Samstag, 27. Dezember 2025

"Nahverkehrsdreieck" - Wird dem schlechten Stuttgart 21-Geld noch gutes Geld hinterhergeworfen?

Seit einiger Zeit geistert das sogenannte Nahverkehrsdreieck durch die Stuttgarter Bahnlandschaft.

Hinter dem Nahverkehrsdreieck verbergen sich nichts anderes als tangentiale Bahnlinien, ein verkehrstechnischer Sachverhalt, von dem man besser die Finger lassen sollte. Tangentiale Bahnlinien sind Linien, die weder den Hauptbahnhof noch die Innenstadt anbinden. 

Mit dem Nahverkehrsdreieck sollen offensichtliche Defizite von Stuttgart 21 geheilt werden. Wir fragen jedoch heute: Wird dem schlechten Stuttgart 21-Geld noch gutes Geld hinterhergeworfen? 

Insbesondere Landesverkehrsminister Hermann plädiert für das Nahverkehrsdreieck. Aber auch der Verband Region Stuttgart hat eine Tangentiallinie im Rahmen des Nahverkehrsdreiecks vorgeschlagen wie folgt: Strohgäubahn - S-Feuerbach - Panoramastrecke - S-Vaihingen.

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Landeshauptstadt Stuttgart fast pleite - Kann Rückabwicklung des Stuttgart 21-Grundstückgeschäfts helfen?

Verschiedene Medien berichten, dass die Landeshauptstadt Stuttgart nahezu pleite ist.

Der Grund sind die stark gefallenen Gewerbesteuerzahlungen sowie die kostspielige Umsetzung von Bundesgesetzen. 

In diesem Kontext sollte geprüft werden, ob eine Rückabwicklung des Stuttgart 21-Grundstückgeschäfts der Finanzsituation der Landeshauptstadt behilflich sein könnte. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat für einen Preis von 459 Mio. Euro die durch Stuttgart 21 möglicherweise freiwerdenden Gleisflächen der Bahn abgekauft.

Glück gehabt: Übernahme von Stuttgart 21-Mehrkosten
Die Bahn hat ja die Projektpartner von Stuttgart 21 vor Gericht zur anteiligen Übernahme der Mehrkosten bei Stuttgart 21 verklagt und auch in zweiter Instanz verloren. Hätten die Gerichte dieser Kostenübernahme zugestimmt, wäre die Landeshauptstadt Stuttgart jetzt tatsächlich pleite und das Regierungspräsidium Stuttgart würde den Haushalt der Stadt festlegen. Dieser Kelch ist an Stuttgart noch einmal vorübergegangen.
 
Rückkauf der Bahngrundstücke durch die Bahn
Ein Rückkauf der sich jetzt im Eigentum der Landeshauptstadt Stuttgart befindlichen Bahngrundstücke durch die Bahn würde den Haushalt der Landeshauptstadt Stuttgart um 459 Mio. Euro entlasten und sollte deshalb ernsthaft geprüft werden.
 
Ein Kombibahnhof beseitigt alle Probleme 
Das wäre auch für die Bahn sinnvoll, weil sie im Rahmen eines Kombibahnhof aus Durchgangsbahnhof und Kopfbahnhof beim Stuttgarter Hauptbahnhof aller Kapazitätssorgen entledigt würde und auch den "Digitalen Knoten Stuttgart" erst mal ad acta legen könnte. Auch mit einem Kombibahnhof würden heutige Bahnflächen frei. Die Landeshauptstadt Stuttgart könnte zu einem späteren Zeitpunkt diese Flächen wieder zurückkaufen. Oder die Bahn vermarktet diese Flächen selbst.
 
Stuttgart 21-Rosenstein ist Luftnummer
In absehbarer Zeit kann die Landeshauptstadt Stuttgart die Altlastenbeseitigung und die Entwicklung eines Rosenstein-Quartiers nicht leisten. Es ist auch vollkommen unklar, ob zum Jahr 2035 oder 2040 überhaupt noch ein Bedarf an Wohnungen im Rosensteinquartier besteht. Man denke nur an die allgemein rückläufigen Bevölkerungszahlen oder an die mit einem wirtschaftlichen Niedergang verbundenen Wegzüge aus Stuttgart.
 
Rückkauf der Grundstücke kommt zur rechten Zeit
Von daher kommt jetzt die Möglichkeit, dass die Bahn die Stuttgart 21-Grundstücke von der Landeshauptstadt Stuttgart zurückkauft, sowohl für die Bahn als auch für die Landeshauptstadt zur rechten Zeit. Die Wahrnehmung dieser Möglichkeit würde eine der bisher im Kontext von Stuttgart 21 wichtigsten Entscheidungen darstellen.


Montag, 8. Dezember 2025

Soll Stuttgart 21 nur terminlich oder auch inhaltlich überprüft werden?

Verschiedene Medien berichten, dass die neue Bahn-Chefin Palla das Projekt Stuttgart 21 intern überprüfen will - allerdings in erster Linie wegen der erneuten Verzögerungen.

Wäre es nur eine Überprüfung wegen der terminlichen Probleme, wäre die Sache uninteressant. Erforderlich ist auch eine inhaltliche Überprüfung. Wir nennen hierzu im heutigen Post in diesem Blog die wichtigsten Sachverhalte.

1. Neue Doppelspur Stuttgart - Ulm als Teil der neuen Doppelspur Mannheim - Stuttgart - München
Die neue Doppelspur Stuttgart - Ulm ist dringend erforderlich. Die Bestandsstrecke z. B. im Abschnitt Bad Cannstatt - Plochingen ist hoffnungslos überlastet.
 
Stuttgart 21 bringt diese neue Doppelspur Stuttgart - Ulm, auch wenn die Führung über den Flughafen unnötig und umwegig ist.
 
Die folgenden Teile von Stuttgart 21 müssen deshalb in Betrieb gehen:
Fildertunnel, Strecke vom Flughafen nach Wendlingen und ca. viergleisiger Tiefbahnhof beim Stuttgarter Hauptbahnhof.
 
2. Neue Doppelspur Zuffenhausen - Hauptbahnhof als Teil der neuen Doppelspur Mannheim - Stuttgart - München
Eine neue Doppelspur Zuffenhausen - Hauptbahnhof ist dringend erforderlich, weil heute und auch bei Stuttgart 21 40 Prozent der Verkehrsnachfrage im Fern- und Regionalverkehr über eine nur zweigleisige Zufahrt fahren. Das gibt es bei keinem anderen großen Bahnknoten in Deutschland.
 
Der Nordzulauftunnel könnte die neue Doppelspur bringen. Fraglich ist aber, wann der Tunnel gebaut werden kann. Hier gilt es, den realistischen Bauzeitraum zu ermitteln. Sollte dieser noch weit in der Zukunft liegen, muss die Anlage einer neuen Doppelspur parallel zu den vorhandenen Gleisen zwischen Zuffenhausen und Feuerbach geprüft werden.
 
3. Die Gleiszahl im Stuttgarter Hauptbahnhof
Im Rahmen von Stuttgart 21 soll die Gleiszahl im Stuttgarter Hauptbahnhof von 16 auf 8 reduziert werden. Das ist einmalig in Deutschland. Dazu kommen noch ein großes Gefälle und Doppelbelegungen im Stuttgart 21-Bahnhof.
 
Alle anderen Bahnhöfe in Deutschland erhöhen die Zahl ihrer Gleise, vor allem in Bezug auf den Deutschlandtakt.
 
Beispiel Frankfurt am Main: Die 25 Gleise des Kopfbahnhofs sollen auch nach Inbetriebnahme der neuen Durchmesserlinie erhalten bleiben.
 
Wie kommt dieser eklatante Unterschied zwischen Stuttgart 21  und Frankfurt am Main zustande? Die Bahn sollte hierzu eine Antwort liefern.
 
Der Stuttgarter Kopfbahnhof muss erhalten bleiben.
 
4. Die Gäubahn
Man muss es als Skandal bezeichnen, dass der unwichtigste große Tunnel Deutschlands, der Pfaffensteigtunnel für die Gäubahn, vor vielen anderen, viel wichtigeren Tunnels in Deutschland in Bau gehen soll. Das gilt es umgehend zu revidieren.
 
Für den Deutschlandtakt bringt der Pfaffensteigtunnel nichts. Für den Deutschlandtakt sind dagegen Ausbauten zwischen den beiden Deutschlandtaktknoten Böblingen und Tuttlingen erforderlich.
 
Die Gäubahn verfügt bereits über eine Doppelspur im Zulauf zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Ein Pfaffensteigtunnel würde das zerstören, denn die Gäubahn würde dann in den Engpass Fildertunnel geschickt.