Samstag, 24. April 2021

Der S-Bahnringschluss - das nächste Opfer von Stuttgart 21

Gemäß den Angaben des Verbands Region Stuttgart ist der vielfach gewünschte S-Bahnringschluss vom Stuttgarter Flughafen über die Fildern ins Neckartal nicht wirtschaftlich und kann deshalb nicht gebaut werden.

Damit hat das Projekt Stuttgart 21 sein nächstes Opfer gefunden. Denn der S-Bahnringschluss hat durchaus etwas mit Stuttgart 21 zu tun. Darüber gleich mehr.

Zunächst einmal gilt es aber, ein wenig Verwunderung zu zeigen. Ein zwölf Kilometer langer Tunnel auf den Fildern für die Gäubahn, durch den ca. drei Züge pro Stunde und Richtung fahren, ist zusammen mit anderen Baumaßnahmen angeblich wirtschaftlich. Der S-Bahnringschluss, der auf keinen Fall einen zwölf Kilometer langen Tunnel aufweist und der von mindestens vier Zügen pro Stunde und Richtung befahren wird, ist aber angeblich nicht wirtschaftlich. Nun liegen mir weder die Standardisierte Bewertung für den S-Bahnringschluss noch für den Gäubahn-Fildertunnel vor. Deshalb bleibt es zunächst beim Ausdruck der Verwunderung.

Stuttgart 21 fordert viele Opfer
Der S-Bahnringschluss ist bei weitem nicht das einzige Opfer, das Stuttgart 21 bisher gefordert hat.
 
Die Gäubahn ist ein Opfer von Stuttgart 21 wegen der drohenden jahrelangen Unterbrechung und der drohenden Führung über S-Bahngleise.

Der Deutschlandtakt ist ein Opfer von Stuttgart 21, weil einer der wichtigsten Bahnknoten in Deutschland (Stuttgart Hauptbahnhof) hierfür unterdimensioniert ist.

Die wegen der Klimakrise erforderliche Verdoppelung des öffentlichen Verkehrs ist ein Opfer von Stuttgart 21, weil einfach nicht genügend Bahnsteiggleise und Zulaufgleise vorhanden sind. 

Der Reisekomfort für die Pendler wird beeinträchtigt, weil an Stelle der komfortablen einstöckigen Züge jetzt doch wieder Doppelstockzüge eingesetzt werden müssen.

Ebenfalls beinträchtigt werden der Reisekomfort und die Betriebsqualität durch die über 100 Doppelbelegungen von Bahnsteiggleisen am Tag. Sie führen zu Fahrzeitverlängerungen, Verspätungsübertragungen und Konfusion bei den Fahrgästen.

Ebenfalls beeinträchtigt wird das System S-Bahn, weil der querliegende Trog von Stuttgart 21 die Zweite Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn (Bad Cannstatt-Hauptbahnhof-Hegelplatz-Kräherwald-Feuerbach-Zuffenhausen) verunmöglicht.

Ebenfalls beinträchtigt wird das System Staddtbahn, weil der querliegende Trog von Stuttgart 21 die Dritte Stammstrecke der Stuttgarter Stadtbahn verunmöglicht bzw. beim Einsatz von Niederflurfahrzeugen an der Oberfläche mindestens erschwert.

 

Welchen schlechten Einfluss übt Stuttgart 21 auf den S-Bahnringschluss aus?
Die Herleitung ist relativ einfach. Stuttgart 21 führt sich auf den Fildern auf wie der sprichwörtliche Elefant im Porzelanladen und klaut der S-Bahn ihre für den Ringschluss benötigte Trasse.
 
Es war die CDU Baden-Württemberg, die auf Teufel kommt raus den ICE und damit Stuttgart 21 auf den Fildern und beim Stuttgarter Flughafen haben wollte. Damit sollte wiederum die zweite Start- und Landebahn am Stuttgarter Flughafen forciert werden. All dies sind längst Träume von gestern. Es wird weder die zweite Start- und Landebahn noch den ICE am Flughafen geben.
 
In den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts war der Ausbau der Filstalbahn von Plochingen nach Ulm geplant - ein Ausbau weit weg von den Fildern und vom Flughafen. Später hätte man wohl zwischen Plochingen und Bad Cannstatt noch den Schurwaldtunnel gebaut. Schade, dass es so nicht gekommen ist.
 
Aber auch mit der NBS Wendlingen-Ulm wollte die Bahn nicht über die Fildern und den Flughafen gefahren. Zunächst war eine Trassierung am Ostrand der Fildern mit einem Tunnel zwischen Esslingen-Mettingen und dem Körschtal/Neckartal bei Wendlingen geplant - bis die BW-CDU intervenierte.
 
Bei all diesen Planungen wäre die S-Bahn die Königin auf den Fildern geworden. Der bestehende S-Bahnhof am Flughafen, der bei weitem nicht ausgelastet ist und der sein Potenzial bei weitem nicht ausschöpft, wäre aufgewertet worden durch die Durchbindung der S-Bahn vom Flughafenbahnhof entlang der Autobahn A 8 und die Wendlinger Kurve nach Nürtingen sowie über die Wendlinger Gegenkurve nach Wendlingen und Plochingen sowie über ein geradeaus weiterführendes Gleis nach Kirchheim/Teck.
 
Und die S-Bahn hätte die Fildern und den Flughafen wesentlich besser bedient als Stuttgart 21. Denn was bietet denn Stuttgart 21 für den Raum südlich des Flughafens? Eigentlich fast gar nichts. Es bietet vom Flughafen eine Anbindung der Neckar-Alb-Bahn zwischen Nürtingen und Tübingen sowie eine Anbindung von Ulm über die NBS. Das wars dann auch schon.
 
Ganz anders die S-Bahn. Sie widmet sich dem "everyday travel", also den täglich von den Menschen zurückzulegenden Wegstrecken. Die S-Bahn hätte den Flughafen an Nürtingen, an Wendlingen und Plochingen sowie an Kirchheim/Teck angebunden. In Nürtingen hätte es einen schlanken Anschluss weiter nach Reutlingen-Tübingen-Balingen gegeben. In Plochingen hätte es einen schlanken Anschluss ins Filstal mit Göppingen und Geislingen bis Ulm gegeben. Und in Kirchheim/Teck hätte es einen schlanken Anschluss nach Oberlenningen sowie nach Weilheim und Bad Boll gegeben.
 
Nun also keine S-Bahn. Der Verband Region Stuttgart steht nun vor den Trümmern seiner Planungen. Das Stuttgarter S-Bahnnetz  bleibt ein Torso. Und insbesondere die Exekutive des Verbands Region Stuttgart muss sich fragen lassen, warum sie nicht von Anfang an versucht hat, Stuttgart 21 zu verhindern, vor allem dann, wenn klar war und ist, dass Stuttgart 21 der S-Bahn schadet.             

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