Freitag, 21. Januar 2011

Dialog21: bitte nicht einwerfen


In diesen Tagen wird die dritte Ausgabe des Stuttgart 21 - Propagandablatts "Dialog21" an viele Stuttgarter Haushalte verteilt. Nicht wenige dieser Haushalte sind der Auffassung, dass dieses Blatt bzw. seine Macher keinen Dialog wollen. Und so ist es kein Wunder, dass man auf vielen Briefkästen in Stuttgart diesen Aufkleber sieht:



Diesen Aufkleber sieht man auf vielen Briefkästen in Stuttgart.


Nun müssen wir uns in diesem Blog das vierseitige Blatt trotzdem kurz ansehen.

Gleich die Überschrift auf der ersten Seite macht stutzig. Da wird behauptet: "Stuttgart 21 kommt". Und dies wird mit dem Schlichterspruch von Heiner Geisler begründet.

Nicht nur, dass selbst Heiner Geisler gesagt hat, dass sein Projekt "Stuttgart 21 plus" ein völlig anderes Projekt ist als Stuttgart 21 und mit diesem nichts mehr zu tun hat. Die immer wieder Schlichtung genannte Veranstaltung war als Sach- und Faktencheck angelegt. Es war bis kurz vor dem Schluss der Veranstaltung noch nicht einmal klar, ob es überhaupt einen sogenannten Schlichterspruch gibt. Und beim Sach- und Faktencheck ist herausgekommen, dass das Projekt K21 (der bedarfsgerechte, etappierbare Ausbau des Bahnknotens Stuttgart auf der Basis des bestehenden Kopfbahnhofs) in jeder Hinsicht das bessere, das ökologischere, das wirtschaftlichere und das stadtverträglichere Konzept ist. Das hat auch Heiner Geisler so gesehen. Er sprach sich nur deshalb für den Weiterbau von Stuttgart 21 (plus) aus, weil dieses Projekt eben nun mal bereits begonnen worden sei. Dies ist aber kein Schlichterspruch von Heiner Geisler, sondern dies ist die persönliche Meinung von Heiner Geisler. Viele andere Menschen haben auch eine Meinung und die lautet: Obwohl mit Stuttgart 21 bereits begonnen worden ist, ist es immer noch um Längen besser, das Projekt sofort zu stoppen als weiterzubauen.

Auf der Seite 2 wird das Projekt Stuttgart 21 zum wiederholten Male mit den üblichen Tricks beworben. Wörtlich heißt es dort: " Mit Stuttgart 21 wird eine deutliche Ausweitung der Zugangebote möglich: mehr Züge, eine stärkere Vertaktung, schnellere Fahrzeiten und zahlreiche neue Linien im Regionalverkehr. So wird allein die Fahrt zwischen Stuttgart und Ulm auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke um fast eine halbe Stunde reduziert."

Uff! Das ist schon starker Tobak! Wurde doch beim Sach- und Faktencheck nachgewiesen, dass der Stuttgarter Kopfbahnhof heute bereits während der Spitzenstunde mehr Züge bewältigt als für Stuttgart 21 geplant. Und es wurde beim Sach- und Faktencheck auch nachgewiesen, dass beim mit dem Kopfbahnhof möglichen integralen Taktfahrplan die Vertaktung und die Anschlüsse wesentlich besser sind als bei Stuttgart 21. Es wurde sogar nachgewiesen, dass mit K 21 mehr Verbindungen eine schnellere Fahrzeit erhalten werden als bei Stuttgart 21. Aber jetzt kommt der Höhepunkt: Wieder einmal werden die Bürgerinnen und Bürger mit dem Vertauschen der Projekte Stuttgart 21 und Neubaustrecke Wendlingen - Ulm an der Nase herumgeführt. Stuttgart 21 hat augenscheinlich keine quantifizierbaren Vorteile. Da muss dann wieder die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm herhalten, um eine Fahrzeitverkürzung von fast einer halben Stunde zu propagieren. 

Und auf der Seite 3 wird ein Mitglied der Grünen interviewt, das tatsächlich für Stuttgart 21 ist. Man spürt förmlich, wie Andriof und Dietrich (Stuttgart 21 - Sprecher) ob dieses vermeintlichen Coups sich ein Grinsen nicht verkneifen können. Dabei ist es überhaupt nichts besonderes, dass auch unter den Grünen einmal ein Mitglied für Stuttgart 21 ist. Es gibt unter den CDU-und FDP-Mitgliederinnen und Mitgliedern und -Wählerinnen und Wählern auch Menschen, die gegen Stuttgart 21 eintreten. 

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang etwas ganz anderes. Herr Prof. Stefan Faiß (so heißt dieses Grünen-Mitglied) hat sich anscheindend den Sach- und Faktencheck nicht genügend genau angesehen. Wie sonst kann er zum Beispiel behaupten, dass Stuttgart 21 dem Grundsatz Innenstadt- statt Außenbezirksentwicklung folgt. Hätte  er den Sach- und Faktencheck richtig verfolgt, hätte er mitbekommen, dass beim Projekt K 21 mindestens 75 Prozent der bei Stuttgart 21 freiwerdenden Fläche ebenfalls frei wird und im Gegensatz zu Stuttgart 21 sofort bebaut werden könnte. Und er hätte dann auch mitbekommen, dass eine Bebauung des freiwerdenden Bahngeländes wegen der Kessellage Stuttgarts aus klimatologischen und auch aus ökologischen Gründen höchst bedenklich ist. Und er hätte auch mitbekommen, dass es in Stuttgart heute bereits ein Vielfaches der freiwerdenden Bahnfläche gibt, das mangels Nachfrage und wegen falscher Politik nicht bebaut wird und als Brachfläche vor sich hingammelt. 

Und wie kann Herr Faiß behaupten, dass die Ablehnung von S21 und der Neubaustrecke für all diejenigen, die Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern wollen, ein herber Rückschlag ist? Hätte er den Sach- und Faktencheck richtig verfolgt, hätte er mitbekommen, dass Stuttgart 21 kaum Verkehr auf die Schiene verlagert und im Gegenteil durch seinen Kannibalisierungseffekt in den kommenden 15 Jahren fast alle wichtigen Investitionen in den Schienenverkehr verunmöglicht. Und er hätte mitbekommen, dass Investitionen in den Schienengüterverkehr einen um den Faktor 100 höheren ökologischen Nutzen haben als Stuttgart 21.

Also: es ist nicht schlimm, dass Prof. Stefan Faiß als Mitglied der Grünen das Projekt Stuttgart 21 befürwortet. Schlimm ist aber, dass er es mit denselben Sprechblasen befürwortet, die vor dem Sach- und Faktencheck die Runde gemacht haben. Somit müsste man ihm sagen: Nachsitzen, Sach- und Faktencheck (zum Beispiel in youtube) noch einmal ansehen!

Ansonsten gebe ich hiermit der Hoffnung Ausdruck, dass es eine Ausgabe 4 von Dialog21 nicht mehr geben wird, weil Stuttgart 21 vorher gestoppt worden ist.             

1 Kommentar:

  1. es wäre schön, wenn die Behauptungen zum den Ergebnissen des Faktenchecks mit links belegt würden so ist dieser Artikel reines polemische blalba

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