Samstag, 4. Juni 2011

Können die S-Bahn-Planungen für den Münchner Flughafen Vorbild für Stuttgart sein?

Die Verkehrsanbindung des Stuttgarter Flughafens war schon mehrmals das Thema in diesem Blog. Im Post vom 08.02.2011 wurden die Unzulänglichkeiten der geplanten Anbindung des Stuttgarter Flughafens im Rahmen der Stuttgart 21-Planung aufgezeigt. Im Post vom 10.02.2011 wurde dann ein Vorschlag für eine stark verbesserte Schienenanbindung des Stuttgarter Flughafens mit Hilfe einer wesentlich verbesserten S-Bahn und mit fünf Umsteigeportalen zur Verknüpfung mit dem gesamten Bahnnetz von BW vorgestellt. In den Posts vom 22.05.2011, 24.05.2011, 25.05.2011 und 27.05.2011 ging es dann erneut um die Stuttgarter S-Bahn. Diesmal war der forcierte Ausbau der S-Bahn-Stuttgart hin zu einem wirklichen S-Bahnnetz das Thema, wie er nach dem Aus für das Projekt Stuttgart 21 möglich wird.

Schauen wir nun einmal zum Münchner Flughafen und den dortigen Gegebenheiten bzw. Planungen für die S-Bahn. Hierbei werden wir eine überraschende Feststellung machen. Die Planungen für den S-Bahnausbau in München und bei dessen Flughafen ähneln verblüffend den in den o.a. Posts gemachten Vorschlägen für den S-Bahnausbau in Stuttgart und beim Stuttgarter Flughafen.



Und München befindet sich ja bereits in der Nach-21er-Phase. Das Projekt München 21 wurde bekanntlich schon längst wegen Unwirtschaftlichkeit und verkehrlicher Unsinnigkeit ad acta gelegt. Nicht anders erging es dem Prestigeprojekt des Transrapid zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen. München ist somit bereits seit einiger Zeit wieder auf dem Boden der verkehrlichen Realitäten gelandet - ein Vorgang, der in Stuttgart ja noch bevorsteht.

Und der Boden der Realitäten heißt in München: Ausbau - und zwar forcierter Ausbau - des S-Bahnnetzes. Und ein Teil des geplanten Ausbaus des Münchner S-Bahnnetzes betrifft die Anbindung des Münchner Flughafens. Der Münchner Flughafen soll zukünftig über fünf (heute zwei) S-Bahnstrecken mit dem gesamten Bahnnetz von Bayern verbunden werden - nichts anderes haben wir in diesem Blog für die zukünftige Schienenanbindung des Stuttgarter Flughafens vorgeschlagen.

Im Jahr 1992 wurde mit der Betriebsaufnahme des neuen Münchner Flughafens die neue S-Bahnverbindung von der Innenstadt über den Ostbahnhof und Ismaning zum Flughafen eröffnet. Im Jahr 1998 folgte dann eine zweite Verbindung über München-Pasing und Neufahrn zum Flughafen. Dann kam die Idee mit dem Transrapid und für einige Jahre setzte man auf dieses neue Verkehrsmittel, um den Flughafen München wesentlich besser an die Schiene anzubinden (der Transrapid ist selbstverständlich kein Schienenverkehrsmittel, aber er hätte den Flughafen in kurzer Zeit an die Hauptbahnhof München anbinden sollen).

Nach dem Scheitern der Transrapidpläne wendet man sich jetzt wieder der S-Bahn zu. Zusätzlich zu den zwei bereits vorhandenen S-Bahnstrecken sollen drei weitere Strecken gebaut werden, die den Flughafen zukünftig aus allen Richtungen an das Schienennetz Bayerns anbinden. 

Über die sogenannte Neufahrner Gegenkurve soll die Strecke von Landshut über Freising direkt an den Flughafen angebunden werden. Mit dem Erdinger Ringschluss soll die S-Bahn auch von Osten her in den Flughafenbahnhof einfahren. Der Flughafenbahnhof wird damit zum Durchgangsbahnhof. Und auch die Strecke von Mühldorf soll von Osten her in den Flughafenbahnhof eingeführt werden.

Damit wird beim Münchner Flughafen genau das S-Bahnsystem errichtet,  das in den o.a. Posts für den Stuttgarter Flughafen vorgeschlagen wird. Man könnte die Neufahrner Gegenkurve mit der Rohrer Kurve in Stuttgart vergleichen. Die zweite bestehende S-Bahnlinie über Neufahrn könnte man mit der für Stuttgart vorgeschlagenen S 7 vom Hauptbahnhof über Bad Cannstatt und die Scharnhauser Kurve vergleichen. Und den S-Bahnringschluss Erding könnte man mit der für Stuttgart vorgeschlagenen Verbindung der S3 von Göppingen über Plochingen und Esslingen direkt zum Flughafen vergleichen. Schließlich entspräche die Anbindung der Strecke von Mühldorf der vorgeschlagenen Verbindung von Leonberg/Pforzheim entlang der A 8 zum Flughafen.

Man sieht also: in München geht es voran. Das Bahnnetz wird ausgebaut. In Stuttgart hat man sich immer noch nicht von den Plänen eines beispiellosen Bahninfrastrukturrückbaus verabschiedet. Dabei blickt man immer wieder neidvoll nach München. Was hält uns in Stuttgart davon ab, es München gleichzutun und die Zukunft der Bahn in die Hand zu nehmen? 

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