Samstag, 17. Oktober 2020

Der vorgeschlagene Tunnel für die Gäubahn auf den Fildern geht an seinen Widersprüchen zugrunde

Bei der 25. Sitzung des Lenkungskreises zu Stuttgart 21 wurde dem Vorschlag für einen 10 bis 12 Kilometer langen Tunnel für die Gäubahn auf den Fildern zwischen dem Flughafen und Böblingen einvernehmlich eine Absage erteilt.

Insbesondere Landesverkehrsminister Hermann gab in Sachen zusätzlicher Gäubahntunnel keine gute Figur ab. In einem Zeitungsartikel vom 02.08.2020 wird der Minister noch dahingehend zitiert, dass dieser neue Tunnelvorschlag dringend im Lenkungskreis zu Stuttgart 21 besprochen werden müsse und er eine Finanzierungszusage des Bundes hierzu erwartet. Nach dem Lenkungskreis will Hermann von einem zusätzlichen Gäubahntunnel nichts mehr wissen. Dieser Tunnel - so der Minister - dürfe nicht dazu führen, dass die ursprünglichen Pläne (damit meint er den inzwischen weitbekannten "Gäubahn-Filder-Murks") zerredet oder verzögert würden.

Nur ein schwacher Trost ist hierbei, dass der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart Bopp in Sachen Gäubahntunnel sogar noch weiter ging. Vorsorglich ließ er die klageberechtigten Verbände schon mal wissen, dass diese, um die Fertigstellung dieses neuen Tunnels nicht zu gefährden, doch bitte schön auf Klagen verzichten sollen.

Es bleibt also spannend in der Region Stuttgart
Jeder blamiert sich so gut wie er kann. Dabei war der Bund, von dem Hermann eine Finanzierungszusage für den neuen Gäubahntunnel erwartet, gar nicht im Lenkungskreis vertreten. Und der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Bilger erteilte dem neuen Gäubahntunnel doch schon mal vorab die Absolution und sagte eine Finanzierung durch den Bund zu.

 

Hier in diesem Blog war der vorgeschlagene zusätzliche Gäubahntunnel bereits mehrfach das Thema. Und es wurde hier immer wieder klar, dass dieser Gäubahntunnel die Probleme des Bahnknotens Stuttgart nicht löst. Umso mehr überrascht es immer wieder, wie gestandene Politiker auf solche Ideen hereinfallen und dann irgendwann eine Kehrtwende vollziehen müssen.

Der vorgschlagene Tunnel für die Gäubahn auf den Fildern ist an seinen Widersprüchen gescheitert. Dieser Tunnel wurde vorgeschlagen, um die Fahrzeit der Gäubahn zu verkürzen. Zusammen mit anderen Maßnahmen sollte mit dem Gäubahntunnel erreicht werden, dass die Gäubahn zwischen den Bahnknoten Zürich und Stuttgart bzw. Singen (Hohentwiel) und Stuttgart eine bestimmte Kantenzeit erreicht, um einen ITF-Vollknoten sowohl in Zürich als auch in Stuttgart bzw. sowohl in Singen (Hohentwiel) als auch in Stuttgart zu ermöglichen.

Die Kantenzeit ist nur eine von mehreren Voraussetzungen für den ITF
Dabei wurde aber vergessen, dass das Erreichen einer bestimmten Kantenzeit nur eine von mehreren Voraussetzungen für die Einführung des Integralen Taktfahrplans bzw. Deutschlandtakts ist. Andere Voraussetzungen sind genügend Bahnsteiggleise in den Taktknoten sowie genügend Zulaufgleise zu den Taktknoten, damit das Rendezvous der Züge im Hauptbahnhof stattfinden kann und damit der Aufbau und Abbau des Rendezvous nicht zu lange dauert.

Der vorgeschlagene neue Gäubahntunnel hätte nur für die Kantenzeiten etwas gebracht, aber nicht für die Bahnsteiggleise und die Zulaufgleise. Es wäre auch mit dem Gäubahntunnel bei den nur acht Gleisen im S 21-Hauptbahnhof geblieben. Und der vorgeschlagene neue Gäubahntunnel hätte der Gäubahn nicht ihre benötigten eigenen Zulaufgleise zum Stuttgarter Hauptbahnhof gebracht. Statt dessen hätte sich die Gäubahn zunächst mal in die nur zwei Gleise des Flughafenbahnhofs einfädeln müssen und dort auch noch eine höhengleiche Gleiskreuzung gehabt (wenn zwei zweigleisige Strecken zusammengeführt werden, gibt es zwangsläufig eine höhengleiche Gleiskreuzung). Anschließend hätte sich die Gäubahn in den Flaschenhals Fildertunnel einschleifen müssen. Das funktioniert hinten und vorne nicht.

Wie aber geht es jetzt weiter?
Es soll doch hoffentlich jetzt nicht im Ernst die Uraltplanung mit der Führung der Gäubahn auf den Gleisen der S-Bahn (der berühmte Gäubahn-Filder-Murks) umgesetzt werden. Da würde ja ganz Deutschland lachen.
 
Wenn man schon irgendwann mal einen Tunnel für die Gäubahn bauen will, dann kann dies nur ein Tunnel sein, mit dessen Hilfe die Gäubahn den Stuttgarter Hauptbahnhof auf ihren eigenen Gleisen erreicht. Das könnte z.B. ein Tunnel zwischen Österfeld und dem Nordbahnhof sein (unter dem Kräherwald hindurch). Solange es diesen Tunnel nicht gibt, muss die Gäubahn auf ihren angestammten Gleisen im Verlauf der Panoramastrecke bleiben und in einen ergänzenden Kopfbahnhof beim Stuttgarter Hauptbahnhof münden.           

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