Montag, 15. August 2011

Fahrgäste und Steuerzahler werden für Stuttgart 21 zur Kasse gebeten

Kaum jemand dürfte inzwischen noch abstreiten, dass das Projekt Stuttgart 21 verkehrstechnisch unsinnig, städtebaulich verheerend und vollkommen überteuert ist. Sicher gibt es auch Profiteure von Stuttgart 21. Denn sonst würden bestimmte Kreise ja nicht so stur an dem Projekt festhalten. Als Profiteure kommen in erster Linie Immobilienhaie und Baugesellschaften in Betracht, die ehemals öffentlichen Grund und Boden gewinnbringend für ihre Zwecke nutzen wollen.

Und selbstverständlich muss dies irgendjemand auch bezahlen. Dieser Jemand sind die zukünftigen Fahrgäste und die Steuerzahler. Und das nicht nur einmalig, sondern fortwährend für alle Zeiten. Um was es hier geht, wird deutlich, wenn man den heutigen Zustand der städtischen Nahverkehrssysteme zum Beispiel in Stuttgart und in Karlsruhe vergleicht.



In Stuttgart sind mit der S-Bahn und der Stadtbahn zwei relativ teure Nahverkehrssysteme in Betrieb. Diese Systeme waren nicht nur in der Anschaffung teuer, sondern sie sind auch teuer im laufenden Betrieb. Da sind die teuren Tunnelanlagen mit ihren Fahrtreppen, Aufzügen, Beleuchtung, Belüftung und Pumpensystemen. Da sind viele andere technische Sachverhalte wie zum Beispiel Zugsicherungsanlagen, Hochbahnsteige usw. In Karlsruhe entstehen bei der Straßenbahn und bei der Stadtbahn weitaus weniger Kosten für den Betrieb und für die Instandhaltung. Dabei ist das Nahverkehrssystem der Stadt Karlsruhe keineswegs schlechter als das System in Stuttgart. Im Gegenteil: die Karlsruher Stadtbahn wird weltweit beachtet und als vorbildlich gelobt. 

Aber es gibt in Karlsruhe wesentlich weniger Tunnel als in Stuttgart. Es gibt wesentlich weniger Zugsicherungsanlagen, es gibt keine Hochbahnsteige (dafür Niederflurbahnen). Entlang der Nebenstrecken der Stadtbahn gibt es zum Beispiel ebenerdige Überwege über die Gleise und nicht teure Unterführungen mit Aufzügen wie bei der S-Bahn Stuttgart.

Für den ganzen technischen Schnickschnack wird in Stuttgart ständig viel Personal benötigt. Und das kostet. Die Zeche zahlen die Fahrgäste und die Steuerzahler. Um was es geht, wird bei einem Vergleich der Fahrpreise klar. Eine Monatskarte für zwei Zonen (z.B. Stadtgebiet Stuttgart) kostet in der Region Stuttgart 71,50 Euro. Eine Monatskarte für zwei Waben (z.B. Stadtgebiet Karlsruhe) kostet in der Region Karlsruhe 48 Euro. Also doch ein gewaltiger Unterschied.

Die Bürgerinnen und Bürger von Karlsruhe wissen, dass sie wesentlich billiger mit ihrem guten Nahverkehr fahren können als die Bürgerinnen und Bürger in Stuttgart. Dieser Sachverhalt wird im Kundenmagazin des Karlsruher Verkehrsverbunds genüsslich kundgetan. Die Stuttgarterinnen und Stuttgarter hingegen leben im Tal der Ahnungslosen, was ihre Nahverkehrsfahrpreise betrifft. Darüber, dass die Fahrpreise hier vergleichsweise hoch sind, hört man in Stuttgart nichts. Es wäre ja noch schöner, wenn die Stuttgarterinnen und Stuttgarter erführen, dass guter Nahverkehr anderswo wesentlich billiger zu haben ist als in Stuttgart.

Und was hat das mit Stuttgart 21 zu tun? Eigentlich ganz einfach: die beschriebene Tendenz bei den Fahrpreisen und beim Aufwand für den Betrieb und die Instandhaltung wird durch Stuttgart 21 noch einmal wesentlich verschärft. Im Fokus sind zur Zeit hauptsächlich die Kosten für den Bau von Stuttgart 21, die ja auch wesentlich höher liegen werden als alle derzeit kommunizierten Zahlen. Fast noch wichtiger für die Bürgerinnen und Bürger von Stuttgart sind aber die nach einer eventuellen Inbetriebnahme von Stuttgart 21 entstehenden Kosten. Und diese Kosten werden ständig anfallen, jedes Jahr neu und jedes Jahr höher. Denn die langen Tunnel kosten ungeheuer viel Geld im Betrieb und in der Instandhaltung. Die vielen Aufzüge, die Fahrtreppen, die Beleuchtung, die Instandsetzung bei Bauwerksschäden, die Wasserhaltung usw. usw., das muss ja irgendjemand bezahlen.

Das wird den Fahrpreisen in Stuttgart weiteren massiven Auftrieb geben. Die Schmerzgrenze wird da bald erreicht sein. Und wenn sich immer weniger Menschen die teuren Fahrpreise leisten können, wird eben auch das Zugangebot zukünftig reduziert. Wahrlich keine guten Aussichten für die Fahrgäste und für die Bürgerinnen und Bürger von Stuttgart. Sie würden im Falle einer Umsetzung von Stuttgart 21 einen hohen Preis dafür bezahlen, dass einige wenige mit Grundstücks- und Baugeschäften das große Geld machen wollen.            

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