Mittwoch, 30. September 2026

Stuttgart 21 und der Deutschlandtakt

Stuttgart 21 hat massive Probleme mit dem Deutschlandtakt (Integraler Taktfahrplan). 

Das kommt daher, dass der Deutschlandtakt bei diesem Projekt - angefangen bei der überfallartigen Präsentation im Jahr 1994 - nicht berücksichtigt worden ist. Dagegen bildet der Integrale Taktfahrplan in der Schweiz bereits seit dem Jahr 1986 die Grundlage jeglicher Bahnplanung.

Jetzt bleibt in Stuttgart nichts anderes übrig, als erneut teure Ergänzungsbauwerke auf den Weg zu bringen und den Stuttgarter Kopfbahnhof mindestens zu einem großen Teil zu erhalten.

 

Was ist das Kennzeichen des Deutschlandtakts?
Außer einem halbstündlichen Taktverkehr auf den wichtigen Fernverkehrsstrecken gibt es beim Deutschlandtakt sogenannte 00/30er-Knoten, bei denen sich die Fernverkehrszüge aus Richtung und Gegenrichtung begegnen. Nur so können gute Anschlüsse in alle Richtungen hergestellt werden. Die Züge der jeweils wichtigsten Fernverkehrsverbindung erreichen einen solchen 00/30er-Knoten idealerweise zu den Minuten 58 und 28 und fahren zu den Minuten 02 und 32 wieder ab. Hierbei ist eine Mindesthaltezeit des ICE von 4 Minuten zugrundegelegt.
 
Um das zu erreichen, müssen die Fahrzeiten zwischen zwei benachbarten 00/30er-Knoten unterhalb der jeweiligen Kantenzeit liegen. Die Kantenzeit ist das Vielfache der Taktzeit.
 
Was ist die wichtigste Fernverkehrsverbindung im Bahnknoten Stuttgart?
Das ist die ICE-Verbindung Frankfurt - Mannheim - Stuttgart - Ulm - Augsburg - München-Pasing - München Hauptbahnhof. In fast allen diesen Bahnhöfen sollen sich die ICE-Züge aus Richtung und Gegenrichtung begegnen.
 
Anforderungen an die Strecken zwischen zwei Knotenpunkten
Die Fahrzeiten müssen jeweils wenige Minuten unterhalb der hier zur Anwendung kommenden Kantenzeit von 30 Minuten liegen.  
 
Wie ist der aktuelle Stand bei den einzelnen Strecken?
Frankfurt - Mannheim: Die geplante Schnellfahrstrecke Frankfurt - Mannheim wird eine Fahrzeit unterhalb der Kantenzeit bringen.
 
Stuttgart -Ulm: Die Schnellfahrstrecke Stuttgart - Ulm wird eine Fahrzeit von um die oder unterhalb von 30 Minuten bringen.
 
Ulm - Augsburg: Die geplante Schnellfahrstrecke Ulm - Augsburg wird eine Fahrzeit unterhalb der Kantenzeit bringen.
 
Augsburg -München-Pasing: Die Fahrzeit liegt unterhalb der Kantenzeit.
 
München-Hauptbahnhof: Fast alle Fernzüge enden dort. Deshalb wird es dort keinen 00/30er-Knoten geben.
 
Jetzt fehlt noch die Strecke Mannheim - Stuttgart. Die aktuelle Fahrzeit beträgt 37 Minuten. Um die Fahrzeit auf einen Wert von unter 30 Minuten zu bringen, sind verschiedene Maßnahmen, unter anderem der neue Nordzulauftunnel (möglicherweise heißt der Tunnel jetzt Tunnel-Stammheim) erforderlich.
 
Nordzulauftunnel ist wichtigstes Projekt
Der Nordzulauftunnel ist das wichtigste Projekt für den Deutschlandtakt im Bahnknoten Stuttgart, viel wichtiger als Stuttgart 21 und auch viel wichtiger als der Pfaffensteigtunnel der Gäubahn.
 
Ohne den Nordzulauftunnel kann im Stuttgarter Hauptbahnhof kein 00/30er-Knoten eingerichtet werden. Damit nicht genug. Ohne den Nordzulauftunnel kann auch im Ulmer Hauptbahnhof und im Augsburger Hauptbahnhof kein Deutschlandtakt eingerichtet werden.
 
An Stelle des Pfaffensteigtunnels der Gäubahn soll deshalb der Nordzulauftunnel gebaut  werden. Er hat Bedeutung für ganz Süddeutschland. 
 
Viele Gleise im 00/30er-Knoten Stuttgarter-Hauptbahnhof
Damit der Deutschlandtakt im Bahnknoten Stuttgart funktioniert, genügt es nicht, dass sich dort die Fernzüge aus Richtung und Gegenrichtung begegnen. Es müssen auch genügend Gleise zur Anschlussaufnahme für weitere Fernzüge, für die schnellen Regionalzüge und für die Metropolexpresszüge bereitgehalten werden. Das geht nicht ohne Kopfbahnhof.

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