Donnerstag, 12. Januar 2012

SPD gibt zu: Stuttgart 21 auf den Fildern ist Murks

Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stuttgarter Landtag, Claus Schmiedel, hat jetzt eine Neuplanung des Flughafenbahnhofs von Stuttgart 21 angeregt. Der neu zu erstellende Flughafenbahnhof soll unmittelbar neben den bestehenden S-Bahnhof am Flughafen gebaut werden. Die bisher vorgesehene Lösung mit einem tief unter der Erde gelegenen und 250 Meter vom S-Bahnhof entfernten Flughafenbahnhof ist laut Schmiedel nicht ideal.



Diese Äußerung von Schmiedel ist ein ganz wichtiger Etappenschritt im Hinblick auf den Stopp von Stuttgart 21. Zum ersten Mal in der Geschichte von Stuttgart 21 gibt einer der entschiedensten Befürworter des Projekts zu, dass die Planung auf den Fildern Murks ist. Nun wäre zu wünschen, dass auch andere Befürworter von Stuttgart 21 zu dieser Erkenntnis gelangen. Und es wäre weiter zu wünschen, dass Schmiedel und andere Befürworter von Stuttgart 21 auch erkennen, dass Stuttgart 21 nicht nur am Flughafen, sondern auch an vielen anderen Orten und bei vielen anderen Sachverhalten Murks ist.

Immerhin: Die Stimme von Schmiedel hat in der SPD in Sachen Stuttgart 21 Gewicht. Wir Gegner von Stuttgart 21 schimpfen zwar zu Recht mächtig über Schmiedel. Aber man kann  davon ausgehen, dass die von Schmiedel geäußerte Meinung zur Stuttgart 21-Planung auf den Fildern ab sofort die SPD-Meinung ist.

Die von Schmiedel vorgeschlagene Neuplanung gleicht ziemlich genau dem in der Geißlerschen Kombilösung vorgeschlagenen Flughafenbahnhof und sie deckt sich auch mit den jüngsten Äußerungen von Verkehrsminister Winfried Hermann. Hermann plädierte vor kurzem ebenfalls für einen direkt neben dem S-Bahnhof gelegenen neuen Bahnhof. Zudem hielt es Hermann auch für möglich, dass die Gäubahn nicht zum Flughafen fährt, sondern über die vorhandene Panoramastrecke an den Hauptbahnhof angebunden wird.

Die Indizien mehren sich also, dass letztendlich doch die Geißlersche Kombilösung an Stelle von Stuttgart 21 gebaut wird. (eine weitere Variante ist der vollständige Stopp von S21). Dafür spricht auch, dass der heftigste Befürworter eines Abrisses des Kopfbahnhofs, Stuttgarts Oberbürgermeister Schuster, seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit erklärt hat. Somit sind jetzt die Chancen für einen Kompromiss bzw. für das Ende von S21 gestiegen.

Allerdings sollten jetzt alle Beteiligten die innere Größe aufbringen und die bestehenden Planungen und vorbereitenden Bauarbeiten sofort stoppen. Das gilt für die vorbereitenden Arbeiten zum Fildertunnel ebenso wie für den Abriss des Hauptbahnhof-Südflügels.

Eigentlich will die Bahn in den nächsten Wochen mit der Vorbereitung des Baufelds am südlichen Ende des Fildertunnels beginnen. Dieses Baufeld gehört gerade noch zum bereits planfestgestellten Bauabschnitt. Von dort soll später einmal die Tunnelbohrmaschine in Richtung Hauptbahnhof starten. Allerdings wäre bei einer Umsetzung der Kombilösung oder auch nur des Schmiedel-Vorschlags das südliche Ende des Fildertunnels an einer anderen Stelle als zur Zeit geplant, nämlich weiter westlich, so dass die Bahntrasse unmittelbar an der B27 in einem Bogen zum Flughafenbahnhof neben dem S-Bahnhof fährt.

Das Gebot der Stunde lautet also, dass die Bahn die vorbereitenden Bauarbeiten für den Fildertunnel sofort stoppt, bis endgültig klar ist, was auf den Fildern und am Flughafen sinnvoll zu machen ist. Auf diesen gemeinsamen Nenner sollten sich Grüne und SPD jetzt doch einigen können!  

Und ein weiteres Gebot der Stunde - und hier ist die Zeiteinheit der Stunde wörtlich zu nehmen - ist, dass der Abriss des Hauptbahnhof-Südflügels gestoppt wird. Denn die Geißlersche Kombilösung ermöglicht es, den Südflügel zu erhalten.

Der Hauptbahnhof-Südflügel ist ein europäisches Architekturerbe. Niemend kann heute noch sagen, er hätte dies nicht gewusst. Selbst wenn es bestimmten Kreisen gelingen sollte, den Südflügel doch abzureißen: die Granada-Konvention des Europarats fordert den Wiederaufbau des Südflügels. Es ist jedenfalls zu prüfen, ob die Verursacher der Südflügel-Zerstörung auf zivilrechtlichem Weg für den Wiederaufbau zur Kasse gebeten werden können. Denn die Erfahrung ist: wenn es an den eigenen Geldbeutel geht, ändern Politiker oft sehr schnell ihre Meinung.       

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