine kurze Auflistung wichtiger Punkte, die den Bahnknoten Stuttgart eben gerade nicht leistungsfähig machen:

 

1. Bei Stuttgart 21 werden 40 Prozent der Nachfrage nach Bahnverkehrsleistungen über eine nur zweigleisige Zufahrt geführt (Zufahrt Zuffenhausen, Nordzulauf). Fernverkehr und Regionalverkehr werden nicht getrennt. Das ist einmalig in Deutschland und stellt einen gravierenden Engpass dar.

2. Mit nur acht Bahnsteiggleisen ist der Bahnknoten Stuttgart nicht fit für den Deutschlandtakt. Der Engpass mit den acht Gleisen im Hauptbahnhof war zu Anfang der Planungen nur deshalb gerade noch tolerabel, weil ein Betriebsprogramm erstellt wurde, das nur auf die Bedürfnisse von Stuttgart 21 ausgerichtet war und den Stuttgarter Hauptbahnhof ins fahrplantechnische Zentrum in Deutschland gerückt hat. Das aber ist unrealistisch und praxisuntauglich.

3. Der Stuttgart 21-Tiefbahnhof weist über 100 Doppelbelegungen von Bahnsteiggleisen auf. Das führt zu Fahrzeitverlängerungen, zu Folgeverspätungen und zur Gefahr, dass das Eisenbahnbundesamt die Betriebsgenehmigung versagt.

4. Zusätzlich zu Punkt 3. gibt es im Stuttgart 21-Tiefbahnhof auch noch eine übermäßige Gleisneigung, die dazu führt, dass im offiziellen Jargon dies gar kein Bahnhof, sondern nur ein Haltepunkt ist. Punkt 3. und 4. zusammen haben das Potenzial, dass Stuttgart 21 als Investitionsruine endet.

5. Die Stuttgarter S-Bahn wird durch Stuttgart 21 schwer gebeutelt, indem eine Umfahrungsmöglichkeit des Hauptbahnhofs bei Störungen nicht mehr gegeben ist.

6. Die Gäubahn wird auf die Gleise der Flughafen-S-Bahn geleitet. Während überall sonst S-Bahnen und Fern- und Regionalverkehr durch aufwändige Investitionen getrennte Gleise erhalten, wird bei Stuttgart 21 gerade das Gegenteil gemacht. Stuttgart könnte zum Gespött in ganz Europa werden.

7. Die Gäubahn verliert bei Stuttgart 21 ihre eigenen Gleise zum Hauptbahnhof. Statt dessen muss sie sich in den Fildertunnel einfädeln. Dies hat - zusammen mit den zahlreichen anderen Engstellen - gravierende Auswirkungen auf den Freiheitsgrad der Fahrplangestaltung, auf die Anschlüsse im Hauptbahnhof und auf die Leistungsfähigkeit.

Hoffen wir, dass die Grünen in den kommenden Koalitionsverhandlungen den "leistungsfähigen Bahnknoten Stuttgart" mit Leben füllen und für jeden der oben genannten Punkte ein Maßnahmenpaket umsetzen, das im Übrigen nicht erfunden werden muss, sondern längst bekannt ist.

  

 

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