Montag, 15. Dezember 2014

Flughafenchef Fundel sagt bei Schlüsselinterview mit Aero International kein Wort zu Stuttgart 21

Aero International ist die bedeutendste deutschsprachige Zeitschrift zum zivilen Luftverkehr. In der am 12.12.2014 erschienenen Ausgabe 1/2015 von Aero International ist ein zweiseitiges Interview mit dem Chef des Stuttgarter Flughafens, Prof. Georg Fundel, abgedruckt. Dieses Interview muss als wegweisend bezeichnet werden. Denn im Durchschnitt schafft es ein jeder deutschsprachige Flughafen vielleicht alle 15 oder 20 Jahre, dass ein Interview mit seinem Chef in Aero International abgedruckt wird.

Das Wichtigste zu diesem Interview gleich vorweg: Mit keinem Wort wird in diesem Interview Stuttgart 21 oder die NSB Wendlingen-Ulm erwähnt. Dabei wird in diesem Interview durchaus auch die Perspektive des Stuttgarter Flughafens für die kommenden 15 Jahre beleuchtet. Gehen wir im Folgenden näher auf dieses interessante Interview ein, auf das was gesagt wurde, und auf das, was nicht gesagt wurde. 


Gleich zu Anfang des Interviews bezieht sich der Fragesteller auf den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden, den Grünen Verkehrsminister Hermann. Der Stuttgarter Flughafen wurde im Sommer 2014 als nachhaltigster Flughafen in Europa ausgezeichnet. Fundel wird nun gefragt, ob hier bereits der Einfluss von Verkehrsminister Hermann sichtbar wird.

Fundel antwortet höflich. Er betont, dass das Thema der Nachhaltigkeit bereits vor der Zeit des Aufsichtsratsvorsitzenden Hermann aktuell war. Dann aber sagt Fundel einen wichtigen Satz. Er betont, dass seine und die Auffassungen von Verkehrsminister Hermann gar nicht weit auseinanderliegen. Darauf werden wir im Zusammenhang mit Stuttgart 21 später noch zurückkommen.

Dann wird es hochinteressant. Auf die stagnierenden bzw. sinkenden Fluggastzahlen angesprochen antwortet Fundel, dass die Landesregierung den Flughafen sogar dafür lobt, wenn die Fluggastzahlen nicht weiter zunehmen. Diese Bemerkung gibt Rätsel auf. Soll das dann doch eine versteckte Kritik an der Landesregierung sein? Oder haben sich Landesregierung und Flughafen inzwischen vergegenwärtigt, dass Stuttgart 21 dem Flughafen keineswegs mehr Fluggäste bringen wird, wie immer wieder versprochen?

Die Grünen sind Vielflieger
Auch die Landesregierung verhält sich hier rätselhaft. Ebenfalls in der Ausgabe 1/2015 von Aero International wird über eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen zur Häufigkeit des Fliegens bei den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland berichtet. In diese Umfrage wurde auch die Parteipräferenz mit einbezogen. Auf die Frage, ob sie in den letzten 12 Monaten geflogen sind, antworteten mit Ja:
49 Prozent der Grünen Anhänger
42 Prozent der Linke-Anhänger
36 Prozent der Anhänger der CDU
32 Prozent der Anhänger der SPD
Die Grünen sind also Vielflieger. Das kommt zum einen sicher daher, dass die Wähler der Grünen eher den oberen Einkommensschichten zuzuordnen sind. Zum anderen haben manche Grünenwähler wohl auch ein Elitedenken. Man ist durchaus dafür, dass nicht mehr so viel geflogen wird. Das gilt aber nicht für einen selber, denn man selbst fliegt ja für einen guten Zweck, zum Beispiel um die Nationalparks der USA zu besuchen oder um sich auf eine ursprüngliche Ägäisinsel zurückzuziehen.

Jedenfalls sollte man diese etwas merkwürdige Konstellation bei den Grünen und ihren Wählern berücksichtigen. Damit lässt sich Einiges erklären, unter anderem auch der Eiertanz, den die Grünen bei Stuttgart 21 aufführen.

Welchen Einfluss haben die Flughäfen Frankfurt, München und Zürich auf den Stuttgarter Flughafen?
Kommen wir aber wieder zurück zum Interview mit Fundel in Aero International. Irgendwann im Verlauf dieses Interviews wird Fundel die Gretchenfrage gestellt. Er wird auf die Nähe des Stuttgarter Flughafens zu den drei Groß- und Knotenflughäfen Frankfurt/Main, München und Zürich angesprochen. Er wird gefragt, ob das ein Fluch oder ein Segen ist.

Fundel antwortet, dass dies ein Fluch ist. Damit ist die Katze aus dem Sack. Fundel leidet also darunter, dass der Stuttgarter Flughafen so unbedeutend im Vergleich mit den benachbarten Flughäfen ist. Er hätte gerne wesentlich mehr Passagiere in Stuttgart. Er trauert wohl dem Umstand nach, dass der Stuttgarter Flughafen nie ein Knotenpunktsflughafen war und nie einer werden wird.

Allerdings sieht er zur Zeit nur den Frankfurter und den Zürcher Flughafen als direkte Konkurrenz. Der Münchner Flughafen wird laut Fundel erst in den kommenden Jahren eine Konkurrenz, wenn die Autobahn von Stuttgart nach München fertig ausgebaut ist. Jetzt hält man fast den Atem an. Was für eine Erkenntnis! Wohl wahr - und doch unvollständig. Die NBS Wendlingen-Ulm und Stuttgart 21 erwähnt Fundel mit keinem Wort. Dabei würden auch die NBS und Stuttgart 21 Fluggäste nach München abziehen. Oder noch deutlicher ausgedrückt: Die NBS und Stuttgart 21 bringen dem Flughafen weniger zusätzliche Fluggäste als sie Fluggäste von Stuttgart nach München abziehen.

Die Zukunft des Flughafens findet ohne Stuttgart 21 statt
Auch um die Zukunft des Flughafens geht es im Interview. Fundel wird gefragt, wie es mit einer zweiten Start- und Landebahn aussieht. Darauf gibt Fundel eine eindeutige Anwort. Es gibt in den kommenden 15 Jahren nicht einmal den Gedanken an eine zweite Start- und Landebahn. Denn durch den Einsatz größeren Fluggeräts hat sich die Zahl der in Stuttgart startenden und landenden Flugzeuge so vermindert, dass Slots in Hülle und Fülle vorhanden sind. 

Spätestens wenn es um die Zukunft des Flughafens geht, müsste doch jetzt endlich im Interview die Rede auf Stuttgart 21 kommen. Aber nein, da herrscht das Schweigen im Walde. Weder spricht die Redaktion von Aero International das Thema an, noch kommt Fundel von sich aus auf Stuttgart 21 zu sprechen.

Was kann man nun aus diesem wichtigen und denkwürdigen Interview folgern? Ich bin der Auffassung, dass man durchaus etwas folgern kann. Möglicherweise hat der Stuttgarter Flughafen jetzt verstanden, dass ihm Stuttgart 21 nichts bringt. Und möglicherweise hat das auch die Landesregierung verstanden.

Landesregierung und Flughafen sollten jetzt schleunigst den Zuschuss für Stuttgart 21 zurückfordern
Hoffen wir, dass dies so ist. Wenn es so ist, sollten sich Flughafen und Landesregierung jetzt aber ganz schnell darauf einigen, dass der Stuttgarter Flughafen seinen Beitrag an Stuttgart 21 in Höhe von weit über 200 Mio Euro zurückfordert. Das ist auch deshalb erforderlich, weil der Flughafen nur für solche Dinge Geld ausgeben darf, die seinen Unternehmenserfolg sicherstellen. Das ist mit Stuttgart 21 nicht der Fall.

An Stelle von Stuttgart 21 am Flughafen müssen dringend die großen Potenziale und Reserven des bestehenden Flughafenbahnhofs genutzt werden. Dafür könnte der Flughafen einen kleinen Beitrag leisten. Es muss eine dritte S-Bahnlinie eingerichtet werden, die als Express-S-Bahn vom Hauptbahnhof über S-Vaihingen, den Flughafen und Wendlingen nach Plochingen fährt. Die beiden bereits den Flughafen bedienenden S-Bahnlinien müssen nach Nürtingen und nach Kirchheim/Teck verlängert werden. Dies und weitere Ausbaumaßnahmen verbessern die Anbindung des Flughafens an die Metropolregion Stuttgart entscheidend - und aus der Metropolregion Stuttgart kommt der Großteil der Fluggäste des Stuttgarter Flughafens.

Das Versagen des Verbands Region Stuttgart
Dieser massive Ausbau des S-Bahnanbindung des Flughafens im Rahmen eines etappierbaren Ausbaus des Bahnknotens Stuttgart und unter Nutzung der großen Potenziale und Reserven des bestehenden Flughafenbahnhofs ist jedoch auch für die Stuttgarter S-Bahn selbst von enormer Bedeutung. Das Netz der S-Bahn wird dadurch vergrößert. Das Bedienungsgebiet wird erweitert. Die Stammstrecke der S-Bahn wird entlastet, indem viele Fahrten, die heute noch über die Stammstrecke führen, zukünftig über die Fildern geleitet werden.

Nun haben wir es leider in der Region Stuttgart mit einem ganz merkwürdigen Phänomen zu tun. Der eigentlich für die S-Bahn zuständige Verband Region Stuttgart stellt sich gegenüber diesen Erfordernissen eines Ausbaus und einer Verbesserung der S-Bahn praktisch taub und fördert statt dessen Stuttgart 21, ein Projekt, das der S-Bahn eher schadet als nützt. Dies ist ein fundamentales Versagen einer Institution.

Vor diesem Hintergrund kommt jetzt dem Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzenden Hermann und dem Flughafenchef Fundel eine Schlüsselrolle zu. Angesichts des Versagens des Verbands Region Stuttgart müssen jetzt Hermann und Fundel das Ruder herumreißen, die Gelder des Flughafens für Stuttgart 21 zurückfordern und den massiven Ausbau der Stuttgarter S-Bahn mit der damit verbundenen drastischen Verbesserung der Anbindung des Stuttgarter Flughafens vorantreiben. 

Vielleicht ist dies hinter den Kulissen ja bereits im Gange. Denn wie anders lässt sich das vollständige Fehlen des Themas Stuttgart 21 im Fundel-Interview zum Stuttgarter Flughafen erklären?          


       

Kommentare:

  1. Aufmerksamer Leser20. Dezember 2014 um 14:00

    Zu Ihrer Frage am Ende: Da haben Sie das Naheliegendste mal wieder "übersehen": Dass der Flughafenchef einen (möglicherweise selbst) auferlegten Maulkorb besitzt, der ihn davon abhält, eine zum Verkehrsminister abweichende Meinung zum Besten zu geben. Womit sich Ihre wilden Spekulationen natürlich erübrigt hätten...

    Ach so, zu einem weiteren logischen Kurzschluss in Ihrem Text: Sie meinten: "Die NBS und Stuttgart 21 bringen dem Flughafen weniger zusätzliche Fluggäste als sie Fluggäste von Stuttgart nach München abziehen." Warum sollte das der Fall sein? Vom Münchner Zentrum (Hauptbahnhof) aus liegt der Flughafen Stuttgart dann 8 Minuten näher als Stuttgart Hbf, und ist ohne Umsteigen zu erreichen. Umgekehrt ist der Münchner Flughafen vom Stuttgarter Zentrum (Hbf) weiterhin nur durch Umsteigen und mit einer gut eine Stunde längeren Fahrzeit zu erreichen! Wie kommen Sie da auf die absurde Idee, die S21+NBS könnten in diese Richtung mehr Verkehr generieren?

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  2. Na ja, Aufmerksamer Leser, dann fliegen Sie mal von Stuttgart-Manfred-Rommel nach San Francisco, nach Shanghai oder Bangalore. Mal sehen wie weit Sie kommen. Im genannten Interview hat Flughafenchef Fundel doch recht deutlich benannt, woran sein Flughafen leidet: Dass er kein Drehkreuz darstellt wie München, Frankfurt oder Zürich, die alle in sinnvoll erreichbar Entfernung liegen. Diese Situation wird auch ein schneller Schienenanschluss nicht ändern. Ganz im Gegenteil: Wer von München schnell nach Stuttgart gelangt, kommt genauso schnell München … Wie man es auch wendet: Das politische Prestigeprojekt Stuttgart 21 bleibt unwirtschaftliches Stückwerk.

    Angesichts der schwierigen Lage seines Flughafens bemüht sich Fundel mittlerweile um Billigcarrier wie Ryanair und EasyJet. Die wirtschaftliche Nachhaltigkeit eines solchen Unterfangens lässt sich vorzüglich am Flugplatz Frankfurt-Haan nachvollziehen.

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  3. Aufmerksamer Leser21. Dezember 2014 um 13:23

    @Anonym, 21. Dez. 12:08: "Diese Situation wird auch ein schneller Schienenanschluss nicht ändern." Dazu hatte ich ja zunächst ja gar nichts angemerkt. Warum auch: Auf Strecken, die nicht beide Flughäfen anbieten, herrscht sowieso keine direkte Konkurrenz!

    "Ganz im Gegenteil: Wer von München schnell nach Stuttgart gelangt, kommt genauso schnell München". Vielleicht hätten Sie meinen Beitrag genauer lesen sollen. Es geht ja hier nicht darum, von Flughafen zu Flughafen, oder von Innenstadt zu Innenstadt zu kommen (die Innenstadt als mittlerer Wohnort der Einwohner einer Region angenommen). Es geht jeweils darum, vom Wohnort zum Flughafen (und zurück) zu kommen. Und ich hatte oben aufgezeigt, dass dies künftig für Münchner, die in Stuttgart abfliegen möchten, in unter 90 Minuten geht, während für Stuttgarter, die in München fliegen, es mit knapp 2,5h etwa eine Stunde länger dauern wird. Wenn also ein Flug in die gleiche Region bei beiden Flughäfen angeboten wird, dann hat der Stuttgarter die Wahl, einen günstigen Flug (wegen der geringeren Flughafengebühren) in Stuttgart bei einer über 2h Stunden kürzeren Anreise als in München zu buchen (das ändert gegenüber heute nicht viel). Da wird es wohl kaum jemanden geben, der stattdessen nun München nehmen wird, weil die Anreise statt 3h nur noch 2,5h dauert. Umgekehrt braucht ein Münchner heute mit der S-Bahn etwa 45m zum Flughafen München, und über 2,5h zum Flughafen Stuttgart (2h nach Stuttgart Hbf, und dann noch mal Umsteigen und knapp 30 Minuten mit der S-Bahn). Das schließt Stuttgart als Abflugort der Wahl heute ebenso aus. Durch S21+NBS verringert sich letztere Fahrzeit aber auf etwa umsteigefreie 85 Minuten. Da werden es sich sicher ein paar Fluggäste eher überlegen, ob Sie die nur noch 40 Minuten längere Anreise mit der Bahn nach Stuttgart wählen, so der Flug dort beispielsweise günstiger ist, oder einfach zeitlich günstige liegt! Deswegen ist Möbus und Ihre Behauptung, es wäre anders herum, ja so absurd! Es zeigt, dass Sie beide keine Sekunde über Ihr "Argument" nachgedacht haben (wie das so oft bei "Argumenten" gegen S21 der Fall ist!).

    Und nun kommen wir noch mal zu Ihrem ersten Punkt zurück: Diese geänderte Anreise-Situation aus dem Großraum München könnte eben durchaus dazu führen, dass es sich Fluggesellschaften überlegen, den ein oder anderen Fernflug doch aus Stuttgart anzubieten, weil das größere Einzugsgebiet den Einsatz einer für Fernflüge wirtschaftlichen Flugzeuggröße ermöglicht. Oder auch auf bestehenden Strecken größerer Flugzeuge einsetzen, womit der Profit pro Start und Landung für den Flughafen steigt.

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  4. Besten Dank, Aufmerksamer Leser, für die Bestätigung meiner Argumentation. „Auf Strecken, die nicht beide Flughäfen anbieten, herrscht sowieso keine direkte Konkurrenz!“ Wenn aber der Münchner Flughafen wesentlich mehr Flugstrecken als Stuttgart anbietet, dann werden sich erwartungsgemäß auch mehr Reisende nach München orientieren als nach Stuttgart. Oder warum sollten die Münchner zum Stuttgarter Flughafen fahren, wenn ein gewünschter Flug dort auch zukünftig gar nicht angeboten wird? Und dass ein Münchner über Stuttgart etwa nach Berlin oder London reist, das werden Sie doch selbst nicht glauben, oder? Bitte denken Sie über Ihre eigene Argumentation nochmals ganz in Ruhe nach. Dann wird Ihnen grundsätzlich auffallen, dass Stuttgart 21 vornehmlich die Schiene stärken soll, und nicht den Flugverkehr.

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  5. Aufmerksamer Leser21. Dezember 2014 um 18:32

    @Anonym, vielleicht schreiben Sie wirklich am Thema vorbei? Sie wollten sich also tatsächlich lediglich zu der trivialen Feststellung äußern, das in München mehr Flüge angeboten werden als in Stuttgart, und S21 daran nichts ändern wird? Das ist schön für Sie, ich frage mich nur, warum Sie mich zu dieser Trivialität adressieren, die ich nie bestritten haben, da ich ich mich ja nicht dazu, sondern zu etwas ganz anderem geäußert hatte, nämlich folgender offensichtlich falschen Behauptung von Fritz Möbus: "Die NBS und Stuttgart 21 bringen dem Flughafen weniger zusätzliche Fluggäste als sie Fluggäste von Stuttgart nach München abziehen." Und zu Ihrer dazu gehörenden Behauptung "Wer von München schnell nach Stuttgart gelangt, kommt genauso schnell München", die im Kontext der Flughafenwahl falsch ist. Haben Sie das denn wenigstens eingesehen?

    Unter "Fluggäste von Stuttgart nach München *ABZIEHEN*" ist doch wohl gemeint, dass es um Kunden des Stuttgarter Flughafen geht, die von Stuttgart aus geflogen wären, wenn es aufgrund von S21 nicht plötzlich für sie attraktiver würde, von München zu fliegen. Das setzt nun mal voraus, dass es Flüge von beiden Flughäfen an das nachgefragte Ziel gibt!

    Noch mal die von mir kritisierte Aussage von Fritz Möbus im Kontrast zu den genannten Fakten: (zur Erinnerung: es ist Voraussetzung, dass Flüge von beiden Flughäfen existierende, weil im anderen Fall stehen die Flughäfen eben nicht in Konkurrenz!)

    Behauptung: "Die NBS und Stuttgart 21 bringen dem Flughafen weniger zusätzliche Fluggäste (A) als sie Fluggäste von Stuttgart nach München abziehen (B)." (jeweils ohne Begründung)

    Fakt zu (B): München statt Stuttgart bleibt für Stuttgarter unattraktiv, weil die Fahrzeit zum Münchner Flughafen immer noch 2h länger dauert als die zum Stuttgarter. Die NBS + Stuttgart 21 kann somit hier keinen nennenswerte Verschiebung von Flugästen aus dem Raum Stuttgart nach München bewirken (und aus anderen Räumen sowieso nicht). Die Zahl der hier zu betrachtenden Fluggäste geht also gegen Null.

    Fakt zu (A): Durch S21+NBS rückt der Flughafen Stuttgart für die Münchner um mehr als eine Stunde näher, und die Fahrzeitdifferenz zum Münchner Flughafen beträgt nur noch etwa 40 Minuten, statt bislang 100. Selbst für Münchner wird der Flughafen Stuttgart so zu einer Alternative. Für Leute aus der Nähe von Ulm (und südlich davon), die bislang etwa gleich lange per Bahn zum Flughafen Stuttgart benötigen wie nach München, wird der Stuttgarter Flughafen nun ganz klar die bessere Wahl, weil er dann in unter 30 Minuten von Ulm Hbf zu erreichen ist. Also werden die NBS + Stuttgart 21 hier viele zusätzliche Fluggäste nach Stuttgart bringen.

    Also ist die Zahl der durch S21+NBS abfließenden Fluggäste (B), die gegen Null geht, offensichtlich kleiner als die dadurch zufließenden Fluggäste (A), die den Großteil der Fluggäste aus Ulm und der südlich von Ulm liegenden Orte sowie einen Teil der Münchner Bevölkerung umfasst.

    Und mehr habe ich dazu nicht anzumerken, ob sie das nun verstehen wollen (können), oder auch nicht.

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    1. Wissen Sie, Aufmerksamer Leser, ich könnte Ihren apodiktischen Aussagen folgen, wenn Sie verlässliche Entwicklungstrends zu Flugpreisen und zur Flugplangestaltung, zu intermodalen Verkehrsketten, zur Fahrplangestaltung (IC-Halt am Flughafenterminal alle 2 Stunden), zum Tarifsystem der Deutschen Bahn, zur Rolle des Individualverkehrs, zum Marktanteil der Fernbusse etc. zumindest ansatzweise in Ihre Überlegungen einbeziehen würden. Ohne umfassende Würdigung dieser Einflussfaktoren ist eine Diskussion wenig zielführend. Übrigens: Schauen Sie sich doch mal den Flughafen Köln-Bonn an, der ebenfalls über einen Fernverkehrsanschluss auf der Schiene verfügt. Welch umfangreichen Verkehrsverlagerungen von Frankfurt oder Düsseldorf gab es dort durch die schnellen Züge?

      Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest!

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  6. Ich habe mir vorgenommen, auf Kommentare von anonymen Kommentatoren hier in diesem Blog nicht mehr zu antworten, sondern diese lediglich stehen zu lassen, sofern nicht irgendwelche Etiquette-Gründe dagegen sprechen.

    Heute scheint es mir jedoch erforderlich zu sein, eine Ausnahme zu machen und die in einigen der vorstehenden Kommentare dargebotene Halbinformation zu einer Vollinformation zu ergänzen.

    1. Kosten und Gebühren eines Flughafens
    In einem der vorliegenden Kommentare wird behauptet, dass die Gebühren am Münchner Flughafen höher sind als am Stuttgarter Flughafen. Das ist ganz klar nicht der Fall. Im Gegenteil: Der Stuttgarter Flughafen ist - gerade wegen der exorbitanten Zuschüsse für Stuttgart 21 - inzwischen der teuerste Flughafen Deutschlands. Das war hier in diesem Blog bereits mehrfach das Thema. Kein anderer Flughafen auf der Welt muss wie der Stuttgarter Flughafen eine solche Bürde leisten für ein Verkehrsprojekt, das dem Flughafen selbst praktisch nichts bringt.

    2. Bei den Reisezeitvergleichen wird immer wieder derselbe Fehler gemacht. Es wird die Wartezeit auf den Zug, die zur Reisezeit dazugehört, unterschlagen. Von München aus wird nach den aktuellen Planungen lediglich alle zwei Stunden ein ICE fahren, der am Stuttgarter Flughafen hält. Es gibt somit für die Reisenden eine durchschnittliche Wartezeit von einer Stunde auf den ICE, die zur Reisezeit dazuzurechnen ist.

    Umgekehrt wird von Stuttgart aus alle 20 Minuten (drei ICE pro Stunde) ein ICE nach München-Pasing fahren. Dort steigt man in die S-Bahn zum Flughafen um. Bis Stuttgart 21 irgendwann mal fertig wäre, wäre in München längst eine Express-S-Bahn von Pasing zum Flughafen eingerichtet.

    Damit ergibt sich die folgende Reisezeit von Stuttgart zum Münchner Flughafen:
    10 Minuten durchschnittliche Wartezeit auf den ICE
    ca. 90 Minuten Fahrzeit von Stuttgart bis Pasing
    ca. 10 Minuten Wartezeit auf die Express-S-Bahn zum Flughafen
    ca. 15 Minuten Fahrzeit zum Flughafen
    Summe 125 Minuten

    Umgekehrt ergibt sich von München zum Stuttgarter Flughafen die folgende Reisezeit:
    60 Minuten durchschnittliche Wartezeit auf den ICE
    ca. 100 Minuten Fahrzeit zum Stuttgarter Flughafen (Zwischenhalt in Pasing)
    Summe 160 Minuten

    Im Übrigen sieht das auch Flughafenchef Fundel so. Denn die Überlegungen, die er bezüglich der Autobahn A8 anstellt, gelten genauso für den ICE.

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    1. Aufmerksamer Leser21. Dezember 2014 um 23:15

      1.) Mit den Fluggebühren sehen das die Fluggesellschaften wohl anders als Sie. Z.B. Berechnet Air-Berlin an Flughafen-Gebühren für eine Flug von München nach Palma und zurück @41,81, von Stuttgart aus aber nur €34,74 (aktuell für eine Flug über Sylvester nachgeschaut). Und das sogar in einem kleineren Flugzeug!

      2.) Nun, den "Fehler" machen aber auch die potentiellen Fluggäste. Abgesehen davon erfinden Sie also auch noch eine Express-S-Bahn in München von Pasing zum Flughafen im 20 Minuten-Takt? Mit einer Fahrzeit von 15 Minuten statt 50 Minuten heute? Geht's noch?

      Der MVI schreibt dagegen über seine geplanten Express-S-Bahnen von einem 30 Minuten Takt und Fahrzeitersparnissen von 10 Minuten, was eine Fahrzeit von 40 Minuten ergibt. Insgesamt schlägt das auf Ihre Rechnung in Richtung München Flughafen also schon mal 30 Minuten drauf.

      Im übrigen Fahren die ICEs nicht im 20/20/20 Takt, sondern eher 30/10/20. Da die Express-S-Bahn nur im 30 Minuten Takt fährt, ist einer der 3 Züge wahrscheinlich für die Katz, was durchschnittlich weitere 5 Minuten Ihrer Schön-Rechnung kostet.

      Umgekehrt haben Sie "übersehen", dass es auch noch einen stündlichen Regionalzug von Ulm zum Flughafen Stuttgart geben wird, was die Wartezeit um 30 Minuten halbiert, die Fahrzeit im Mittel aber nur um knapp 5 Minuten erhöht. Spart also 25 Minuten.

      Somit ist dann die "mittlere Reisezeit" Stuttgart->München-Flughafen im Mittel 125+35 = 160 Minuten, und die für München->Stuttgart-Flughafen 160-25 = 135 Minuten. Die "Reisezeitdifferenz" wäre von Stuttgart Hbf nach München statt Stuttgart Flughafen wäre ungefähr 160-(15+8) = 138 Minuten (also entsprechend der etwas mehr als 2h, von denen ich oben auf Grund der Fahrzeiten überschlagen hatte!), während die von München Hbf nach Stuttgart statt München Flughafen 135 - (15+30) = 90 Minuten betragen würde. Das ist immer noch ein Vorteil von etwa 50 Minuten für eine Verlagerung München nach Stuttgart statt umgekehrt!

      Und für die Fluggäste aus Ulm und Umgebung geht die Sache natürlich ganz eindeutig zugunsten des Stuttgarter Flughafens aus.

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    2. Aufmerksamer Leser21. Dezember 2014 um 23:30

      "MVI" oben sollte MVV heißen.

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  7. Bevor ich in die Weihnachtspause und Neujahrspause gehe, gilt es noch, die Behauptungen des "Aufmerksamen Lesers" richtigzustellen.

    1. Selbstverständlich ist der Stuttgarter Flughafen inzwischen der teuerste Flughafen Deutschlands und jedenfalls auch teurer als München.

    Ein Beispiel dazu für die Fluggesellschaft Air Berlin, die ja von beiden Flughäfen abfliegt, zum Beispiel nach Berlin. Die einigermaßen zufällig ausgewählte Flugreise geht am Do, den 22.01.2015 nach Berlin und am So, den 25.01.2015 wieder zurück.

    Für Stuttgart-Berlin-Stuttgart zeigt die Webseite den günstigsten Preis mit 180,28 Euro. Für München-Berlin-München zeigt die Webseite den günstigsten Preis mit 133,15 Euro.

    Für alle an diesen Tagen verkehrenden Flüge gibt es ab München einen Durchschnittspreis von 97,91 Euro für den Hinflug und von 88,04 Euro für den Rückflug. Ab Stuttgart gibt es einen Durchschnittspreis von 115 Euro für den Hinflug und von 131,26 Euro für den Rückflug.

    2. Es ist ein großer Fehler, anzunehmen, dass sich in der unglaublich langen Zeitspanne von mindestens 10 Jahren, bis ein Stuttgart 21- Flughafenbahnhof fertig werden würde, in München nichts tut. In 10 Jahren tut sich in München sehr viel. Das betrifft nicht nur die zweite Stammstrecke der S-Bahn, die schnelle Verbindungen von Pasing über die Innenstadt zum Flughafen bietet. Das betrifft auch die direkte Führung einer Express-S-Bahn von Pasing zum Flughafen.

    3. Die Stuttgart 21-Befürworter behaupten immer wieder die alternativlose Planung von Stuttgart 21 und machen in der Folge immer wieder den Fehler, Stuttgart 21 mit dem Status quo im Bahnknoten Stuttgart zu vergleichen. Dabei ist ja gerade das Gegenteil richtig. Gerade Stuttgart 21 verhindert nun schon seit bald 30 Jahren vernünftige Lösungen für den Bahnknoten Stuttgart und für den Anschluss des Flughafens, wie sie z.B. in München realisiert werden.

    In München wurde die Neufahrner Kurve gebaut, die eine zweite S-Bahnstrecke zum Flughafen bietet. Nun war Baubeginn für die Neufahrner Gegenkurve, die eine direkte S-Bahnverbindung von Regensburg/Freising bietet. Die zweite Stammstrecke der S-Bahn wird weitere Fahrmöglichkeiten bieten, ebenso eine Direktverbindung vom immer stärker werdenden Bahnknoten Pasing zum Flughafen. Das könnten wir hier in Stuttgart alles längst auch haben, in Form der Express-S-Bahn von Plochingen über Wendlingen zum Flughafen, in Form der Express-S-Bahn von (Reutlingen-) - Nürtingen zum Flughafen, in Form der Express-S-Bahn von Kirchheim/Teck zum Flughafen und in Form der Express-S-Bahn vom Hauptbahnhof über Vaihingen zum Flughafen. All das wäre längst fertig, hätte die Entwicklung des Bahnknotens Stuttgart ihren normalen Gang genommen.

    4. Fast wäre es dem Aufmerksamen Leser gelungen, mit der vollkommen unwichtigen Diskussion über die Handvoll Reisender, die möglicherweise aus Bayern zum Stuttgarter Flughafen kommen, vom eigentlichen Problem abzulenken. Das Problem heißt, dass Stuttgart 21 am Flughafen eine vollkommen verkorkste Planung ist, die u.a. schwere Schäden an der S-Bahn anrichtet. Davon betroffen wären nicht nur eine Handvoll Reisender, sondern täglich Zigtausende Bahnfahrer.

    5. Zu guter letzt, nachdem die Argumentation des Aufmerksamen Lesers ins Leere geglitten ist, wird dann noch das triumphierend vorgetragene Argument mit Ulm ins Spiel gebracht. Was soll eigentlich jetzt Ulm? Die Ulmer sind heute bereits schneller am Stuttgarter Flughafen als am Münchner Flughafen. Da spielt Stuttgart 21 überhaupt keine Rolle. Das war ja auch in keinster Weise das Thema hier in diesem Artikel.

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  8. Aufmerksamer Leser22. Dezember 2014 um 21:16

    Ach, es ist schon ein Kreuz mit der Wahrheit:

    1.) Für die genannten Flugverbindungen weist Air Berlin an "Steuern + Gebühren" €70,15 ab München, und nur €61,28 ab Stuttgart aus!

    2) Ich hatte ja bereits ein Express-S-Bahn mit den vom MVV angekündigten Eckdaten angenommen, für die Zeit nach der Fertigstellung der 2. Stammstrecke. Sie hingegen nehmen ein Phantasieprodukt an. Eine Quelle haben Sie nicht.

    3.) Das ist im Hinblick auf Ihre falsche Behauptung, die ich betrachtet hatte, irrelevant. Sie wollen offenbar vom Thema ablenken...

    4.) Ja, Sie wollen in der Tat vom Thema ablenken...

    5.) In einem Punkt haben Sie recht, meine Argumentation läuft hier offenbar ins Leere: damit Sie es nicht tät, müsste es hier Leute geben, die Argumenten gegenüber aufgeschlossen wären, und einen gemachten Fehler auch mal korrigieren. Da herrscht aber offenbar ein Mangel...

    Die Fahrzeit heute von Ulm Hbf zum Stuttgarter Flughafen beträgt etwa 1 Stunde und 50 Minuten. Nach München sind es 2 Stunden und 10 Minuten, die Häufigkeit ist ähnlich. Das ist kein so großer Unterschied, und wenn Sie ihre Münchner-Express-S-Bahn nicht schon wieder vergessen haben, so würde der Unterschied bald noch weiter schrumpfen, so dass für die Ulmer beide Flughäfen annähernd gleich gut zu erreichen sind. Nach S21+NBS ist der Flughafen Stuttgart aber nur noch 30 Minuten entfernt, während selbst wenn Ihre erfundene S-Bahn in Parsing noch was reißen sollte, es dann nach München mindestens 3 mal so lange dauert.


    Und doch, das war Thema, denn ihre falsche Behauptung lautete: "Die NBS und Stuttgart 21 bringen dem Flughafen weniger zusätzliche Fluggäste als sie Fluggäste von Stuttgart nach München abziehen." Ulmer, die in Zukunft von Stuttgart statt München fliegen, weil der Flughafen dann um eine Stunde schneller per Bahn zu erreichen ist, fallen aber nun mal unter den ersten Punkt.

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  9. Aufmerksamer Leser26. Dezember 2014 um 22:56

    Preis-Vergleich für Flüge hin und zurück nach Palma de Mallorca von Air-Berlin nach Suche vom 18.-25.5.2015, aber jeweils das z.Z. günstigste Angebot bei Auswahl der Option "flexibler Reisedaten" Angebot: (in Klammern die darin enthaltenen "Steuern und Gebühren", sowie der Preis ohne diese)

    ab Stuttgart: €118,94 - (€36,94 - €82)
    ab München: €128,39 - (€44,39 - €84)
    ab Berlin: €128,71 - (€39,71 - €89)
    ab Düsseldorf:€128,91 -(€40,91 - €88)
    ab Köln: €139,02 - (€34,02 - €105)
    ab Frankfurt: €140,69 - (€53,69 - €87)
    ab Hamburg: €141,07 - (€33,07 - €108 )

    Schlussfolgerung: Stuttgart hat im Vergleich z.Z. den günstigsten Gesamtpreis, und die drittgünstigsten Gebühren: nur Hamburg und Köln sind bei den Gebühren noch günstiger. In Frankfurt, München, Düsseldorf und Berlin werden z.T. deutlich höhere Gebühren verlangt. Von Hamburg und Köln in diesem Beispiel abgesehen, korrelieren die Endkundenpreise zudem recht gut mit den Steuern und Gebühren. Es mag sein, das für Hamburg und Köln die günstigsten Angebote bereits vergriffen waren (=> vielleicht gerade deswegen, weil sie die niedrigsten Gebühren bieten?)

    Die Behauptung: "Selbstverständlich ist der Stuttgarter Flughafen inzwischen der teuerste Flughafen Deutschlands [..]" dürfte jedenfalls eine freie Erfindung sein. Das "Selbstverständlich" deutet ja schon an, dass es nie überprüft wurde. Die meisten "Argumente" gegen S21 beruhen ja auf solchen "Selbstverständlichkeiten", die man wenn es nach denen geht, die sie benutzen, lieber nicht überprüfen sollte...

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  10. Selbstverständig wird dieses provinzielle Stuttgart nie ein Drehkreuz, es wird immer ein elendig schweres Kreuz auf den Schultern des Steuerzahlers sein!

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  11. Beim Thema Flughafen verstricken sich die Befürworter doch ständig in Widersprüche. Ein eindrucksvolles Beispiel war dabei die Schlichtung. Tanja Gönner rechtfertigte da die Notwendigkeit von Stuttgart 21 um mehr Menschen vom Flugzeug auf die Schiene zu bringen. Herr Fundel argumentiert da genau umgekehrt: das Immobilienprojekt soll mehr Menschen zu seiner Möchtegern-Drehscheibe befördern, damit diese dann ab Stuttgart fliegen können. Welche Version darfs denn nun sein, denn beides gleichzeitig will ja nicht so richtig zusammenpassen.

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