Sonntag, 19. Januar 2014

Der Sulzbachtal-Viadukt - ein wichtiger Verkehrsmosaikstein in der Nach-Stuttgart 21-Zeit

Die Stuttgarter Zeitung berichtete am 12.01.2014 über die Baufortschritte beim Sulzbachtal-Viadukt. In diesem Bericht wird süffisant angemerkt, dass es bisher keine Proteste vor Ort gegen den Bau des Sulzbachtal-Viadukts gegeben habe, obwohl dieses Bauwerk zum Projekt Stuttgart 21 gehört.

Diese Anmerkung ist geeinget und möglicherweise bewusst lanciert worden, um Unruhe in der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 zu stiften. Gleichzeitig müssen wir hier im Sinne einer konstruktiven Kritik anmerken, dass verschiedene Reaktionen aus der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21, wie sie in Foren und Kommentaren zu diesem Zeitungsartikel teilweise zum Ausdruck gekommen sind, alles andere als hilfreich und zielführend waren. Es gilt jetzt also, einmal Ordnung in das Dickicht zu bringen, das der Sulzbachtal-Viadukt anscheinend darstellt.


Der Sulzbachtal-Viadukt ist Bestandteil des Projekts Stuttgart 21
Verschiedentlich waren Kommentare aus der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 zu lesen, dass der Sulzbachtal-Viadukt ja gar nicht zu Stuttgart 21 gehöre, sondern Bestandteil der NBS sei. Das ist falsch. Die NBS heißt ja nicht umsonst "NBS Wendlingen-Ulm". Die NBS beginnt bei der Neckarbrücke in Wendlingen. Der Abschnitt vom Flughafen entlang der Autobahn A8 bis Wendlingen und damit auch der Sulzbachtal-Viadukt gehören zum Projekt Stuttgart 21. 

Das kann man auch ganz genau im Finanzierungsvertrag zu Stuttgart 21 nachlesen. Dort wird in §1(2) festgestellt: "Die kostentechnische Abgrenzung des Projektes (Anm.: gemeint ist Stuttgart 21) zur Neubaustrecke Wendlingen-Ulm liegt am westlichen Widerlager des zweigleisigen Kreuzungsbauwerks über den Neckar in Wendlingen, wobei das Widerlager zur Neubaustrecke Wendlingen-Ulm zählt. Die Verbindungskurve aus Richtung Stuttgart in Richtung Tübingen wird aufgrund der Veranlassung dem Projekt (Anm.: gemeint ist Stuttgart 21) zugerechnet."

Der Sulzbachtal-Viadukt wurde bisher von der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 kaum wahrgenommen
Wir haben in diesem Blog bereits im Post vom 6. November 2012 über die ersten Bauarbeiten beim Sulzbachtal-Viadukt berichtet und einige Bilder gezeigt. In den Wochen, als dieser Post veröffentlicht wurde, gab es aus der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 Berichte,  wonach im gesamten Filderraum keine Baustellen zu Stuttgart 21 zu sehen seien. Das hat mich damals peinlich berührt. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass der Sulzbachtal-Viadukt, obwohl genauso Bestandteil von Stuttgart 21 wie der Tiefbahnhof, bisher kaum wahrgenommen worden ist.

In allen Varianten und Szenarien alternativ zu Stuttgart 21 ist der Sulzbachtal-Viadukt enthalten
Vielleicht gibt es aber für dieses Versäumnis der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 auch einen Rechtfertigungsgrund. Vielleicht ist allen bewusst, dass der Sulzbachtal-Viadukt in allen Ausbauszenarien alternativ zu Stuttgart 21 vorkommt. 

Das war und ist auch in diesem Blog stets zum Ausdruck gekommen. Niemals fiel in diesem Blog ein Wort gegen den Sulzbachtal-Viadukt. Statt dessen wurde stets betont, dass der Sulzbachtal-Viadukt auch nach einem Stopp von Stuttgart 21 Verwendung finden kann und muss. Man muss sogar noch weiter gehen: Der Sulzbachtalviadukt als Teil der Express-S-Bahn-Verbindung vom Flughafen nach Wendlingen und Plochingen ("Ringschluss") sowie vom Flughafen nach Nürtingen sowie möglicherweise später mal vom Flughafen westlich an Wendlingen vorbei nach Kirchheim/Teck und weiter nach Weilheim/Teck, Bad Boll und Göppingen war bereits lange vor dem Projekt Stuttgart 21 in Planung. Selbst wenn das Projekt Stuttgart 21 niemals geplant worden wäre, hätte man den Sulzbachtal-Viadukt gebaut.

Und man könnte noch eins drauf setzen. Hätte es das Projekt Stuttgart 21 nicht gegeben, wäre die Express-S-Bahn vom Flughafen nach Wendlingen und Plochingen sowie nach Nürtingen und damit der Sulzbachtal-Viadukt längst in Betrieb. Dann wäre das S-Bahnnetz der Region Stuttgart längst auf dem Niveau der S-Bahnnetze der Wettbewerberregionen (München, Frankfurt, Zürich). Dann wäre die Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn längst entlastet. Dann wäre der Flughafen längst über mehrere Umsteigeknoten optimal an das Bahnnetz von BW angebunden. Dann hätte der Flughafen längst eine Million Fluggäste mehr pro Jahr.  

Weiß die Bahn, dass der Sulzbachtal-Viadukt anstatt für Stuttgart 21 für die Express-S-Bahn in Betrieb gehen wird?
Man hat den Eindruck, dass auch die Bahn weiß, dass der Sulzbachtal-Viadukt ursprünglich für die Express-S-Bahn geplant worden ist und mit dieser Bestimmung letztendlich auch in Betrieb gehen wird. Denn warum sollte die Bahn sonst bereits jetzt den Sulzbachtal-Viadukt bauen? Das Bauwerk soll ja bereits Ende 2014 fertig sein. Stuttgart 21 wird frühestens 2025 fertig. Das bedeutet ja, dass dieser Viadukt mit Stuttgart 21 dann über 10 Jahre vor sich hinrosten würde.

Wir haben in diesem Blog bereits mehrfach gesehen, dass die Express-S-Bahn vom Flughafen nach Wendlingen und Plochingen sowie vom Flughafen nach Nürtingen bereits im Jahr 2019 in Betrieb gehen kann (siehe unter anderem den Post vom 17.November 2013 "Mit der Express-S-Bahn aus der Stuttgart 21-Sackgasse, Teil 2"). Vor diesem Hintergrund macht dann der jetzige Bau des Sulzbachtal-Viadukts plötzlich wieder Sinn.

Die große Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 sollte die Unterstellung der Stuttgarter Zeitung mittels Presseerklärung korrigieren
Die große Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 hat beim Sulzbachtal-Viadukt bisher kein gutes Bild abgegeben. Das hat nun dazu geführt, dass zum Beispiel die Stuttgarter Zeitung süffisant der großen Bürgerbewegung unterstellen konnte, beim Sulzbachtal-Viadukt geschlafen zu haben.

Wir wissen alle, dass das Gegenteil der Fall ist. Die große Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 wendet sich nicht gegen den Sulzbachtal-Viadukt. Dieses Bauwerk war bereits vor Stuttgart 21 geplant. Es dient nach dem Stopp von Stuttgart 21 der Express-S-Bahn vom Flughafen über Wendlingen nach Plochingen sowie vom Flughafen nach Nürtingen.

Diejenigen aus der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21, die sonst immer Pressemeldungen herausschicken oder Pressekonferenzen abhalten, sollten diesen Sachverhalt befördern und somit das Heft des Handelns auch in Sachen Sulzbachtal-Viadukt wieder bei der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 festmachen.            
          

Kommentare:

  1. Zitat: "(...) Hätte es das Projekt Stuttgart 21 nicht gegeben ... Dann hätte der Flughafen längst eine Million Fluggäste mehr pro Jahr. (...)".
    Dann müssen die vom Fluglärm betroffenen Filderbewohner ja froh sein, dass es das Projekt S21 gibt.

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    1. Ihre Ironie erschließt sich mir nicht. Stuttgart 21 soll ja dem Flughafen über eine Million Fluggäste mehr pro Jahr bringen. Weshalb also sollen die "vom Fluglärm betroffenen Filderbewohner" dann froh sein, dass es das Projekt Stuttgart 21 gibt?

      Meine Feststellung bezog sich darauf, dass mit Hilfe der Express-S-Bahn der Flughafen sehr viel preiswerter, wirkungsvoller und wesentlich früher an das Bahnnetz von BW angebunden werden kann als mit Stuttgart 21. Im Gegensatz zu Stuttgart 21 profitieren von der Express-S-Bahn zudem alle Nutzer des Stuttgarter S-Bahnnetzes und vor allem auch die Bewohner der Fildern.

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    2. Mir scheint, Ihnen erschließt sich so manches nicht.

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    3. So geht "unterste Schublade". Da kommt kein Argument, da ist man nicht einmal in der Lage, einen kurzen substanziellen Beitrag zu verfassen, da versteckt man sich hinter der Anonymität.

      Tja, das Internet ist ein Segen und ein Fluch zugleich. Ein Segen ist es, weil jetzt jeder seine Meinung unzensiert äußern kann. Ein Fluch ist es, weil Leute, die keine Meinung und keine Sachargumente zur Hand haben und die sich deshalb hinter der Anonymität verstecken müssen, jetzt ebenfalls ihre Spuren hinterlassen.

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  2. "Die große Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 sollte die Unterstellung der Stuttgarter Zeitung mittels Presseerklärung korrigieren".

    Wer ist denn autorisiert, im Namen dieser Bewegung eine Erklärung abzugeben?

    Es gibt und gab nie DIE Bürgerbewegung. Es geht doch nur um Partikularinteressen. Von linkem Wahlkrampf über Fukushima Ist Überall und Nicht In Meinem Garten bis zu Eisenbahnromantikern.

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    1. Mit Ihrem Kommentar geben Sie zu, dass Sie ein generelles Problem mit Bürgerbewegungen haben. Denn mit dieser Schrotflinte, mit der Sie hier auf die große Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 schießen, könnte man jede Bürgerbewegung bekämpfen.

      Da sind aber praktisch alle politischen Parteien schon weiter. Alle Parteien sehen Bürgerinitiativen und Bürgerbewegungen als einen wichtigen Bestandteil der Demokratie in Deutschland.

      Wie soll sich das Volk denn ohne Bürgerbewegungen eine Meinung bilden? Artikel 21 des Grundgesetzes stellt fest: "Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit". Das heißt jedoch, dass Parteien kein Monopol in Bezug auf die politische Willensbildung haben, ja, dass sie nicht einmal die Federführung bei der politischen Willensbildung des Volkes einnehmen.

      Möglicherweise steckt hinter Ihren Anmerkungen auch ein wenig Neid über die Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21, die sich als eine der größten, stabilsten und anspruchsvollsten Bürgerbewegungen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erweist.

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    2. Leider haben Sie meine Frage nicht beantwortet unterstellen mir aber, dass ich ein generelles Problem mit Bürgerwegenungen habe. Auch die größte Bürgerbewegung benötigt letztendlich eine parlamentarische Mehrheit.

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    3. Ihr letztgenannter Satz spricht jetzt aber ein ganz anderes Thema an. Hierzu gibt es in aller Kürze Folgendes festzustellen:

      Stuttgart 21 ist ausschließlich ein eigenwirtschaftliches Projekt der Bahn. Die verschiedenen Parlamente und Gemeinderäte und auch die Bevölkerung von BW haben niemals zum Projekt Stuttgart 21 abgestimmt. Das können sie auch gar nicht. Denn Stuttgart 21 ist kein Projekt des Bundes, kein Projekt des Landes, kein Projekt der Landeshauptstadt Stuttgart und auch kein Projekt der Region Stuttgart.

      Die Parlamente all dieser Institutionen haben lediglich über einen Zuschuss abgestimmt, den sie der Bahn für Stuttgart 21 geben wollen. Wegen dieser exorbitant hohen Zuschüsse wurde dann Stuttgart 21 für die Bahn plötzlich zu einem eigenwirtschaftlichen Projekt, weshalb sie dann auch zu bauen begonnen hat.

      Die Eigenwirtschaftlichkeit des Projekts ist nach den inzwischen eingetretenen Kostenexplosionen für die Bahn jedoch dahin. Deshalb steht es der Bahn frei, jederzeit das Projekt zu beenden. Hierbei spielen irgendwelche Mehrheiten in den Parlamenten keine Rolle. Diese Mehrheiten beziehen sich nicht auf Stuttgart 21, sondern nur auf die Zuschüsse, die das jeweilige Parlament für Stuttgart 21 gegeben hat.

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