Mittwoch, 6. November 2019

Wie kann es mit der Stuttgarter Stadtbahn nach Stuttgart 21 weitergehen?

Die Stuttgarter Stadtbahn ist wegen des Projekts Stuttgart 21 schwer gebeutelt.

Dabei geht es nicht nur um die baustellenbedingten Beeinträchtigungen wie zum Beispiel die viele Jahre dauernde Unterbrechung der Tunnelstrecke zwischen den Haltestellen Staatsgalerie und Hauptbahnhof. Es geht auch darum, dass als Folge des Projekts Stuttgart 21 die Stuttgarter Stadtbahn jetzt bereits seit mehreren Jahrzehnten keine konzeptionelle Weiterentwicklung mehr erfahren hat.

Die Folgen sind gravierend. Die Stuttgarter Stadtbahn ist das einzige städtische Schienenverkehrsmittel unter den mit Stuttgart vergleichbaren Großstädten in Deutschland, das nur zwei Stammstrecken aufweist. Der Kern des Stuttgarter Stadtbahnnetzes ist deshalb ausgelastet bzw. überlastet. Eine Verkehrswende mit wesentlich mehr Verkehr über die Schiene und dem damit verbundenen 7,5-Minuten-Takt bei vielen Stuttgarter Stadtbahnlinien kann auf der Basis des Bestands nicht stattfinden. Obwohl andere Städte bereits heute mehr Stammstrecken bei ihrem städtischen Schienenverkehrsystem haben als Stuttgart, haben nicht wenige dieser Städte weitergehende Ausbaupläne für ihre Systeme. Stuttgart droht hier, hoffnungslos zurückzufallen.

Die Diskussion nimmt Fahrt auf
Andererseits ist gerade zu beobachten, dass konzeptionelle Überlegungen zur Zukunft der Stuttgarter Stadtbahn langsam an Fahrt gewinnen (z.B. Foren im Internet). Zeit also, dass wir einmal mehr in diesem Blog auf die Thematik eingehen und konkrete Vorschläge für eine neue Struktur der Stuttgarter Stadtbahn gerade auch im Kernbereich ihres Netzes unterbreiten.

Heute geht es um die erste Stammstrecke der Stuttgarter Stadtbahn und deren Weiterentwicklung. Die erste Stammstrecke der Stuttgarter Stadtbahn ist ganz konkret der Abschnitt zwischen den Haltestellen Stöckach und Staatsgalerie. Daran schließen sich die Streckenäste und Streckenzweige der ersten Stammstrecke an.


Im Verlauf der ersten Stammstrecke der Stuttgarter Stadtbahn fahren heute fünf Linien, jeweils im 10-Minuten-Takt. Bei Veranstaltungen kommt mit der Linie U11 noch eine weitere Linie hinzu.

Die erste Stammstrecke der Stuttgarter Stadtbahn ist überlastet
Um den 7,5-Minuten-Takt einrichten zu können, muss die erste Stammstrecke der Stuttgarter Stadtbahn entlastet werden. Das heißt konkret, dass zwei der heute dort verkehrenden Linien aus der ersten Stammstrecke herausgenommen werden müssen. Im Zusammenhang mit der Neukonfigurierung der Systems der ersten Stammstrecke muss auch das Problem Berliner Platz mit seinen städtebaulich unmöglichen Übereckverbindungen sowie den beiden unerträglichen Tunnelrampen in der Fritz-Elsas-Straße und der Schlossstraße gelöst werden.

Welche Änderungen wird es im Verlauf der ersten Stammstrecke geben?
Die heute in der Hackstraße fahrenden Linien U4 und U9 werden aus der ersten Stammstrecke herausgenommen. Diese beiden Linien werden auf Niederflurbetrieb umgestellt und in eine dritte Stammstrecke geführt.

Es verbleiben im Verlauf der ersten Stammstrecke die heutigen Linien U1, U2 und U14, die zukünftig jeweils im 7,5-Minuten-Takt verkehren werden. Bei Veranstaltungen kommt noch die Linie U11 hinzu.

Die im Verlauf der ersten Stammstrecke fahrenden Linien U1, U2 und U14 müssen vollständig von den Linien aus der / in die Hackstraße entkoppelt werden. Hierzu wird der bestehende Tunnel im Verlauf der Neckarstraße um ca. 200 Meter verlängert. Die Haltestelle Stöckach ist zukünftig zweistöckig. In der Ebene minus eins fahren die Züge der ersten Stammstrecke. In der Ebene null, also an der Oberfläche, verkehren die Züge aus der / in die Hackstraße. Beide Haltestellenteile liegen unmittelbar übereinander mit ganz kurzen Umsteigewegen. Obwohl die Bahnsteige der Haltestelle Stöckach vor Jahren teilweise verbreitert worden sind, kann die Haltestelle die Fahrgastmassen heute kaum mehr aufnehmen. Eine Aufteilung der Haltestelle Stöckach auf zwei Ebenen ist deshalb auch erforderlich, um die Fahrgastströme zu entzerren.

Beim Berliner Platz ist ein Turmbahnhof sinnvoll
Beim Berliner Platz wird ein Turmbahnhof gebaut, in dem sich die Züge im Verlauf der Schlosstraße sowie im Verlauf der Fritz-Elsas-Straße / Seidenstraße höhenfrei kreuzen. Anders als bei der U-Haltestelle Charlottenplatz wird die U-Haltestelle Berliner Platz ein Bahnhof der ganz kurzen (Umsteige)Wege, weil die beiden Haltestellen in Form eines Kreuzes unmittelbar übereinander liegen werden.

Auf die heutigen Übeckbeziehungen beim Berliner Platz wird verzichtet. Das zieht ganz konkret nach sich, dass am Berliner Platz zukünftig mehr Fahrgäste umsteigen müssen als dies heute der Fall ist. Jedoch verliert das Umsteigen zukünftig wegen der extrem kurzen Umsteigewege und wegen des dichten Fahrplantakts seinen Schrecken.

Die heutige Tunnelrampe Schlossstraße wird abgerissen. Die Tunnelrampe wird in Richtung Botnang verschoben. Sie liegt zukünftig zwischen dem Berliner Platz und der Silberburgstraße. Die heutige Tunnelrampe Fritz-Elsas-Straße wird abgerissen. Der Tunnel wird bis zur Kreuzung Hegel-/Seidenstraße verlängert. Der Hölderlinplatz wird von den Stadtbahnzügen der ersten Stammstrecke nicht mehr angefahren. Statt dessen wird der Hölderlinplatz von den Niederflur-Straßenbahnen der dritten Stammstrecke (Hauptbahnhof - Hegelplatz - Hölderlinplatz) angefahren. Andererseits wird der Tunnel unter der Seidenstraße über Azenberg und Stuttgarter Straße bis zum Bahnhof Feuerbach verlängert.

Diese Linien fahren zukünftig im ersten Stammstreckensystem
Damit fahren im Verlauf der ersten Stammstrecke zukünftig die folgenden Stadtbahnlinien (Linienbezeichnung mit Buchstaben, damit keine Verwechslung mit den bestehenden Linien erfolgt):
Linie A von Fellbach über Charlottenplatz nach Vaihingen
Linie B von Neugereut über Hauptbahnhof nach Botnang
Linie C von Mühlhausen über Charlottenplatz bis zur Hegel-/Seidenstraße
Linie D von Vogelsang über Berliner Platz zum Hauptbahnhof
Linie E von Heslach über Berliner Platz und Hegel-/Seidenstraße nach Feuerbach Bahnhof
Linie F bei Veranstaltungen vom Neckarpark über Hauptbahnhof bis Berliner Platz

Es sollte somit sowohl beim Berliner Platz als auch beim Hauptbahnhof eine Wendemöglichkeit für die Stadtbahnzüge geben.

Führen wir jetzt noch die Querprüfung durch, indem wir die einzelnen Abschnitte des Systems der ersten Stammstrecke betrachten:
Abschnitt Stöckach-Staatsgalerie: Drei Linien mit jeweils 7,5 Minuten-Takt, somit also 2,5 Minuten-Takt
Abschnitt Heslach-Österreichischer Platz: Zwei Linien mit jeweils 7,5 Minuten-Takt, somit also 3,75 Minuten-Takt
Abschnitt Vogelsang-Hauptbahnhof: Zwei Linien mit jeweils 7,5  Minuten-Takt, somit also 3,75  Minuten-Takt
Abschnitt Rotebühlplatz-Hegel-/Seidenstraße: Zwei Linien mit jeweils 7,5 Minuten-Takt, somit also 3,75 Minuten-Takt.

Im folgenden Post in diesem Blog geht es um die zukünftige dritte Stammstrecke der Stuttgarter Stadtbahn in der Konfiguration als Niederflur-Straßenbahn.

Im übernächsten Post in diesem Blog geht es um die Weiterentwicklung der zweiten Stammstrecke der Stuttgarter Stadtbahn (Charlottenplatz-Hauptbahnhof).
     

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