Samstag, 16. Juli 2011

Heimerl gibt wieder Interview

Der ehemalige Professor Heimerl ("Erfinder von Stuttgart 21") kann es einfach nicht lassen. Jetzt hat er wieder einer Zeitung, die für Stuttgart 21 kämpft (Stuttgarter Nachrichten) ein Interview gegeben. Seine Einlassungen zu Stuttgart 21 werden hierbei immer peinlicher.

Jetzt versucht er, den etappierbaren Ausbau des Bahnknotens Stuttgart auf der Basis des bestehenden Kopfbahnhofs (K 21) schlecht zu machen. Er stellt es so dar, als wäre das Wahnsinnsprojekt Stuttgart 21 der Normalfall und K 21 der exotische und nicht realisierbare Sonderfall.



Das Gegenteil ist richtig. Soll denn etwa in Gelsenkirchen der Bahnhof auch unter die Erde gelegt werden, wenn eine Sanierung des Bahnhofs oder des Gleisvorfelds erforderlich wird? Sollen in München, Frankfurt, Hannover, Bremen, Celle oder Oberstdorf auch 21er-Projekte umgesetzt werden, wenn ein Ausbau dieser Bahnhöfe und Bahnknoten angedacht wird? Die selbstverständliche Antwort lautet: nein! Das ist absurd, nicht finanzierbar, nicht wünschenswert, nicht sinnvoll. 

Aber in Stuttgart soll als einziger Stadt ein Deutschland ein etappierbarer Ausbau des bestehenden Bahnknotens nicht möglich, zu teuer, nicht sinnvoll sein? Alle anderen in Frage kommenden Städte haben die 21er-Projekte schnell und dankend abgelehnt. Nur in Stuttgart soll das 21er-Projekt die richtige Lösung sein?

Dass Herr Heimerl vom integralen Taktfahrplan nicht viel hält, ist bekannt. Mitte der achziger Jahre des letzten Jahrhunderts, als diese Innovation in der Schweiz Gestalt annahm, äußerte er sich hierzu sehr skeptisch. Für ihn waren die Hochgeschwindigkeitsstrecken in Deutschland stets wichtiger. Wie lange die Menschen in den Bahnhöfen beim Umsteigen warten müssen und die Belange der Flächenbahn waren für ihn zweitrangig.

Inzwischen haben die Menschen mit den Füßen abgestimmt. Das Schweizer Konzept des integralen Taktfahrplans ist ein überwältigender Erfolg. Die Fahrgastzahlen in der Schweiz haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verdreifacht. Die Fahrgastzahlen im Fernverkehr in Deutschland dagegen haben trotz oder gerade wegen der Neubaustrecken stagniert bzw. sind sogar zurückgegangen.

Fachleute sagen heute, dass wegen der geringeren Zugfrequenzen eigentlich Deutschland einen integralen Taktfahrplan viel eher nötig hätte als die Schweiz. Denn je geringer die Zugfrequenzen sind, desto wichtiger sind die Anschlüsse in den Knotenpunkten. Ein integraler  Taktfahrplan ist jedoch mit Stuttgart 21 nicht machbar. 

Herr Heimerl behauptet, dass der Stresstest bestanden worden sei. Alle der Öffentlichkeit zur Verfügung stehenden Daten deuten jedoch darauf hin, dass der Stresstest für Stuttgart 21 nicht bestanden worden ist. Denn ein Fahrplan, der
  • Gleise im Bahnhof doppelt belegt
  • keinen Spielraum für Züge im Verlauf der sogenannten Magistrale Paris-Bratislava bietet
  • die Verbindungen im Regionalverkehr gegenüber dem Bestand teilweise einschränkt
  • beim Umsteigen teilweise Wartezeiten von über einer halben Stunde erforderlich macht
  • Gleisbelegungszahlen erfordert, die weit über den Werten aller anderen Bahnhöfe in Deutschland liegen
  • für verschiedene Züge nur Haltezeiten zwischen einer und zwei Minuten vorsieht
  • keinen Spielraum für zukünftige Wettbewerber im Fernverkehr bietet, die eigene Züge einsetzen wollen
hat den Stresstest nicht bestanden.

Hat Herr Heimerl sich eigentlich schon einmal überlegt, was er nach dem bevorstehenden Scheitern von Stuttgart 21 sagen wird? 

Kommentare:

  1. Zwei weitere interessante Aussagen stehen da drin:
    1. Ein für einen Professor blamabler Patzer in Sachen Logik:
    "Zunächst sollte der Kopfbahnhof jedoch erhalten bleiben und nur der Fernverkehr unter der Erde fahren. Das ist - nebenbei - der Beleg dafür, dass Stuttgart 21 keineswegs ein reines Immobilienprojekt ist, wie oft behauptet wird."

    Leider völlig daneben: Dies ist lediglich ein Beleg, dass die ursprüngliche Idee kein reines Immo-Projekt war. Die ursprüngliche Idee würde verkehrstechnisch völlig unbestritten einen gewaltigen Ausbau darstellen, der mit dem jetzt geplanten Rückbau nichts, aber auch gar nichts mehr gemeinsam hat (ausser Tunneln)!

    2. Ein Eingeständnis:
    "Deshalb können die acht Gleise im Tiefbahnhof zum jetzigen Zeitpunkt die 16 Gleise im Kopfbahnhof ausreichend ersetzen."

    Was bedeutet "ausreichend ersetzen"? Sind 90%, weil wir ja, wie Frau Gönner einmal sagte, einen Bevölkerungsrückgang haben, ausreichend?
    Rückbau für 5 Mrd?

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  2. Ja das ist richtig.
    Der erste Punkt würde ja dem Ausbau entsprechen, wie er in Zürich, in Florenz, in Bologna, in Malmö und anderen europäischen Städten im Gange ist. Und dieser Ausbau würde mit ziemlicher Sicherheit auch bei der Stuttgarter Bevölkerung Akzeptanz finden. Die Stuttgarter Bevölkerung ist ja nicht blöd. Sie weiß genau, was andernorts im Gange und geplant ist. Und sie kann ganz genau den europaweit einzigartigen Stuttgart 21-Murks beurteilen.

    Und beim Punkt 2 kommt noch hinzu, dass Herr Heimerl gar nicht wissen kann, dass der achtgleisige Murksbahnhof genauso leistungsfähig ist wie der bestehende Kopfbahnhof. Es hat dies nämlich nicht richtig untersucht. Hätte er das ausreichend untersucht, bräuchte man jetzt, nachdem die Katze in den Brunnen gefallen ist, nicht den Stresstest machen.

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