Samstag, 25. Juni 2022

"Und täglich grüßt das Murmeltier" - Soll die Gäubahn über Leonberg fahren?

Immer mehr Politiker, Bürger, Organisationen, Regionen und Staaten sprechen sich gegen eine jahrzehntelange Unterbrechung der Gäubahn in einem Stuttgarter Vorort aus.

Das scheint einige Stuttgart 21-Hardcore-Befürworter bzw. Stuttgart 21-Betreiber nervös zu machen. Denn es werden nun wieder längst widerlegte Uralt-Vorschläge für eine alternative Führung der Gäubahn auf den Tisch gelegt. Dazu gehört auch der Vorschlag, dass die Gäubahn zukünftig über Leonberg fahren soll.

Dieser Vorschlag ist genauso wenig praktikabel wie die inzwischen europaweit unter dem Titel "Gäubahn-Filder-Murks" bekanntgewordene Planung einer Führung der Gäubahn über die Gleise der Flughafen-S-Bahn. Und der Grund dafür ist ganz einfach der, dass es sowohl bei der Führung der Gäubahn über Leonberg als auch bei der Führung der Gäubahn über die Flughafen-S-Bahn eine Reihe unmittelbar aufeinanderfolgender Engstellen gibt. Sie führen in der Summe dazu, dass das Ganze unfahrbar wird.

Das werden wir im heutigen Post in diesem Blog für den Vorschlag einer Führung der Gäubahn über Leonberg noch einmal auflisten.

1. Engstelle
Zwischen Böblingen und Sindelfingen gibt es nur ein Gleis, das sich die Züge der S 60 in beiden Richtungen sowie der Güterzüge in beiden Richtungen teilen müssen. Gemäß dem Vorschlag kämen nun noch die Züge der Gäubahn dazu. 
 
Zwischen Böblingen und Sindelfingen überquert die Bahn die Autobahn A 81. Im Zuge des gerade laufenden sechsspurigen Ausbaus der A 81 wird die eingleisige Bahnbrücke gerade neu gebaut - leider wiederum nur eingleisig.
 
2. Engstelle
Zwischen Sindelfingen und Maichingen gibt es zwar zwei Gleise. Sie werden aber im eingleisigen Gegenrichtungsbetrieb befahren. Ein Gleis dient den Güterzügen. Ein Gleis dient der S 60.
 
3. Engstelle
Zwischen Maichingen und Renningen (2gleisig) gäbe es einen Mischbetrieb mit der S 60, die überall hält, und der Gäubahn, die nirgendwo hält. Es ist geplant, dass die S 60 anstatt des heute gefahrenen 30-Minuten-Takts zukünftig im 15-Minuten-Takt fährt. Das würde die Mischbetriebssituation verschärfen.
 
4. Engstelle
Im Bahnhof Renningen gibt es eine Verflechtung zwischen der S 6 und der Express-S-Bahn von Weil der Stadt sowie der S 60, den Güterzügen und der Gäubahn aus Richtung Böblingen.
 
Im Bahnhof Renningen gibt es eine höhengleiche Gleiskreuzung zwischen der S60, den Güterzügen und der Gäubahn in Richtung Böblingen sowie der S 6 und der Express-S-Bahn von Weil der Stadt.
 
5. Engstelle
Zwischen dem Bahnhof Renningen und dem Bahnhof Zuffenhausen gibt es einen extremen Mischbetrieb. Die Züge der S6 / S60 halten dort an neun Bahnhöfen, während die Gäubahn an keinem einzigen Bahnhof hält. Das gäbe es in dieser Form im Stuttgarter S-Bahnnetz kein zweites Mal. Allein die 5. Engstelle garantiert für sich alleine genommen die Unfahrbarkeit.
 
6. Engstelle
Beim Bahnhof Zuffenhausen müsste die Gäubahn in Richtung Hauptbahnhof das Gleis der S 4, der S 5 und der S 6 in Richtung Ludwigsburg / Weil der Stadt höhengleich kreuzen und sich dann auch noch in das überlastete Fern- und Regionalzuggleis in Richtung Hauptbahnhof einfädeln.
 
Die Züge der Gäubahn in Richtung Zürich müssten in Zuffenhausen das überlastete Fern- und Regionalbahngleis in Richtung Hauptbahnhof höhengleich kreuzen, ebenso das Gleis der S-Bahn von Ludwigsburg und sich in das Gleis der S 6 Richtung Weil der Stadt einfädeln.
 
Der Verband Region Stuttgart hat diese Situation als unfahrbar bezeichnet, und zwar im Zusammenhang damit, dass die geplante Express-S-Bahn von Weil der Stadt nicht in den Stuttgarter Hauptbahnhof fahren kann.
 
Damit garantiert alleine schon die 6. Engstelle für sich genommen die Unfahrbarkeit.
 
Fazit
Die Führung der Gäubahn über Leonberg ist genauso unfahrbar wie die als "Gäubahn-Filder-Murks" europaweit bekanntgewordene Planung einer Führung der Gäubahn über die Gleise der Flughafen-S-Bahn.
 
Jetzt sind die Landesregierung, das Eisenbahnbundesamt und ggf. die Gerichte gefragt, wenn es darum geht, dass die Gäubahn ihre eigenen Gleise zum Stuttgarter Hauptbahnhof behält und den wichtigen Knotenpunkt Stuttgart Hauptbahnhof weiterhin anfahren kann.    

  

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