Dienstag, 7. September 2021

Stuttgart 21 und Gäubahn - ein erster Trippelschritt in die richtige Richtung

Wenn man Presseberichten von heute Glauben schenken darf, haben die Beteiligten die bisher geplante Führung der Gäubahn über die Gleise der Stuttgarter Flughafen-S-Bahn storniert.

Seit Jahren und sogar Jahrzehnten haben sich viele Institutionen, Organisationen und Einzelpersonen immer wieder gegen diese Pläne ausgesprochen. Bis vor kurzem ohne Erfolg. Die jetzt anstehende Wende gleicht deshalb einem Wunder. Anscheinend wird es - je länger das Projekt Stuttgart 21 vor sich hindümpelt - immer wahrscheinlicher, dass bisher als sakrosant geltende Planungen über den Haufen geworfen werden.

Die bisher geplante Führung der Gäubahn über die Gleise der Flughafen-S-Bahn wurde von den Kritikern auch als Gäubahn-Filder-Murks bezeichnet. Ihre Fahrbarkeit wurde ernsthaft in Zweifel gezogen. Die jetzt erfolgte Stornierung der Pläne bestätigt alle Projektkritiker.

 

Allerdings gibt es einen Wehrmutstropfen. An Stelle der bisherigen Planungen soll ein 12 Kilometer langer Tunnel für die Gäubahn zwischen Böblingen und dem Flughafen treten, ein Tunnel, der sich alleine niemals rechnen würde und der an einen Gesamtausbau der Gäubahn zwischen Flughafen und Singen (Hohentwiel) angeklebt worden ist. Gemäß seinem Ideengeber wurde dieser Tunnel auch Bilger-Tunnel genannt. Der heutige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Bilger war stets ein Stuttgart 21-Befürworter ohne Wenn und Aber. Es gibt deshalb eine Vermutung, dass der neu geplante Tunnel auch ein Stück weit der Gesichtswahrung von Bilger dient.

Was mit der Führung der Gäubahn über die Gleise der Flughafen-S-Bahn jetzt geschah, ist auch für den neuen Fildertunnel möglich. Denn die Randbedingungen für diesen Tunnel sind denkbar schlecht. In Deutschland vergehen bei einem solchen Tunnel zwischen Idee und Inbetriebnahme mindestens 20 Jahre. Damit wäre die Inbetriebnahme dieses Tunnels frühestens im Jahr 2040. Damit aber könnte die Gäubahn nach ihrer bisher geplanten Kappung vor dem Hauptbahnhof im Jahr 2025 15 Jahre lang nicht zum Hauptbahnhof fahren. Das wäre ein in der europäischen Eisenbahngeschichte einmaliger Affront. Zudem rechnet sich der Bilger-Tunnel nur dann, wenn die Fernzüge der Gäubahn zukünftig ohne Halt an Böblingen und in Singen (Hohentwiel) vorbeifahren, den beiden nachfragestärksten Bahnhöfen im Verlauf der Gäubahn.

Der Bilger-Tunnel wird also hoffentlich bald ebenfalls storniert werden.

Gute Karten für die Ergänzungsstation beim Stuttgarter Hauptbahnhof
Ganz anders sieht es hingegegen bei der Ergänzungsstation beim Stuttgarter Hauptbahnhof aus, die die Gäubahn über die Panoramastrecke anfahren kann. Hier steht die Landeshauptstadt Stuttgart mit ihrem bisherigen Widerstand allein auf weiter Flur. Die Argumente der Landeshauptstadt Stuttgart sind nicht stichhaltig. 

Bei vergleichbaren Projekten dauert es in Stuttgart oft jahrzehntelang, bis nach einer Freiwerdung eines Gebiets dort eine Bebauung folgt. Die bisher geplante Kappung der Gäubahn kann zudem jederzeit storniert werden. Die Ergänzungsstation und deren Zuläufe schränken das bebaubare Gebiet nur wenig ein. Es ist zudem überhaupt noch nicht sicher, wie sehr das für eine Bebauung in Frage kommende Gebiet kontaminiert ist. Öffentliche Bauten wie z.B. ein Kongresszentrum kann man auch über den Gleisen der Ergänzungsstation und deren Zuläufen bauen.

Weitere Trippelschritte erwünscht
Ein erster Trippelschritt weg vom ursprünglichen Stuttgart 21 ist jetzt also gemacht. Dem müssen weitere Trippelschritte folgen. Die Bundestagswahl in weniger als drei Wochen kann dies auch noch ein wenig unterstützen. Zudem wächst auch bei Stuttgart 21 eine neue Generation heran, die sich mit neuen Herausforderungen (Klimaerwärmung) konfrontiert sieht und für die die alten Grabenkämpfe keine Bedeutung mehr haben. 

    

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