Donnerstag, 8. September 2011

Stadtbahn-Sperrung Killesberg ist Vorzeichen für Zukunft bei Stuttgart 21


18 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme ist die Strecke der Stadtbahn Stuttgart zwischen der Haltestelle Eckartshaldenweg und der Endstelle Killesberg bereits wieder für mehrere Monate gesperrt. Es findet ein Ersatzverkehr mit Bussen statt. Bereits einige Jahre vor der jetzt erfolgten Sperrung wurde die zulässige Geschwindigkeit der Stadtbahn auf dem Abschnitt reduziert.

Grund für die mehrmonatige Sperrung vom 11. Juli bis zum 27. November 2011 sind massive Schäden am Gleisoberbau, die einen Neubau des Oberbaus erforderlich machen. Die genaue Schadensursache kenne ich nicht. Denkbar sind verschiedene Ursachen. Das für den Gleisoberbau verwendete Material kann nicht ordnungsgemäß gewesen sein. Der Untergrund unter der Gleistrasse kann nachgegeben haben. Es kann eine Unterdimensionierung von Teilen des Oberbaus vorgelegen haben, die zu Ermüdungserscheinungen des Materials geführt hat. Die zulässige Geschwindigkeit kann zu hoch gewesen sein, so dass zu hohe Kräfte auf den Oberbau übertragen worden sind. Die Überhöhung der Gleise in den Kurven kann nicht ausreichend gewesen sein, so dass zu hohe Querkräfte auf den Oberbau gewirkt haben. Aber eigentlich ist die genaue Ursache der Schäden zweitrangig. Festzuhalten bleibt, dass eine nicht allzu alte Bahnstrecke für mehrere Monate gesperrt werden muss, weil umfangreiche Reparaturen anfallen.

Dabei hat man mit der Sperrung gerade der Strecke der Stadtbahn zum Killesberg noch Glück gehabt. Diese Strecke wurde im Jahr 1993 eröffnet. Gebaut wurde die Strecke, um die Messe Killesberg an die Schiene anzubinden. Nach dem Umzug der Messe auf die Fildern gingen die Fahrgastzahlen bei der Stadtbahn zum Killesberg zurück. Die Bahnstrecke zum Killesberg hatte nur noch eine untergeordnete Bedeutung. Dies ist niemand vorzuwerfen. Denn während des Baus der Stadtbahn wusste noch niemand, dass die Messe einmal vom Killesberg wegziehen würde. Und die zehnjährige Zweckbindungsfrist, die für die Bundes- und Landesmittel dieser mit Fördergeldern von Bund und Land gebauten Stadtbahnstrecke gilt, ist erfüllt. Denn zwischen der Inbetriebnahme der Stadtbahnstrecke und dem Umzug der Messe auf die Fildern im Jahr 2007 liegen mehr als 10 Jahre. 
Erneute Großbaustelle nur 18 Jahre nach Inbetriebnahme: Strecke der Stadtbahn zum Killesberg

Man hat auf die abnehmende Bedeutung der Stadtbahnstrecke zum Killesberg reagiert, zum Beispiel dadurch, dass man bei der U-Haltestelle Killesberg alle abwärts führenden Fahrtreppen stillgelegt und verbarrikadiert hat. Die noch verbleibenden Fahrgäste haben freilich das Nachsehen. Eine sinnvolle Reaktion auf die geänderten Verhältnisse war die im Dezember 2010 erfolgte Linienumstellung. Bis zu diesem Datum fuhren die 80 Meter langen Züge der Stadtbahnlinie U7 zum Killesberg. Seit diesem Datum fahren die nur noch 40 Meter langen Züge der Stadtbahnlinien U5 und U12 zum Killesberg. Für die Fahrgäste weniger angenehm ist allerdings ein anderer mit der Linienumstellung verbundener Sachverhalt. Die Linien U5 und U12 fahren jeweils alle 20 Minuten, so dass zusammengenommen weiterhin alle 10 Minuten ein Zug zum Killesberg fährt. Jedoch fahren die beiden Linien nicht im gleichen Abstand. Es besteht ein sogenannter Stottertakt. Die zeitlichen Abstände sind nicht 10 zu 10, sondern 12 zu 8 Minuten. Ein Fahrgast muss also damit rechnen, dass er im ungünstigsten Fall 12 Minuten in der U-Haltestelle Killesberg warten muss.

Wenn die U12 voraussichtlich um das Jahr 2013 vom Hauptbahnhof über den Nordbahnhof und das Löwentor zum Hallschlag fährt, entfällt diese Linie zum Killesberg. Dann wird es möglicherweise nur noch die Linie U5 alle 20 Minuten zum Killesberg geben. Die Politik ist darüber bisher nicht oder nur ungenügend informiert. Eigentlich sollte man die Politik frühzeitig sensibilisieren, um das Ruder noch rechtzeitig herumreißen zu können. Denn es kann doch nicht sein, dass eine U-Haltestelle in den inneren Stadtbezirken Stuttgarts nur noch alle 20 Minuten angefahren wird. Da wäre man ja vom Killesberg zu Fuß schneller bei der Haltestelle Eckartshaldenweg. Und in diesem Zusammenhang stellt sich tatsächlich die Frage nach dem Aufwand für die jetzt im Gang befindlichen Reparaturarbeiten. Wäre es bei einem geplanten 20-Minuten-Takt nicht besser, man legte die Strecke still, ersparte sich Millionen für Instandsetzungsarbeiten und richtete einen attraktiven Busverkehr zwischen dem Killesberg und der Innenstadt ein?

Ein weiterer glücklicher Umstand in Bezug auf die jetzt notwendig werdenden umfangreichen Reparaturarbeiten ist, dass die Strecke Eckartshaldenweg - Killesberg im Netz der Stadtbahn am Rand liegt. Kaum auszudenken, wenn eine zentrale Strecke der Stadtbahn monatelang gesperrt werden müsste.

Beim Projekt Stuttgart 21 sind die Verhältnisse nicht so günstig wie bei der Stadtbahn zum Killesberg. Sperrungen von Strecken im Verlauf der vielen und langen Tunnel können immer wieder erforderlich werden - für kürzere oder für längere Zeit. Und diese Tunnelstrecken sind nicht an der Peripherie eines Netzes, sondern mitten drin. Umleitungen sind nur eingeschänkt möglich. 

Bei Stuttgart 21 gibt es zum Beispiel für die wichtige Zufahrt Zuffenhausen, die fast die Hälfte aller den Bahnknoten Stuttgart anfahrenden Züge aufnimmt, nur zwei Gleise, die im Feuerbacher Tunnel verlegt sind. Es ist überhaupt nicht aus der Luft gegriffen sich vorzustellen, dass auch der Feuerbacher Tunnel, würde Stuttgart 21 tatsächlich fertiggestellt werden, wegen notwendiger Reparaturarbeiten mit einer Röhre oder sogar mit beiden Röhren gesperrt werden muss. Davon wäre der gesamte den Bahnknoten Stuttgart anfahrende ICE-Verkehr getroffen, der bei Sperrung einer Röhre mit größeren Verspätungen und Zugfausfällen zu kämpfen hätte und bei der Sperrung zweier Röhren den Stuttgarter Hauptbahnhof überhaupt nicht mehr anfahren könnte. 

Betroffen wären auch alle aus Richtung Norden und Nordwesten zum Bahnknoten Stuttgart fahrenden Regionalzüge. Bei einer Sperrung des Feuerbacher Tunnels könnte man nur noch einen Notfahrplan für den Bahnknoten Stuttgart einrichten, der einen Ringverkehr für die Züge von Waiblingen sowie von Esslingen /Flughafen vorsieht (das Wenden im Tiefbahnhof ist nicht möglich). Die von Mannheim kommenden ICE`s müssten über die Güterzugumgehungsbahn geleitet werden. Hierbei könnten sie den Bahnhof Bad Cannstatt nicht als Ersatzbahnhof anfahren. Ein Halt wäre allenfalls in Esslingen möglich. Über die eingleisige, sogenannte kleine Wendlinger Kurve könnten diese ICE`s dann weiter nach Ulm fahren. Allerdings gibt es für die Vielzahl der über die Güterzugumgehungsbahn und Esslingen umzuleitenden Züge dort nur wenige freie Trassen. Viele Züge müssten somit ausfallen.

Der Bestand beim Bahnknoten Stuttgart sowie alle zur Zeit bekannten Alternativen zu Stuttgart 21 haben eine bessere Toleranz, was die Sperrung eines Gleises oder von zwei Gleisen betrifft. Wenn es eines Tages nicht heißen soll, dass Stuttgart zur Zeit auf dem Schienenweg nicht erreichbar ist, sollte man auf die Umsetzung von Stuttgart 21 verzichten.                      

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