Mittwoch, 26. Oktober 2011

Güterzugtunnel Nürnberg - gibt es auch vernünftige Bahnprojekte?

Kann die Bahn auch vernünftige Projekte planen und bauen? Wenn man in Stuttgart den Glauben daran fast schon verloren hat, scheint dies zum Beispiel in Nürnberg durchaus möglich zu sein. Dort ist eine zweigleisige, 13 Kilometer lange Neubaustrecke für den Güterverkehr einschließlich eines 7,58 Kilometer langen Tunnels (Pegnitztunnel) für den Güterverkehr konkret in der Planung.




Einige Politiker und Stuttgart 21-Befürworter stellen ja die Gegner von Stuttgart 21 gerne in die Ecke der Neinsager oder prangern die angebliche Dagegen-Partei an. Diesen Leuten fehlt in ihrem einfachen Schwarz-Weiß-Denken und in ihrer Obrigkeitshörigkeit die Fähigkeit, differenziert an Probleme heranzugehen. Gegen Stuttgart 21 zu sein, heißt noch lange nicht, gegen jeden neuen Tunnel zu sein. Und die Ablehnung von Stuttgart 21 bedeutet keineswegs, gegen sinnvolle Ausbauprojekte der Bahn zu sein.

Schauen wir uns also das Nürnberger Bahnprojekt einmal an und ziehen wir Vergleiche mit Stuttgart 21. Dies erfolgt selbstverständlich unter dem Vorbehalt, den die große räumliche Distanz zwischen Stuttgart und Nürnberg mit sich bringt. Da ist es durchaus möglich, dass sich der eine oder andere Sachverhalt vor Ort in Nürnberg etwas anders darstellt als von der Stuttgarter Warte aus betrachtet. Aber gerade der Vergleich von Stuttgart 21 mit anderen Bahnprojekten ist immer wieder geeignet, die Absurdität dieses Vorhabens zu zeigen.

Die neue Güterzügtrasse mit Tunnel in Nürnberg soll den im Süden der Stadt gelegenen Rangierbahnhof mit der von Norden (Bamberg/Berlin) kommenden Bahnstrecke verbinden. Zur Zeit fahren die aus Richtung Norden kommenden Güterzüge auf der Trasse des Personenverkehrs mitten durch die Stadt Fürth. Beim Hauptbahnhof von Fürth müssen diese Güterzüge zudem die hochbelastete Strecke Nürnberg-Fürth höhengleich kreuzen, um zum südlich dieser Strecke gelegenen Rangierbahnhof zu kommen. Es gibt meines Wissens einen einzigen Punkt bei diesem Projekt, der in Nürnberg und Fürth kritisch gesehen wird. Das sind die vergleichsweise langen Tunnelrampen an den beiden Enden des Tunnels. Denn diese Rampen dürfen nur eine güterzugtaugliche Steigung von 12 Promille aufweisen. Berge, in denen dieser Tunnel mittels eines Tunnelportals verschwinden könnte, gibt es im Bereich Nürnberg-Fürth nicht.

Und jetzt machen wir einen kurzen Sach- und Faktencheck zwischen dem Nürnberger Güterzugtunnel und Stuttgart 21.


Bahnlärm
Der Nürnberger Güterzugtunnel wird Tausende von Anwohnern in Fürth und Nürnberg vom Lärm der Güterzüge entlasten. Stuttgart 21 bringt keinerlei Entlastung der Anwohner vom Güterzuglärm - und der Güterzuglärm ist die maßgebende Lärmquelle beim Bahnverkehr.

Leistungsfähigkeit
Der Nürnberger Güterzugtunnel macht auf der Strecke von Bamberg nach Fürth sowie zwischen Fürth und Nürnberg Trassen für den Personenverkehr frei, indem die Güterzüge von diesen Strecken abgezogen werden. Eine weitere Leistungssteigerung ergibt sich durch den Wegfall der höhengleichen Überkreuzungen zwischen dem Personenverkehr und dem Güterverkehr zwischen Fürth und Nürnberg. Der Nürnberger Güterzugtunnel wird die Leistungsfähigkeit des Bahnnetzes im Großraum Nürnberg-Fürth steigern, indem der zur Zeit größte Engpass dieses Netzes beseitigt wird. 
Stuttgart 21 weist keine höhere Leistungsfähigkeit auf als der bestehende Kopfbahnhof, im Gegenteil wird die Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21 nach den zahlreichen neuen, jetzt veröffentlichten Untersuchungen sogar geringer sein als beim Kopfbahnhofsystem.  Insbesondere beseitigt Stuttgart 21 den größten Engpass des Bahnnetzes in der Region Stuttgart - die nur zweigleisige Zufahrt Zuffenhausen - nicht, sondern verschärft diesen Engpass noch.

Umweltschutz
Der Nürnberger Güterzugtunnel ist nicht zuletzt ein Bekenntnis der Bahn, auch zukünftig Güterzugverkehr zu betreiben und diese Verkehrsart sogar zu steigern. Mit dem Nürnberger Güterzugtunnel gibt es die Chance, die Zahl der Güterzüge zukünftig markant zu erhöhen und damit den Lastwagenverkehr auf der Straße einzudämmen. Stuttgart 21 verhindert hingegen den Ausbau des Güterverkehrs auf der Schiene. Denn auch bei einer Inbetriebnahme von Stuttgart 21 würde sich der Güterverkehr zwischen Stuttgart und Ulm nicht steigern. Hierzu müsste erst eine Lösung für den Albaufstieg des Güterverkehrs gefunden werden. Und für eine diesbezügliche Lösung wäre in BW wegen der durch Stuttgart 21 gebundenen Mittel kein Geld vorhanden.

Im nächsten Post nehmen wir den Nürnberger Güterzugtunnel zum Vorbild und überlegen uns, wo ein solcher Tunnel in Stuttgart und den angrenzenden Bereichen verlaufen könnte. 
             

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