Mittwoch, 18. Januar 2012

Die Merkwürdigkeiten beim SPD-Vorschlag für S21 auf den Fildern

Die SPD hat sich ein Stück bewegt. Die Partei hat nun öffentlich zugegeben, dass die Stuttgart 21-Planung für den Filderbereich und für den Flughafen Murks ist. Zudem hat die SPD eine geänderte Planung für den Filderbereich vorgestellt (siehe den Post vom 12.01.2012).

Betrachtet man die Sache näher, stößt man jedoch auf Merkwürdigkeiten beim neuen Vorschlag der SPD, sowohl in formaler als auch in inhaltlicher Hinsicht.



Zunächst muss man sich die Frage stellen, wer eigentlich in der aktuellen baden-württembergischen Landesregierung Verkehrsminister ist. Meines Wissens ist es Winfried Hermann von den Grünen. Wenn die aktuelle Landesregierung einen neuen Vorschlag zu Stuttgart 21 auf den Fildern präsentiert, sollte dieser Vorschlag doch von Winfried Hermann präsentiert werden. Die Opposition kann selbstverständlich einen eigenen Vorschlag veröffentlichen. Aber ist die SPD nun in der Regierung oder in der Opposition? Oder gibt es in Baden-Württemberg zur Zeit vielleicht sogar zwei Regierungen?

Diese Ungereimtheiten sind es wohl auch, die Verkehrsminister Hermann bewogen haben, die ursprünglich für Ende Januar 2012 geplante Informations- und Diskussionsveranstaltung zu den S21-Planungen auf den Fildern auf einen späteren Termin zu verschieben.

Mit ihrer Aktion knüpft die SPD nahtlos an die Zustände vor der Volksabstimmung an. Bei jeder Äußerung von Verkehrsminister Hermann oder anderen Grünen zu Stuttgart 21 dauerte es jeweils nur wenige Stunden, bis Herr Schmiedel  von der SPD vor die Presse trat, um diese Äußerungen zu relativieren oder noch schlimmer zu kritisieren. Von der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Edith Sitzmann, war in diesem Zusammenhang viel weniger zu hören. Eigentlich hätte Frau Sitzmann nach jeder Äußerung von Herrn Schmiedel ebenfalls vor die Presse gehen müssen, um die Sache wieder zurechtzurücken. Die fehlende Öffentlichkeitsarbeit von Frau Sitzmann ist einer von mehreren Gründen, weswegen viele Menschen der Auffassung sind, dass die Grünen im Gegensatz zu ihrem Versprechen vor der Landtagswahl eben doch nicht alles unternommen haben, um Stuttgart 21 zu stoppen. 

Dann fällt auf, dass Herr Schmiedel bei der Präsentation seines Vorschlags nicht allein aufgetreten ist. Er hatte den Verkehrsexperten der SPD dabei. Hoppla, wer ist denn das? Es ist - Herr Drechsler. Nun ja, da schweigt des Sängers Höflichkeit. Ich glaube, man sollte bei Gelegenheit einmal definieren, was ein Verkehrsexperte ist. Bei den Verkehrsexperten scheint es sich in letzter Zeit so zu verhalten wie bei den Millionen Bundestrainern, die es in Deutschland gibt. Vielleicht hat die Sache aber doch einen ernsteren Hintergrund. Es wird gemunkelt, dass die SPD tatsächlich irgendwelche Verkehrsexperten eingestellt und in ihren Ministerien versteckt hat mit dem Ziel, das von den Grünen geführte Verkehrsministerium zu kontrollieren. Träfe dies zu, wäre es ein Fall der Verschwendung von Steuergeldern.

Aber wir müssen auch inhaltlich noch einmal kurz auf den SPD-Vorschlag zu sprechen kommen. Gemäß dem SPD-Vorschlag fährt die von Böblingen kommende Gäubahn in den Flughafenbahnhof ein. Sie verlässt den Bahnhof in Richtung Ulm, macht dann eine 180 Grad-Wende, fährt in der entgegengesetzten Richtung erneut in den Flughafenbahnhof ein, um schließlich über den Fildertunnel in Richtung Hauptbahnhof zu fahren. Mit Verlaub, eine solche Streckenführung sucht man in Europa anderswo vergeblich. Da wäre es vielleicht sogar günstiger, die Gäubahn machte im Filderbahnhof Kopf und fährt dann zum Hauptbahnhof.....

Da ist Verkehrsminister Hermann schon viel weiter. Für ihn ist es eine realistische Alternative, dass die Gäubahn über S-Vaihingen (neuer Halt) und die Panoramastrecke zum Hauptbahnhof fährt. Das liegt ja nun wirklich auf der Hand. Denn die Panoramastrecke muss gemäß Geißler erhalten bleiben und über einen Anschluss in Vaihingen kommt man genauso schnell zum Flughafen. Zudem wäre bei einer Führung der Gäubahn über die Panoramastrecke der ganze Filder-Murks von S21 ad acta gelegt. Und von der Führung der Gäubahn über die Panoramastrecke bis zur Geißlerschen Kombilösung mit einem Erhalt des Kopfbahnhofs ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Wir können nur hoffen, dass Verkehrsminister Hermann trotz aller Widrigkeiten weiterhin für eine sinnvolle Lösung für den Bahnknoten Stuttgart kämpft und vor allem Schmiedel Paroli bietet.

1 Kommentar:

  1. Meines Erachtens geht es der SPD nur darum den Kostendeckel schon jetzt aufzuweichen.
    Was den Schlichterspruch zur Gäubahn anbelangt, nämlich Erhalt und Anschluss an den Tiefbahnhof (und nicht in "falscher Richtung" an Feuerbach), so müsste doch daran schon jetzt kräftig geplant werden. Es ist aber doch offensichtlich, dass die Bahn sich an gar keine Vorgaben des Schlichterspruchs halten will.
    An den "Kampf" von W. Hermann bis zur VA gegen S21 mag ich nach der "Grünen Chronologie des Nichtstuns", zeitweise bei BAA veröffentlicht (und jetzt seltsamerweise nicht mehr), auch nicht mehr so richtig glauben, könnte auch ein genialer Coup d`theatre gewesen sein, aber dennoch durchschaubar. Sorry für meinen Fatalismus.

    AntwortenLöschen