Mittwoch, 5. September 2012

Die Sprechblasen-Plakate des Stuttgarter OB-Kandidaten Fritz Kuhn


Stuttgart als Stadt der Sprechblasen. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man in diesen Tagen durch die Straßen der Stadt geht. Der Tag des ersten Wahlgangs zum neuen Stuttgarter Oberbürgermeister am 06.10.2012 naht mit Riesenschritten. Die Straßen der baden-württembergischen Landeshauptstadt sind inzwischen mit Plakaten der verschiedenen Bewerber zugepflastert. 

Auf den Plakaten sind die Köpfe der Kandidaten abgebildet. Auf den Plakaten von Fritz Kuhn, des Bewerbers der GRÜNEN um den OB-Posten, sind verschiedene Sprüche zu lesen. Leider sind alle diese Sprüche nur Sprechblasen ohne jeglichen konkreten Inhalt.


Beispiele für Kuhn`s Sprechblasen
  • 23 Stadtbezirke - ich vergesse keinen
  • Bezahlbare Wohnungen für alle
  • Mir geht`s um Stuttgart
  • Den Feinstaub aus dem Verkehr ziehen
  • Kitas kosten Geld - keine die Zukunft
  • Bauen für Stuttgart - nicht für Investoren
Bei diesen Sprechblasen bräuchte Kuhn als Oberbürgermeister während der achtjährigen Amtszeit keinen Finger krumm zu machen. Man könnte ihn auf nichts festlegen. Er hätte am Ende der Amtszeit keine Wahlversprechen gebrochen. Denn er hat ja schließlich vor der Wahl nichts gesagt, nichts Konkretes versprochen. 

Mit solchen Sprechblasen kommuniziert man nicht mit mündigen Bürgern. So spricht man vielleicht mit Kindern. Die Bürger merken so etwas. Und die Bürger merken auch, dass auf den Plakaten kein Wort zum wichtigsten Stadtthema, zu Stuttgart 21 steht. Das weckt den Verdacht, dass da etwas versteckt werden soll. Die Bürger lassen sich so etwas nicht gefallen. Themen, die man versteckt, werden dadurch erst doppelt interessant.  

Gelegenheit zu konkreten Aussagen gäbe es genug
Nun gäbe es für Stuttgart, für diese geschundene Stadt, genügend konkrete Aussagen zu tätigen und Programme anzukündigen, die in der Amtszeit des zukünftigen OB abzuarbeiten wären. Allein im Bereich des Verkehrs und der Stadtplanung ließe sich eine lange Liste aufstellen.

Ein kurzer Auszug aus der Liste:
  • Die Stuttgarter Innenstadt weist die höchsten Feinstaubbelastungen aller deutschen Städte auf. 
  • Stuttgart hat viel zu viele Pkw-Stellplätze in der Innenstadt, doppelt so viele wie München und mehr als doppelt so viele wie Zürich. 
  • Das S-Bahnnetz der Region Stuttgart ist unter den vergleichbaren Regionen das mit Abstand Kleinste. 
  • Keine Stadt in Deutschland hat ihre historische Bausubstanz so missachtet wie Stuttgart.
  • Keine Stadt in Deutschland ist so weit von positiver Urbanität entfernt wie Stuttgart.
  • Das Stuttgarter Stadtbahnnetz ist ganz ungünstig strukturiert. Kein anderes vergleichbares Stadtbahn- und U-Bahnnetz in Deutschland und Europa hat nur zwei Stammstrecken. Damit einher geht die Unmöglichkeit, den Fahrplantakt von 10 Minuten auf 7,5 Minuten zu verdichten. Erst vor wenigen Tagen hat der SSB-Vorstand Arnold, ein Stuttgart 21-Fan, in einem Zeitungsinterview den Offenbarungseid angetreten. Ginge es nach Arnolds Schnapsidee, werden in Zukunft wieder vermehrt stinkende Dieselbusse von außen nach Stuttgart hereinfahren. Damit ist jetzt klar, dass weder das Stuttgarter Stadtbahnnetz in der heutigen Form, noch das S-Bahnnetz im derzeitigen Zustand und erst recht nicht das Bahnrückbauprogramm Stuttgart 21 in der Lage sind, genügend Kapazitäten bereitzuhalten.
  • Und last but not least muss sich Stuttgart mit dem nach Ansicht der überwiegenden Zahl der Bahnexperten dümmsten Projekt Europas herumschlagen, mit Stuttgart 21. 
Vor diesem Hintergrund gibt es doch wahrhaft genügend Sachverhalte und konkrete Erklärungen, die Fritz Kuhn auf seinen Plakaten darstellen könnte. 

So müssten die Wahlplakate Kuhn`s eigentlich aussehen
Die Sprüche auf den Plakaten von Kuhn könnten also wie folgt aussehen:
  • Jedes Jahr mehr S-Bahn
  • Damit sich Stuttgart nicht lächerlich macht: S 21 stoppen
  • Autoverkehr raus aus dem Talkessel
  • Bessere Stadtbahn wird Chefsache
  • Kein Abriss von denkmalgeschützten Gebäuden
  • keine Bebauung von Frischluftschneisen
  • Ringstraßenbahn nach dem Wiener Vorbild
Das sind konkrete Aussagen. Das sind Sätze, mit denen die Bürger etwas anfangen können. Das würde dazu beitragen, dass die Politik aus ihrem Abseits wieder herauskommt. Noch ist es allerdings nicht zu spät. Noch kann Kuhn das Ruder herumreißen und mit konkreten Aussagen - auch zu Stuttgart 21 und zum Verkehr insgesamt - seine Wahlchancen verbessern. Sollte sich in dieser Hinsicht aber nichts ändern, ist zu wünschen, dass Kuhn bei der Wahl einen ordentlichen Denkzettel bekommt.

Nun mag der Einwand kommen, dass die Wahlplakate der OB-Bewerber Turner (für die CDU) und Wilhelm (für die SPD) doch auch nur Sprechblasen enthalten. Ja, das mag ja sein. Aber das stellt für die Sprechblasen Kuhn`s nicht die kleinste Entschuldigung dar.

Viel sympathischer kommt da der OB-Kandidat Rockenbauch daher. Er hat nur eine Version eines Wahlplakats - ohne Sprechblasen. Wer näheres über sein Programm wissen will, kann sich über viele Kanäle informieren, z.B. über das Internet www.rockenbauch.de . Und Hannes Rockenbauch als einer der bekanntesten Mitglieder der großen Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 hat ganz klare Ansichten und Handlungsoptionen, die weiten Kreisen der Bevölkerung hinreichend bekannt sind, auch ohne Plakate. 

Was soll ein potenzieller Wähler mit diesem Wahlplakat anfangen?
Die Sprechblasen Kuhn`s sind ohne jegliche greifbare Substanz.
Einfach, einprägend: wer bekannt ist und wessen Ansichten bekannt sind, braucht keine Sprechblasen. 
         

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