Freitag, 15. Juni 2012

Sind der VCD, der BUND und PRO BAHN auf Stuttgart 21-Abwegen?

Man reibt sich verwundert die Augen. Die "Smart Link" genannte Konzeption des VCD- Landesverbands Baden-Württemberg in Kooperation mit dem BUND Regionalverband Stuttgart und dem Fahrgastverband PRO BAHN kopiert die von verschiedenen Initiativen schon längst ausführlich vorgebrachten Vorschläge für einen Regionalbahnhof S-Vaihingen. Andererseits unterstützen die drei Fahrgast- und Umweltverbände das Projekt Stuttgart 21, indem sie den Fildertunnel als gegeben hinnehmen und einen geänderten Bahnhof für den Fern- und Regionalverkehr beim Flughafen fordern.

So nicht, meine sehr geehrten Damen und Herren, möchte man hier sagen. Der VCD bezeichnet sich selbst als einzigen ökologischen Verkehrsclub in Deutschland. Von daher wäre der VCD gut beraten, wenn er das unökologische Projekt Stuttgart 21 auch weiterhin entschieden ablehnt und nicht plötzlich gemeinsame Sache mit den Stuttgart 21-Protagonisten macht. Auch wer Änderungen an Details von Stuttgart 21 fordert, ist letztendlich für Stuttgart 21.


Und bitte, liebe VCDler, kommen Sie mir jetzt nicht wieder mit der Volksabstimmung. Sie als VCD sind nicht dazu da, die Mehrheitsverhältnisse im Stuttgarter Landtag abzubilden. Sie sind dazu da, ökologische Verkehrspolitik zu betreiben und die Interessen der Bahnfahrer zu vertreten. Ansonsten könnte man auf den VCD genauso gut verzichten. Die Mehrheit der Deutschen fährt so gut wie nie Zug. Würde man also nach der Mehrheit gehen, könnte man den Zug abschaffen und den VCD gleich mit.

Wenn die Landesregierung von Baden-Württemberg sich hinter der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 versteckt, ist dies schon bedenklich. Und wenn dann einige Politiker, die die spezielle Finanzierung von Stuttgart 21 nicht verstehen, fordern, dass jetzt auch der Stuttgarter OB nichts mehr gegen Stuttgart 21 sagen darf, ist dies sehr bedenklich. Wenn aber ein Interessenverband die Vertretung der Interessen, für die er eigentlich da ist, einstellt, nur weil die Mehrheit angeblich etwas anderes will, dann ist dies nicht nur bedenklich, sondern nicht akzeptabel.

Kommen wir nun noch etwas näher zu den beiden Themen im neuen Smart-Link Konzept des VCD.

Regionalbahnhof Stuttgart-Vaihingen
Seit Monaten fordern zum Beispiel die Schutzgemeinschaft Filder oder das Bündnis Filderbahnhof Vaihingen und viele andere mehr die Einrichtung eines Regionalbahnhofs in Stuttgart-Vaihingen. Auch hier in diesem Blog ist das Thema eines Regionalbahnhofs in Stuttgart-Vaihingen nicht nur ein- oder zweimal, sondern schon vielfach angesprochen worden. Und für einen Regionalbahnhof in Stuttgart-Vaihingen gibt es nicht nur einen, sondern viele gute Gründe. Wenn jetzt auch der VCD mit dieser Idee kommt, dann ist dies - höflich ausgedrückt - nichts Neues. 

Neuer Flughafenbahnhof
Vor und nach der Volksabstimmung gilt: Stuttgart 21 ist das schlechteste Bahnprojekt in der Bahngeschichte. Deshalb darf es Stuttgart 21 nicht geben und deshalb darf es auch einen zweiten Flughafenbahnhof für Fern- und Regionalzüge nicht geben. Das hat der VCD vor der Volksabstimmung vertreten und das erwarten wir vom VCD, dass er dies auch nach der Volksabstimmung vertritt. Und hierbei ist es unerheblich, ob ein zweiter Flughafenbahnhof nördlich der Autobahn oder südlich der Autobahn neben dem S-Bahnhof gebaut wird.

Inhaltlich gibt es viele Dinge zu einem zweiten Flughafenbahnhof anzumerken. Fast alle Argumente gegen einen zweiten Flughafenbahnhof wurden in diesem Blog schon in den verschiedensten Posts genannt. Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Argumente gegen einen zweiten Flughafenbahnhof:
  • Der bestehende S-Bahnhof ist bei weitem nicht ausgelastet.
  • Ein zweiter Flughafenbahnhof ist wegen der Kapazitätsreserven des bestehenden Bahnhofs ein Fall für die Rechnungshöfe bzw. ein Fall von Untreue.
  • Der ICE soll pro Großstadt nur einmal halten (am Hauptbahnhof).
  • Das S-Bahnnetz der Region Stuttgart ist das mit Abstand kleinste aller vergleichbaren Regionen (München, Zürich, Frankfurt). Deshalb muss es neue S-Bahnstrecken geben. Dazu gehört die neue Express-S-Bahnstrecke Flughafen-Wendlingen-Plochingen.
  • Die S-Bahn-Stammstrecke im Talkessel ist ausgelastet. Zur Entlastung muss es weitere Tangentiallinien geben, die am Talkessel vorbeifahren. Zu den zukünftigen Tangentiallinien gehört die Express-S-Bahn Flughafen-Wendlingen-Plochingen.
  • Der achtspurige Ausbau der Autobahn A8 zwischen Wendlingen und Kreuz Stuttgart muss verhindert werden. Dies geht nur mit einer Express-S-Bahn Plochingen-Wendlingen-Flughafen-S-Vaihingen-Hauptbahnhof.
  • Die Reisezeit besteht nicht nur aus der Fahrzeit, sondern auch aus der Wartezeit und aus der Umsteigezeit. Von daher bietet eine alle 10 Minuten verkehrende Express-S-Bahn  mit guten Anschlüssen an das gesamte Bahnnetz Baden-Württembergs wesentlich kürzere Reisezeiten als ein Regional- oder gar Fernzughalt am Flughafen mit Wartezeiten von einer oder gar zwei Stunden.
  • Der Bahnknoten Stuttgart-Hauptbahnhof wird durch die Anlage eines zweiten Umsteigeknotens am Flughafen geschwächt. Ein Umsteigeknoten Flughafen kann zudem von der Bevölkerung nur mit mehr oder weniger langen Zubringerfahrten erreicht werden. Es entstünden also hohe Folgeinvestitionen, um die Bevölkerung von den gegebenen Umsteigeknoten Hauptbahnhof, S-Vaihingen, Wendlingen, Plochingen und S-Bad Cannstatt wegzulocken und dem Flughafenbahnhof zuzuführen. 
Der VCD und seine Mitstreiter sollten sich ernsthaft fragen, ob sie auch zu den Stuttgart 21-Verlierern gehören wollen. Denn dass das Projekt nicht zu Ende gebaut wird, dürfte wohl bald jedem klar sein. Kriegt der VCD noch rechtzeitig die Kurve oder macht er sich demnächst überflüssig?        
                 

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