Freitag, 25. August 2023

Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke hat massive Auswirkungen auf die Fußgänger-Ströme in der Stuttgarter Innenstadt

Während der Sommerferien 2023 ist die Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn einmal mehr gesperrt. Die Sperrung der Stammstrecke - so unangenehm und ärgerlich sie ist - bietet die Gelegenheit, sich die Fußgängerströme in der Stuttgarter Innenstadt ein wenig näher zu betrachten. 

Die Haupt-Fußgängerströme in der Stuttgarter Innenstadt bewegen sich im Verlauf der Königstraße und einiger parallel verlaufender Straßen. Fußgängerströme quer zu dieser Hauptrichtung sind rar.

Die Stuttgarter S-Bahn hat die Fußgängerströme in der Innenstadt entscheidend geändert
Die Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn hat es immerhin geschafft, dass es seit dem Jahr 1978 auch einige Fußgängerströme quer zur Königstraße gibt. An erster Stelle ist hier der S-Bahnhaltepunkt Stadtmitte zu nennen. Dieser unterirdisch gelegene Haltepunkt generiert große Fußgängerströme quer zur Königstraße. Das sind die folgenden drei Relationen:
  • Büchsenstraße - Schulstraße - Marktplatz - Dorotheenquartier
  • Rotebühlplatz - Königstraße - Eberhardstraße
  • Sophienstraße - Einkaufszentrum Gerber
Während der sechswöchigen Sperrung der Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn wurden diese querenden Fußgängerströme jedoch zu einem Rinnsal.

Im Cafe bei den Kreuzungen Büchsenstraße / Calwer Straße und Sophien -/ Marienstraße 
Das kann man z.B. bei der Kreuzung  Büchsenstraße / Calwer Straße gut beobachten. Dort befindet sich ein Bäcker-Cafe. Sitzt man dort, kann man normalerweise einen wahren Fußgängerstrom im Verlauf der Büchsenstraße beobachten. Während der Sommerferien ist dieser Strom nun fast versiegt.
 
Auch an der Kreuzung Sophienstraße / Marienstraße befindet sich ein Bäckercafe. Auch hier kann man normalerweise einen richtigen Fußgängerstrom im Verlauf der Sophienstraße beobachten. Während der Sommerferien ist im Verlauf der Sophienstraße nun kaum was los.
 
Diese großen Veränderungen lassen sich alleine wegen der Sommerferien und wegen der generell schlechten Erreichbarkeit der Stuttgarter Innenstadt als Folge der S21-Baustelle nicht vollumfänglich erklären.
 
Gutes und Schlechtes bei den Fußgängerströmen   
Es gibt also etwas Gutes und etwas Schlechtes zum Thema Fußgängerströme in der Stuttgarter Innenstadt zu vermelden.
 
Das Gute ist, dass die Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn augenscheinlich nennenswerte Fußgängerströme quer zur Königstraße generiert.
 
Das Schlechte ist, dass es in der Stuttgarter Innenstadt diese Fußgängerströme quer zur Königstraße augenscheinlich nur wegen der S-Bahn gibt und nicht etwa deshalb, weil die Innenstadt aus sich selbst heraus so attraktiv ist, dass sie solche Querströme generiert.
 
Bei den Fußgängerströmen in der Stuttgarter Innenstadt muss sich dringend etwas ändern 
Die Innenstadt muss größer und attraktiver werden, so dass sie flächenhaft, zweidimensional und auch quer zur Königstraße erlebbar ist. Es sind attraktive Fußgängerverbindungen - sowohl was die Straßengestaltung als auch was die die Straße begleitenden Gebäude betrifft - zu schaffen.
 
Das könnten die zu schaffenden neuen attraktiven Fußgängerverbindungen in der erweiterten Stuttgarter Innenstadt sein:
  • Büchsenstraße - Holzgartenstraße - Hegelplatz - Hegelstraße - Hölderlinplatz
  • Rotebühlplatz - Rotebühlstraße - Feuersee - Johannesstraße - Hölderlinplatz
  • Rotebühlplatz - Fritz-Elsas-Straße - Berliner Platz - Seidenstraße - Hölderlinstraße - Hölderlinplatz (hierzu müsste zunächst die hässliche und raumgreifende Tunnelrampe der Stadtbahn in der Fritz-Elsas-Straße beseitigt werden).
  • Schillerstraße - Gebhard-Müller-Platz - Willy-Brandt-Straße - Neckarstraße
  • Kronenstraße - Oberer Schlossgarten
  • Rotebühlplatz - Eberhardstraße - Torstraße - Wilhelmsplatz - Wilhelmstraße
Im Verlauf dieser Achsen müssen die Straßen neu gestaltet werden. Es müssen neue Plätze angelegt werden. Und es müssen in nennenswertem Umfang neue Gebäude errichtet werden. Die Menschen stimmen mit ihren Füßen darüber ab, ob eine Sache gelungen ist oder nicht.
 
Neue ÖPNV-Portale
Die ÖPNV-Portale zur Stuttgarter Innenstadt würden dann auch Zuwachs bekommen. Zusätzlich zu den bestehenden Portalen Hauptbahnhof, Stadtmitte, Schlossplatz, Charlottenplatz, Staatsgalerie, Rathaus, Börsenplatz und Österreichischer Platz kämen dann die Portale Feuersee, Hölderlinplatz, Schloss-/Johannesstraße, Berliner Platz und Hegelplatz dazu. Die Portale Hegelplatz und Hölderlinplatz könnten im Zuge der Realisierung einer dritten Stammstrecke in Niederflurbauweise für die Stuttgarter Stadtbahn als neuer Streckenast gebaut werden - mit der neuen Linienführung Hauptbahnhof - Hegelplatz - Hölderlinplatz - Rosenbergplatz.    
 
Ist Stuttgart 21 - Rosenstein wirklich so wichtig?
Ohne Zweifel ist dies eine riesige, jahrzehntelange Aufgabe. Sie zeigt jedoch, dass es in Stuttgart auch noch andere und möglicherweise wichtigere Aufgaben als Stuttgart 21-Rosenstein gibt. Man muss sich bei der Stadtverwaltung schon fragen, ob das kompromisslose Festhalten an Stuttgart 21-Rosenstein mit der damit verbundenen Köpfung der Gäubahn sowie der damit verbundenen Verunmöglichmachung eines ergänzenden Kopfbahnhofs die Sache wert ist, oder ob man sich nicht zunächst mal auf das Upgrading der Stuttgarter Innenstadt konzentrieren sollte, während durch die Beibehaltung der Gäubahnführung bis zum Hauptbahnhof und durch die Leistungssteigerung in Folge eines ergänzenden Kopfbahnhofs die Landeshauptstadt Stuttgart verkehrsmäßig wirklich punktet.   
 
      

 

Freitag, 18. August 2023

Fahrpersonalmangel führt direkt zu einem Ergänzungsbahnhof beim Stuttgart 21-Hauptbahnhof

Der augenscheinliche Fahrpersonalmangel bei den verschiedenen Bahnbetreibergesellschaften führt direkt zur Notwendigkeit des Baus eines Ergänzungsbahnhofs beim Stuttgart 21-Hauptbahnhof.

Diesen Zusammenhang sehen wir uns im heutigen Post in diesem Blog näher an.

Das Frühjahr und der Sommer sowie voraussichtlich auch der Herbst 2023 usw. sind ja beim Bahnverkehr in der Region Stuttgart durch zahlreiche länger andauernde Streckensperrungen und Taktausdünnungen gekennzeichnet. Dadurch wird aber möglicherweise ein anderes Problem beim Bahnverkehr überdeckt, das in der Zukunft größere Bedeutung erlangen und hartnäckig weiterbestehen könnte. Es geht um den Mangel an Fahrpersonal.

Drei Beispiele hierzu:
1. An einem Wochenende im Juli 2023 kündigte die Bahn kurzfristig an, dass wegen Krankmeldungen im zentralen Stellwerk von Gernsbach die Murgtalbahn zwischen Rastatt und Freudenstadt nicht verkehren könne.
 
2. Unmittelbar nach der Aufhebung der Streckensperrung Stuttgart-Waiblingen kündigte Go-Ahead an, dass der IRE 1 Stuttgart - Aalen während der gesamten Sommerferien nicht fahren könne, weil die Züge und das Personal zur Verstärkung der Residenzbahn Stuttgart - Karlsruhe benötigt würden.
 
3. Im ersten Augustdrittel gibt es nun Meldungen, wonach die SWEG im Verlauf des MEX Stuttgart - Pforzheim wegen Personalmangels nur noch jeden zweiten Zug fahren lässt.

Ob diese Dinge nun wegen Krankheit oder bevorzugt in den Ferien auftreten, ist sekundär. Es weist trotzdem auf Personalmangel hin.
 
Wir müssen uns möglicherweise darauf einstellen, dass das Problem des Fahrpersonalmangels dauerhaft bestehen wird und weitere Taktverdichtungen und neue Linien dadurch nicht mehr umgesetzt werden können.
 
Automatisierung
Wegen mangelnder Kenntnisse auf diesem Gebiet kann ich nicht sagen, ob es in der Zukunft in nennenswertem Umfang fahrerlose Züge geben wird und dadurch der Personalmangel behoben werden kann. Dieses Thema müssen wir deshalb hier erst mal zurückstellen.
 
Doppelstockzüge
Eine Möglichkeit, ohne Taktverdichtungen mehr Kapazität zu schaffen, ist der Einsatz von Doppelstockzügen. Genau das will das Land BW auch tun. Es hat zahlreiche neue Doppelstockzüge bestellt. Die heute in der Region Stuttgart verkehrenden, noch relativ neuen einstöckigen Züge sollen dann in andere Landesteile transferiert werden.
 
Allerdings war das Motiv für die Bestellung von Doppelstockzügen ursprünglich nicht ein drohender Fahrpersonalmangel, sondern generell die Befürchtung, dass die Kapazität von Stuttgart 21 nicht ausreicht.
 
Doppelstockzüge haben allerdings weniger Türen als einstöckige Züge und ein wesentlich höheres Fahrgastaufkommen pro Tür. Deshalb führen Doppelstockzüge zu längeren Aufenthalten im Stuttgart 21-Tiefbahnhof und damit zu einer kleineren Kapazität des Bahnhofs.  
 
Längere Züge
Eine weitere Möglichkeit, mehr Kapazität ohne Taktverdichtungen zu erhalten, ist der Einsatz längerer Züge. Damit gemeint sind Züge, die länger als 200 Meter sind. Ein solcher Schritt ist für die Verkehrswende notwendig, weil die Doppelstockzüge alleine den Erfolg nicht bringen werden.
 
Im Gegensatz zur S-Bahn, wo ja die Haltepunkte der Stammstrecke nicht verlängert werden können, ist dies beim Regionalverkehr durchaus möglich - auch wenn hierfür der eine oder andere Bahnhof längere Bahnsteige benötigt.  

Ergänzungsbahnhof unabdingbar
Sobald aber die Regionalzüge länger als 200 Meter sind, kann es keine Doppelbelegungen von Bahnsteiggleisen im Stuttgart 21-Tiefbahnhof mehr geben. Dann kann der Stuttgart 21-Tiefbahnhof die bisher geplanten Züge nicht mehr bewältigen. Dann braucht es unabdingbar den Ergänzungsbahnhof. Auch die Doppelstockzüge führen direkt zur Notwendigkeit eines Ergänzungsbahnhofs.
 
Abgesehen davon wird der Ergänzungsbahnhof auch noch aus einer ganzen Reihe von anderen Gründen gebraucht. Das haben wir hier in diesem Blog ja schon zur Genüge aufgelistet.
 
Also: Es besteht eine direkte Verbindung vom drohenden Fahrpersonalmangel zum Ergänzungsbahnhof beim Stuttgart 21-Tiefbahnhof. Bei der Planung dieses Ergänzungsbahnhofs sollte man dies berücksichtigen.    
       

Freitag, 11. August 2023

Gute Nachricht: Stuttgarter Lindenmuseum zieht nicht nach Stuttgart 21-Rosenstein um

Jahrelang galt das Stuttgarter Lindenmuseum als heißer Kandidat für einen Umzug auf die zukünftige Konversionsfläche Stuttgart 21-Rosenstein. Jetzt wurde entschieden: Das Lindenmuseum bleibt an seinem angestammten Platz und wird dort erweitert und städtebaulich besser integriert. 

Das teilte das Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg am 25.07.2023 mit. Voraus ging ein Beschluss des Verwaltungsrats des Museums, in dem das Land BW und die Landeshauptstadt Stuttgart vertreten sind.

Das sehen wir uns heute hier in diesem Blog mal ein wenig näher an. Denn der Fall Lindenmuseum steht beispielhaft für die zum Teil verkorkste Stadt- und Architekturplanung Stuttgarts sowie für die Fragwürdigkeit von Stuttgart 21-Rosenstein.

Das Lindenmuseum ist eines der zahlreichen Museen Stuttgarts. Es ist ein staatliches Museum für Völkerkunde sowie eines der größten Völkerkundemuseen Europas. Das Museum gehört dem Land Baden-Württemberg. Die Landeshauptstadt Stuttgart trägt die Hälfte der Finanzierung.

Angeblich ist der heutige Standort des Lindenmuseums schlecht
Das Lindenmuseum befindet sich am Hegelplatz im Stadtbezirk Stuttgart-Mitte im Stuttgarter Talkessel. Interessant ist, dass der früher geplante Umzug des Lindenmuseums nach Stuttgart 21-Rosenstein mit dem angeblich schlechten Standort des Museums begründet wurde. Das Museum befinde sich im Abseits. Das ist dann aber doch merkwürdig. Es gibt also nach Auffassung bestimmter Teile der staatlichen Legislative und Exekutive innerhalb des Stuttgarter Talkessels schlechte Standorte?! Wäre es da nicht besser, anstatt das Lindenmuseum zu verlegen, den schlechten Standort zu verbessern?
 
Die heutige desolate Situation
Das Lindenmuseum befindet sich heute an einem städtebaulichen und architektonischen Unort. Der Hegelplatz ist kein Platz, sondern eine biedere Straßenkreuzung, Die Holzgartenstraße, die zusammen mit der Büchsenstraße das Lindenmuseum mit der Innenstadt bei der Königstraße verbindet, besteht aus vielen Bäumen - und sonst nichts. Diese Straße ist eigentlich in einem Gewerbegebiet richtig platziert. Kaum ein Gebäude von architektonischem Rang ist zwischen dem Lindenmuseum und der Königstraße zu finden. Mir fallen drei Ausnahmen ein: Hospitalkirche mit Hospitalhof, Mittnachtbau und Stockgebäude.
 
Warum leistet sich die Landeshauptstadt Stuttgart selbst im Stuttgarter Talkessel solche Unorte?
Gerade mal 31 Prozent der Bevölkerung Stuttgarts lebt im Stuttgarter Talkessel (Hier wurde etwas vereinfacht, indem die Einwohner der Stadtbezirke Mitte, Ost, West, Nord und Süd zusammengezählt wurden). Gerade mal 7 Prozent der Bevölkerung der Region Stuttgart lebt im Stuttgarter Talkessel. Der Stuttgarter Talkessel macht einerseits Stuttgart touristisch interessant. Auf der anderen Seite macht er Stuttgart in den Augen z.B. von Touristen wesentlich kleiner als es eigentlich ist. Bei der Begrenztheit des Stuttgarter Talkessels sollte man eigentlich meinen, dass sich wenigstens die dort zur Verfügung stehenden Flächen städtebaulich und architektonisch optimal präsentieren. Das aber ist mitnichten der Fall.
 
Was muss städtebaulich und architektonisch getan werden?
Der Hegelplatz muss zu einem richtigen Platz entwickelt werden. Genauso muss der Platz der Deutschen Einheit am Schnittpunkt der Holzgartenstraße mit der Büchsenstraße zu einem richtigen Platz werden. Die Kreuzung Schloss-/Büchsenstraße muss ebenfalls ein richtiger Platz werden - allerdings muss dazu die störende Tunnelrampe der Stadtbahn in der Schlossstraße erst mal beseitigt werden.
 
Die drei genannten Plätze könnten - ich übertreibe jetzt absichtlich etwas - nach dem Vorbild des Piccadilly-Circus oder des Oxford-Circus in Londen oder des Gärtnerplatzes in München als Kreisverkehrsanlagen gestaltet werden. Auf allen Seiten des Hegelplatzes sowie entlang der gesamten Holzgartenstraße und Büchsenstraße muss eine architektonisch ansprechende Bebauung in Blockrandbauweise errichtet werden.
 
Die Achse zwischen der Königstraße und dem Lindenmuseum entlang der Büchsenstraße und Holzgartenstraße muss als Boulevard so gestaltet werden, dass die Menschen in größerer Zahl freiwillig und gerne von der Königstraße in Richtung Lindenmuseum flanieren.
 
Geht der Stuttgart 21-Rosenstein-Hype allmählich zu Ende?
Das Lindenmuseum gibt Stuttgart 21-Rosenstein einen Korb. Ob das bereits das Ende des Stuttgart 21-Rosenstein-Hypes einleitet, bleibt erst mal dahingestellt. Es wäre aber der Stadtpolitik nur anzuraten, sich einfach mal ein Bild von der Vielzahl der städtebaulichen und architektonischen Katastrophen innerhalb des Stuttgarter Talkessels zu machen und dann Prioritäten neu zu definieren.
 
Die Stadt sollte aufhören, gegen die Gäubahn und gegen den Ergänzungsbahnhof zu arbeiten
Die Landeshauptstadt Stuttgart kann keine substanziellen Gründe gegen die dauerhafte Führung der Gäubahn zum Hauptbahnhof und gegen einen Ergänzungsbahnhof beim Hauptbahnhof vorweisen. Dazu gibt die Stadt bei der Konversion ehemaliger Bahnflächen ein zu schlechtes Bild ab. Dazu gibt es einfach auch viel zu viele Firmen, die dem Stuttgarter Talkessel Adieu sagen und deren Flächen nun konvertiert werden müssen. Dazu gibt es viel zu viele Unorte im Stuttgarter Talkessel, die darauf warten, wachgeküsst zu werden.
 
Das Lindenmuseum hat Glück gehabt
Trotz der augenblicklichen desolaten städtebaulichen Situation am bestehenden Standort muss man das Lindenmuseum beglückwünschen, dass es am jetzigen Standort bleiben darf. Denn bei einem anvisierten Umzug nach Stuttgart 21-Rosenstein wäre in keinster Weise klar, wann ein solcher Umzug erfolgen könnte. Und wer weiß, vielleicht wäre dann das Lindenmuseum in einer anderen desolaten städtebaulichen Situation in Stuttgart 21-Rosenstein gelandet.
 
Das Stuttgarter Lindenmuseum befindet sich am Hegelplatz, einer banalen Straßenkreuzung

        
Die Holzgartenstraße als Verbindung zwischen dem Lindenmuseum und der Stuttgarter Königstraße ist grün - mehr aber auch nicht.


Samstag, 5. August 2023

Nach Umzug der Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) nach Kornwestheim: Stuttgart 21-Rosenstein immer problematischer

Die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) ist im Frühjahr 2023 von ihrem bisherigen Sitz in Stuttgart-West in ihren neuen Firmensitz beim Campus Kornwestheim umgezogen.

Dieser erneute Aderlass an Arbeitsplätzen und Wohnbevölkerung im Stuttgarter Talkessel macht das Stuttgart 21-Konversionsprojekt Rosenstein immer problematischer.

Im neuen Campus Kornwestheim arbeiten nun ca. 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der W&W. Im Gegensatz dazu bietet sich im dichtbesiedelten Stuttgarter Westen im Geviert zwischen Gutenberg-, Senefelder-, Ludwig- und Johannesstraße ein trostloses Bild. Die Tageszeitungen haben sich diesem Thema inzwischen angenommen. Demnach klagen die Restaurant- und Ladenbetreiber im Umfeld über ausbleibende Kunden und Gäste.

Wir haben hier in diesem Blog das Konversionsprojekt Stuttgart 21-Rosenstein immer wieder thematisiert. Tenor war stets, dass die Landeshauptstadt Stuttgart von diesem Projekt erst mal Abstand nehmen solle, bis konkrete Daten und Fakten zu einem Ergänzungsbahnhof beim Stuttgarter Hauptbahnhof und zu dessen Zulaufstrecken vorhanden sind.

Gestützt hat sich diese Ansicht unter anderem darauf, dass die Landeshauptstadt Stuttgart bei anderen Konversionsprojekten ein ganz schlechtes Bild abgibt und sich die Projekte über Jahrzehnte hinziehen und immer wieder verzögern.

Jetzt kommt aber ein neuer Gesichtspunkt hinzu. Es gibt auch immer mehr Leerstände in der Stadt, die durch den Wegzug von Firmen verursacht werden. Die Stadt kommt mit einer Konversion, einer Neubebauung z.B. mit Wohnungen, nicht hinterher. 

Beispiele dafür sind das EnBW-Areal beim Stöckach, das ehemalige IBM-Areal beim Autobahnkreuz Stuttgart, das Gelände hinter und neben der ehemaligen Bundesbahndirektion, das Desaster Königstraße 1 bis 3, der ehemalige UFA-Palast oder eben gerade jetzt das ehemalige W&W-Areal in Stuttgart-West. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Demnächst kommt z.B. nach dem Umzug der Allianz nach S-Vaihingen im Stuttgarter Talkessel (S-Mitte und S-West) ein weiteres Mega-Konversionsprojekt auf die Stadt zu.

Unter den aktuellen Umständen muss man noch einmal eindringlich an die Stadt appellieren:

  • Hände weg von Stuttgart 21-Rosenstein!
  • Das gesamte verfügbare Personal der Stadt ist für die bereits baubaren Konversionsmaßnahmen einzusetzen.
  • Intensive Planung des Ergänzungsbahnhofs beim Stuttgarter Hauptbahnhof mit seinen Zulaufstrecken
  • Dauerhafter Betrieb der Gäubahn bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof 
  • Erst nach genauer Kenntnis des Ergänzungsbahnhofs kann mit einer langsamen Bebauung von Stuttgart 21-Rosenstein begonnen werden.

Nach dem Umzug von W&W im Frühjahr 2023 nach Kornwestheim zeigt sich in Stuttgart-West eine riesige ungenutzte Fläche.

    

Mittwoch, 2. August 2023

IRE Stuttgart - Aalen fällt bis 10. September 2023 aus - Ist das die Stuttgart 21-Zukunft?

Monatelang war die Bahnstrecke Stuttgart -  Waiblingen gesperrt.  Der IRE 1 von Stuttgart nach Aalen konnte somit nicht fahren.

Nach der Wiederinbetriebnahme der Strecke seit dem vergangenen Wochenende kann der IRE 1 weiterhin nicht fahren. In einer Pressemitteilung vom 27.07.2023 teilt der zuständige Betreiber Go-Ahead mit, dass wegen der starken Nachfrage nach Bahnverkehrsleistungen im Abschnitt Karlsruhe - Stuttgart dort zusätzliche Fahrzeuge und zusätzliches Fahrpersonal benötigt werden. Diese Resourcen werden vom IRE 1 zwischen Aalen und Stuttgart abgezogen, so dass hier der IRE 1 nicht verkehrt.

Go Ahead ist in der Pressemitteilung der Auffassung, dass der Remsbahn-Streckenabschnitt Stuttgart - Aalen werktags durch den MEX13 von Go-Ahead im Halbstundentakt sowie durch den IC von DB Fernverkehr im Zwei-Stunden-Takt weiterhin gut abgedeckt ist. 

Ist die Remsbahn Stuttgart - Aalen gut abgedeckt?
Das ist dann doch ein wenig merkwürdig. Wenn Go-Ahead der Auffassung ist, dass die Strecke Stuttgart - Aalen durch den halbstündlichen MEX und durch den zweistündlichen IC gut abgedeckt ist, warum stellt man dann den IRE1 nicht vollständig ein?
 
Wieso wird zudem der IC als Ersatz für den weggefallenen IRE dargestlllt, wenn fast alle Fahrgäste Fahrausweise nur für den Nahverkehr haben?
 
Die Dreiheit der Stilllegungen
Bahnstrecken bzw. der Bahnbetrieb können heutzutage wegen Bauarbeiten, wegen Personalmangels und wegen Fahrzeugmangels stillgelegt werden. Das ist eine explosive Dreiheit, die eine Rückkehr zum normalen Bahnbetrieb in der Region Stuttgart oder auch anderswo in absehbarer Zeit unmöglich erscheinen lässt.

Was macht das Landesverkehrsministerium?
Wann haben wir endlich ausreichend Fahrzeuge und ausreichend Personal für einen normalen Bahnbetrieb in der Region Stuttgart? Damit sollte sich das Landesverkehrsministerium vor allem beschäftigen und nicht mit irgendwelchen Tangenten-Außenseiter-Bahnverbindungen in der Region Stuttgart. Gerade durch das 49 Euro-Ticket hat der Fahrgastandrang auf verschiedenen (nicht allen) Linien enorm zugenommen. Dazu zählt auch der RE Stuttgart - Ulm - Friedrichshafen, der unbegreiflicherweise oft nur mit drei oder vier anstatt mit fünf Wagen verkehrt.
 
Das Landesverkehrsministerium sollte auch eine übersichtliche Tabelle bzw. Grafik veröffentlicht, die tagesaktuell ist und in der alle Abweichungen vom Normalzustand beim Bahnnetz und beim Bahnbetrieb in BW dargestellt werden.