Freitag, 7. Januar 2011

Stuttgart fehlt der Mittlere Ring

Was hat denn der Mittlere Ring hier in einem Blog zu Stuttgart 21 zu suchen, so mag man sich fragen. Ausgangspunkt waren die Fehler der Stadt- und Verkehrsplanung in Stuttgart, die mit und nach dem Wiederaufbau nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg gemacht worden sind und deren Fortsetzung das Projekt Stuttgart 21 ist. Dieser kleine städtebauliche Exkurs hat mit dem Post vom 07.12.2010 begonnen und soll vorläufig mit dem heutigen Post beendet werden.



Heute geht es noch um Details zu einem Mittleren Ring für Stuttgart. Ein Mittlerer Ring soll den gesamten Durchgangsverkehr aus dem Stuttgarter Talkessel herausnehmen. Die Bundesstraßen 14 und 27 sollen nicht mehr durch den Talkessel verlaufen. Auch der innerörtliche Verkehr in Stuttgart zwischen den äußeren Stadtbezirken soll nicht mehr durch den Talkessel führen. Der Mittlere Ring seinerseits soll jedoch zu keinen neuen und zusätzlichen Beeinträchtigungen führen. Daraus folgt, dass der Mittlere Ring bevorzugt im Zuge bestehender Straßen verlaufen soll, die jedoch für den Mittleren Ring ausgebaut werden müssen. Wo Straßen nicht bereits vorhanden sind, muss der Mittlere Ring im Tunnel geführt werden. Selbstverständlich darf der Mittlere Ring den Wald nicht beeinträchtigen, ebensowenig Landschaftsschutzgebiete oder Wohnsiedlungen. Der Mittlere Ring soll zudem in Etappen umsetzbar sein, wobei jede Etappe einen eigenen Verkehrswert hat und für sich in Betrieb gehen kann (also gerade das Gegenteil zum Projekt Stuttgart 21).

Das also wäre das Pflichtenheft für einen Mittleren Ring. Einige wenige kürzere Straßenteilabschnitte im Verlauf eines zukünftigen Mittleren Rings sind bereits in Betrieb. Dies sind:
  • der Tunnel Pragsattel - Löwentor der B10
  • die B10 von der Wilhelma über den Leuzetunnel bis zur Verzweigung B10/B14 beim Großmarkt
  • die B27 vom P + R - Parkhaus Degerloch bis zur Anschlussstelle Sigmaringer Straße
  • die B14 vom Johannesgrabentunnel über den Schattenring bis zum Birkenkopf

Ein weiterer wichtiger Abschnitt eines zukünftigen Mittleren Rings ist gerade in Bau gegangen, ohne dass jedoch der Mittlere Ring in diesem Zusammenhang thematisiert worden ist. Es ist der Rosensteintunnel der B10. Viele Menschen haben Vorbehalte gegen diesen Tunnel. Es wird befürchtet, dass der Straßenverkehr durch diesen Tunnel weiter zunehmen wird und dass eventuell sogar Verkehr, der auf die Autobahnen A 81 und A 8 gehört, in die Stadt gelenkt wird. Diese Befürchtungen sind durchaus berechtigt und müssen ernst genommen werden. Es muss ein ganzes Bündel von begleitenden Maßnahmen umgesetzt werden, die den Verkehr aus den bebauten Gebieten fernhalten. Was aus meiner Sicht den Rosensteintunnel interessant macht ist eben der Umstand, dass der Tunnel ein Teil eines späteren Mittleren Rings ist.

Nach der Fertigstellung des Rosensteintunnels wäre der erste von vier Teilabschnitten des Mittleren Rings fertiggestellt, der Abschnitt vom Pragsattel bis zum Großmarkt.

Der zweite Abschnitt verläuft von der Einmündung B10 / B14 bis nach Degerloch. Der Abschnitt 2a beinhaltet den 2,8 Kilometer langen Frauenkopftunnel zwischen der Brendlekreuzung (Wangener - / Ulmer Straße) und der Jahnstraße zwischen Geroksruhe und Stelle. Dies ist die größte Einzelinvestition des Mittleren Rings, aber gleichzeitig die verkehrswirksamste Investition. Nach der Eröffnung des Frauenkopftunnels wird zunächst einmal der gesamte Durchgangsverkehr aus Gablenberg und aus der Talstraße verschwinden. Später wird der Frauenkopftunnel auch noch den gesamten Durchgangsverkehr der B14 und der B 27 aufnehmen.

Der Abschnitt 2b beinhaltet den 1,6 Kilometer langen Tunnel Degerloch. Der Tunnel erstreckt sich von der Kreuzung Jahnstraße / Königsträßle bis zur Kreuzung Löffel-/ Albstraße. Nach der Eröffnung der Abschnitte 2a und 2b wird der Durchgangsverkehr im Talkessel im Verlauf der B27 verschwunden sein. Die B 27 zwischen Pragsattel und Degerloch wird dann zur Landesstraße zurückgestuft. Der Planietunnel mit seinen Rampen wird stillgelegt. Erste Straßenrückbaumaßnahmen im Talkessel finden statt.

Der Abschnitt 3 erstreckt sich von der Anschlussstelle B 27 / Sigmaringer Straße bis zum bestehenden B 14 - Johannesgrabentunnel in Vaihingen. Dieser Abschnitt ist erforderlich, um den gesamten Durchgangsverkehr der B14 aus dem Talkessel herauszunehmen. Von der Anschlussstelle Sigmaringer Straße geht es zunächst offen nördlich an Möhringen vorbei bis zur Rembrandtstraße. Dort beginnt ein im Tagebau zu errichtender Tunnel (nennen wir ihn nach dem Gewann "Riedtunnel"), der sich nördlich an Möhringen vorbei bis zum bestehenden Hengstäckertunnel der Ostumfahrung Vaihingen erstreckt. Der Hengstäckertunnel muss in seinem Ostteil baulich verändert werden. Zudem muss eine zweite Tunnelröhre parallel zur bestehenden gebaut werden. Dann geht es weiter über das Nesenbachtal und über den bereits vorhandenen Österfeldtunnel.

Mit der Fertigstellung des Abschnitts 3 ist der Mittlere Ring fast vollendet. Dann ist die B14 aus dem Talkessel verschwunden. Die immer wieder angedachte zweite Röhre für den B14-Tunnel Heslach ist dann für alle Zeiten ad acta gelegt. Ebenso ein Tunnel unter der Konrad-Adenauer-Straße sowie überhaupt alle Straßenausbaumaßnahmen innerhalb des Mittleren Rings. Alle Straßenunterführungen im Verlauf der Konrad-Adenauer-Straße und Hauptstätter Straße werden abgerissen. Das Straßennetz innerhalb des Mittleren Rings wird großflächig zurückgebaut. Im inneren Stadtbereich entstehen urbane Boulevards. 

Der Abschnitt 4 des Mittleren Rings zwischen dem Birkenkopf und dem Pragsattel ist von untergeordneter Bedeutung. Um den Verkehr konsequent aus dem Talkessel und aus den Wohngebieten herauszunehmen, empfiehlt sich jedoch auch ein Ausbau des Abschnitts 4. Der Abschnitt 4 verläuft durchgehend im Zuge vorhandener Straßen (Am Kräherwald), die jedoch - auch mit kürzeren Tunnels, Kräherwaldtunnel, Tunnel Feuerbacher Heide - ausgebaut werden müssen. Vor dem Pragsattel verläuft der Mittlere Ring unter dem Killesberg hindurch und unter der Maybachstraße, um dann von Norden in den Pragsatteltunnel einzuschleifen.

Die Gesamtlänge des vorgeschlagenen Mittleren Rings für Stuttgart ist 28 Kilometer (verblüffenderweise fast genauso lang wie Münchens Mittlerer Ring).
Dies sind die Tunnel des Stuttgarter Mittleren Rings:
Tunnel Pragsattel - Löwentor (in Betrieb), 720 Meter
Rosensteintunnel (im Bau), 1000 Meter
Leuzetunnel (in  Betrieb), 280 Meter
Frauenkopftunnel (neu), 2800 Meter
Tunnel Degerloch (neu), 1600 Meter
Riedtunnel (neu) + Hengstäckertunnel (in Betrieb), 2300 Meter
Österfeldtunnel (in Betrieb), 370 Meter
Kräherwaldtunnel (neu), 900 Meter
Tunnel Feuerbacher Heide (neu), 600 Meter
Killesbergtunnel (neu), 1700 Meter
Gesamt: 12.270 Meter, das entspricht 44 Prozent des Mittleren Rings.

Der Stuttgarter Mittlere Ring ist ein in Etappen umsetzbares, sich über einen Zeitraum von 20 Jahren erstreckendes Vorhaben. Die Nutzen für den gesamten inneren Stadtbereich von Stuttgart wären enorm und bereits vor der Fertigstellung des gesamten Rings vorhanden. Die Stadt könnte sich neu erfinden. Sprüche wie "Das Beste an Stuttgart ist der ICE nach München" oder "Das Beste an Stuttgart ist die Autobahn nach München" sollten dann der Vergangenheit angehören.

So, das wars erst mal zum Thema Straßenverkehr in Stuttgart. Ab dem nächsten Post geht es wieder direkt zum Thema Stuttgart 21.      
       

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