Donnerstag, 10. Februar 2011

Flughafen und Fildern verdienen eine bessere Bahnanbindung als durch Stuttgart 21

Im letzten Post wurde klar, dass Stuttgart 21 insgesamt und insbesondere der Teil im Bereich Flughafen / Fildern eigentlich nicht umsetzbar ist. Alternativen für eine bessere Erschließung des Flughafens und der Filderregion durch die Bahn sind jetzt dringend gefragt.

Die Alternativen zu Stuttgart 21 für den Bereich Flughafen / Fildern lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Es gibt die Variante einer Führung von Regionalzügen über den Flughafenbahnhof. Diese Variante wurde ja beim Sach- und Faktencheck von den Vertretern eines etappierbaren Ausbaus des Bahnknotens Stuttgart auf der Basis des bestehenden Kopfbahnhofs (K21) vorgestellt. Die zweite Variante ist die Bedienung des Flughafens auf der Basis eines erweiterten, verbesserten S-Bahnnetzes mit Verknüpfungspunkten mit dem Bahnnetz von BW.



Für mich stellt die zweite Variante, die Bedienung des Flughafens und der Filderregion im Rahmen eines typreinen S-Bahnangebots, die interessantere Variante dar. Nur bei dieser Variante wird erreicht, dass alle im letzten Post genannten Schwachstellen und Fehler des Projekts Stuttgart 21 vermieden werden. 

Bei der ersten Variante, der Bedienung des Flughafens mit einer Mischung aus Regionalzügen und S-Bahnen, bleiben einige der genannten Schwachstellen erhalten. Dazu gehören die unterschiedlichen Wagenbodenhöhen, die zu Problemen bei der Haltestelle Flughafen führen. Entweder es müssen dort Stufen in Kauf genommen werden oder es müssen doch wie bei Stuttgart 21 zwei eingleisige Streckenabschnitte im Bahnhofsbereich eingerichtet werden mit jeweils unterschiedlichen Bahnsteighöhen. Ein weiterer Nachteil, der bei der Variante mit den Regionalzügen erhalten bleibt, ist die Strecke Flughafen - Rohr, die eben nur für die S-Bahn gebaut wurde. Die Führung von Regionalzügen über diese Strecke weist ähnliche Nachteile auf wie dies beim Projekt Stuttgart 21 der Fall ist.

Nun könnte der Einwand kommen, dass die Variante mit der typreinen Bedienung des Flughafens über die S-Bahn zwar recht und gut sei. Wie aber, so könnte die Frage lauten, wird über diese Variante eine schnellere und attraktivere Anbindung des Flughafens und der Filderregion an das Bahnnetz von Baden-Württemberg erreicht? 

Die Antwort auf diese Frage sind die fünf Umsteigeportale. Das hier vorzustellende Konzept beinhaltet eine Erweiterung des S-Bahnnetzes mit der Einführung neuer Express-S-Bahnlinien und die Verknüpfung dieses erweiterten S-Bahnnetzes mit dem  gesamten Bahnnetz von BW über fünf Portale. Hierbei wird durchaus auf das eine oder andere Element von Stuttgart 21 zurückgegriffen.

Ich möchte diese Variante einer wesentlich verbesserten Anbindung des Flughafens und seiner Region jetzt so vorstellen, dass ich mit den Portalen beginne.

Dies sind die fünf Umsteigeportale:
  • Plochingen
  • Wendlingen
  • Hauptbahnhof
  • Bad Cannstatt
  • Böblingen

Nun zu den Portalen im Einzelnen:

Portal Plochingen
Beim Portal Plochingen wird die Filstalbahn (Strecke nach Göppingen - Ulm) mit dem Flughafen-S-Bahnsystem verknüpft. Von Plochingen fährt die S-Bahnlinie S3 als Express-S-Bahn zum Flughafen. Die S3 fährt zunächst ohne Halt zum Portal Wendlingen, wo sie noch einmal zum Fahrgastwechsel anhält. Von Wendlingen fährt die S3 nonstop zum Flughafen. Sie benutzt hierbei eine gegenüber den Stuttgart 21- Planungen gespiegelte Wendlinger Kurve und fährt dann wie bei Stuttgart 21 geplant parallel zur Autobahn. Von der autobahnparallelen Trasse fährt die S3 direkt in den bestehenden Flughafenbahnhof ein. Ab dem Flughafenbahnhof fährt die S3 als normale S-Bahn wie bisher weiter über Universität - Hauptbahnhof (tief) nach Backnang.

Portal Wendlingen
Beim Portal Wendlingen werden die Strecken von Tübingen und von Kirchheim / Teck mit dem Flughafen-S-Bahnsystem verknüpft. Von Wendlingen fährt die schon bekannte S3 nonstop zum Flughafen.

Portal Hauptbahnhof
Beim Portal Hauptbahnhof werden alle Strecken, die über die Zufahrt Zuffenhausen kommen, mit dem Flughafen-S-Bahnsystem verknüpft. Beispiele: von Ludwigsburg, Heilbronn, Würzburg, Karlsruhe, Pforzheim, Mannheim, Heidelberg. Vom Kopfbahnhof (Hauptbahnhof oben) fährt die neue S7 als Express-S-Bahn zum Flughafen. Die S7 fährt zunächst zum Portal Bad Cannstatt, wo sie noch einmal zum Fahrgastwechsel anhält. Ab Bad Cannstatt fährt die S7 nonstop zum Flughafen. Sie fädelt zwischen Obertürkheim und Mettingen aus der bestehenden Bahnstrecke aus und erreicht über einen Tunnel mit der Scharnhauser Kurve die autobahnparallele Strecke von Wendlingen. Auf dieser Strecke fährt die S7 in den bestehenden Flughafenbahnhof ein.

Vom Flughafenbahnhof fährt die S7 weiterhin als Express-S-Bahn über die Rohrer Kurve ohne Halt bis zum Portal Böblingen. Von dort fährt sie weiterhin als Express-S-Bahn nach Herrenberg und von dort als normale S-Bahn auf der neu zu bauenden Strecke nach Nagold. 

Portal Bad Cannstatt
Beim Portal Bad Cannstatt werden die Rems- und Murrbahn mit dem Flughafen-S-Bahnsystem verknüpft, also zum Beispiel die Städte Waiblingen, Schorndorf, Schwäbisch Gmünd, Aalen, Ellwangen, Crailsheim, Backnang, Schwäbisch Hall und von mir aus auch Ansbach und sogar Nürnberg. Vom Portal Bad Cannstatt fährt die schon bekannte Express-S-Bahn S7 ohne Halt zum Flughafen.

Portal Böblingen
Beim Portal Böblingen wird die Gäubahn mit dem Flughafen - S-Bahnsystem verknüpft. Von Böblingen fährt die schon bekannte Express-S-Bahn S7 über die Rohrer Kurve ohne Halt bis zum Flughafen.

Jetzt noch einige weitere Anmerkungen kurzgefasst zur verbesserten Bedienung des Flughafens mit einem Express-S-Bahnsystem und der Verknüpfung mit dem Bahnnetz von BW über fünf Portale:

1. Das vorgestellte Konzept geht davon aus, dass nicht nur Stuttgart 21 nicht gebaut wird, sondern auch die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm. Sollte die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm wider Erwarten doch gebaut werden, lässt sich das System anpassen.

2. Am Flughafenbahnhof verkehren drei S-Bahnlinien. Neben den bereits vorgestellten Linien S3 und S7 verkehrt weiterhin auch die S2.

3. Die Wahl für die Bedienung der neuen Strecke nach Nagold durch die S7 und nicht durch die S1 fiel deshalb, weil die S1 mit Halt an allen Bahnhöfen eine sehr lange Fahrzeit von Nagold nach Stuttgart aufweisen würde. Das würde die S-Bahnanbindung von Nagold unattraktiv machen.

4. Der Flughafen ist nicht der Nabel der (Verkehrs)Welt. Es ist nicht passend, aus den verschiedenen Landesteilen direkte Regionalzüge oder gar Fernzüge zum Flughafen zu führen. Es gibt einen Nabel der Verkehrswelt. Das ist und bleibt der Stuttgarter Hauptbahnhof. Dorthin werden die direkten Züge aus allen Landesteilen geführt. Trotzdem erhält der Flughafen durch das vorgestellte Konzept eine enorme Verbesserung bei der Anbindung an das ganze Land BW. Denn über die fünf Umsteigeportale mit kurzen Anschlusszeiten und nur wenigen Minuten Fahrzeit mit der Express-S-Bahn ist der Flughafen attraktiv an alle Bahnstrecken gleichermaßen angebunden.

5. Das vorgestellte Konzept weist nicht nur die zahlreichen Mängel von Stuttgart 21 nicht auf. Es ist auch zu einem Bruchteil der Kosten von Stuttgart 21 zu verwirklichen. Es wird weder ein zweiter Flughafenbahnhof mit Zulauftunneln gebraucht, noch muss der bestehende Flughafenbahnhof umgebaut werden. Auch die Strecke Flughafen - Rohr muss nicht umgebaut werden. Auf den fast 10 Kilometer langen Fildertunnel kann verzichtet werden. 

6. Das vorgestellte Konzept ist fahrgastfreundlich. Denn es gibt nur einen Flughafenbahnhof mit barrierefreiem Zugang zu den Zügen. Das Umsteigen findet am gleichen Bahnsteig statt. Orientierungsprobleme sind nicht vorhanden. Der Bahnhof befindet sich direkt unter dem Terminal.

7. Das vorgestellte Konzept kann - wie das gesamte Konzept K21 - in Stufen umgesetzt werden. Jede Stufe kann für sich genommen verkehrswirksam in Betrieb gehen.           

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