Seit Jahren ist der Stuttgarter Hauptbahnhof (Kopfbahnhof) von der S-Bahn, der Stadtbahn und von der Stuttgarter Innenstadt nur über viele hunderte Meter lange Fußwege (Volksmund: Fernwanderwege) zu erreichen.
Und jahrelang schien das der Politik egal zu sein. Jetzt scheinen Teile der Politik plötzlich aufgewacht zu sein. Die Grünen im Regionalparlament präsentierten einen - wenngleich weniger geeigneten - Vorschlag zur Verkürzung der Zugangswege. Jetzt hat auch Stuttgarts OB Nopper (CDU) einen relativ guten Vorschlag präsentiert.
Die Erreichbarkeit Stuttgarts ist gemindert
Während der großen Demonstrationen gegen das Projekt Stuttgart 21 äußerten Teile der Politik und auch des Einzelhandels Sorge, ob die Stuttgarter Innenstadt überhaupt noch erreichbar sei. Die Fernwanderwege bewirken - davon bin ich überzeugt - eine noch viel größere Einschränkung der Erreichbarkeit der Stuttgarter Innenstadt. Ich bin überzeugt davon, dass viele Menschen als Folge der Fernwanderwege gar nicht mehr nach Stuttgart, sondern anderswohin fahren. Ist das der Politik und dem Einzelhandel egal?
Wer ist finanzierungspflichtig?
Die Fahrgäste, die im Stuttgarter Bahnknoten vom Fernverkehr zum Regionalverkehr und umgekehrt sowie zwischen den Regionalzügen umsteigen, brauchen den Fernwanderweg nicht. Diese Fahrgäste gehen über den Querbahnsteig. Die Bahn ist somit in Sachen Fernwanderwege eher außen vor.
Hingegen müssen diejenigen Fahrgäste, die von der S-Bahn zum Regional- und Fernverkehr und umgekehrt umsteigen, sehr wohl den Fernwanderweg nutzen. Hier wäre der Verband Region Stuttgart gefragt.
Ebenso Nutzer des Fernwanderwegs sind die Fahrgäste, die von den Fern- und Regionalzügen in die Stadtbahn, den Linienbus, das Taxi umsteigen, oder zu Fuß in die Innenstadt gehen. Hier wäre die Landeshauptstadt Stuttgart an der Reihe.
Der Stuttgarter Kopfbahnhof wird, so wie sich Stuttgart 21 gerade präsentiert, wohl noch sehr lange oder besser dauerhaft gebraucht. Die Bahn kann mit den Fernwanderwegen noch am ehesten leben. Die Bahn wird wohl auch kaum eine Ablösung der Fernwanderwege durch eine bessere Lösung finanzieren wollen.
Die Bahn wurde von den Vertragspartnern verklagt
Die Bahn ist einerseits klamm. Andererseits darf man nicht vergessen, dass die Stuttgart 21-Vertragspartner der Bahn Klage gegen die Bahn erhoben haben. Und die Partner haben gewonnen. Die Bahn muss alle Mehrkosten zu Stuttgart 21 alleine stemmen. Auch von daher wird die Bahn wohl kaum bereit sein, die Fernwanderwege abzulösen.
Landeshauptstadt Stuttgart und Verband Region Stuttgart sollten zahlen
Eigentlich gibt es nur die Lösung, dass die Landeshauptstadt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart den Löwenanteil der Kosten für die Ablösung der Fernwanderwege übernehmen. Aber halt: Die Landeshauptstadt Stuttgart ist nahezu pleite.
Da hat man sich in etwas hineingeritten! Niemals hätte man Stuttgart 21 als eigenwirtschaftliches Projekt der Bahn deklarieren sollen. Was aber sonst? Man hätte Stuttgart 21 gar nicht bauen dürfen. Statt dessen allenfalls die Kombilösung aus viergleisigem Durchgangsbahnhof und 16gleisigem Kopfbahnhof.
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