Dienstag, 17. Mai 2011

Wenn Wahnsinnsprojekte scheitern


Stuttgart 21 wird nicht das einzige Wahnsinnsprojekt in Deutschland sein, das gescheitert ist. Hätte man genügend Zeit für eine ausführliche Recherche, ließen sich viele gescheiterte Projekte in den vergangenen hundert Jahren finden, die nicht nur wegen massiver Proteste der Bevölkerung, sondern auch an sich selbst zugrundegegangen sind. Aber das eigentlich Interessante an diesen gescheiterten Projekten ist, dass ihr Scheitern jeweils eine Mauer des Stillstands durchstoßen hat, einen förmlichen Befreiungsschlag ausgelöst hat und die Tür für Neuerungen geöffnet hat.  

Ein Beispiel hierfür ganz in der Nähe von Stuttgart ist das Wahnsinnsprojekt eines Großflughafens mitten im größten Waldgebiet der Metropolregion Stuttgart, dem Schönbuch. In den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts war man der Ansicht, dass der Stuttgarter Flughafen Echterdingen spätestens in den Achziger Jahren überlastet sein würde. Ein neuer Großflughafen mit mehreren Start- und Landebahnen wurde für erforderlich gehalten. Und einer von zwei möglichen Standorten war das Waldgebiet des Schönbuch zwischen Stuttgart und Tübingen. 

Der Widerstand der Bevölkerung gegen das Projekt des Großflughafens war groß, wenngleich er sich im Vor-Internetzeitalter noch etwas anders artikulierte als heute der Widerstand gegen Stuttgart 21. Auch die Lokalpolitik, in erster Linie der damalige Tübinger Landrat Oskar Klumpp, trat als beharrlicher Gegner des Projekts auf. Im Jahr 1972 wurde das Projekt schließlich aufgegeben. Hierfür waren wohl nicht nur der Protest der Bevölkerung maßgebend, sondern auch massive Schwierigkeiten baulicher Natur. Die 4.000 Meter langen Start- und Landebahnen hätten im hügeligen Gelände des Schönbuch einen riesigen und möglicherweise nicht beherrschbaren Bauaufwand erforderlich gemacht.

Noch im Jahr des Scheiterns des Großflughafens wurde der Schönbuch zum ersten Naturpark in Baden-Württemberg erklärt. Das Scheitern dieses Wahnsinnsprojekts öffnete somit die Tür für Großschutzgebiete in Baden-Württemberg. Heute gibt es in Baden-Württemberg sieben Naturparks. Und was für eine wundersame Fügung der Geschichte! Mit dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg im März 2011 gibt es jetzt die reale Chance, dass Baden-Württemberg bald seinen ersten Nationalpark bekommt. Denn sowohl die Grünen als auch die SPD haben die Schaffung eines Nationalparks in Baden-Württemberg an oberster Stelle ihrer Naturschutzagenda.

Gibt es eine Erinnerung an das Wahnsinnsprojekt des Großflughafens Schönbuch? Ja, man könnte sich stabile Schuhe anziehen und in die Stille und Größe des Waldgebiets eintauchen.

Im obersten Kirnbachtal befindet sich die Mahn-Eiche.

Die Mahn-Eiche im obersten Kirnbachtal im Schönbuch: an dieser Stelle hätte eine der Start- und Landebahnen des geplanten Großflughafens Stuttgart auf einem Dutzende Meter hohen Damm das Tal gequert.
Die Mahn-Eiche wurde nach dem Scheitern des Großflughafens mit diesem Namen versehen, als Erinnerung an das Wahnsinnsprojekt und zur Mahnung für nachfolgende Generationen.
Die Mahn-Eiche als Mahnmal des Sieges der Vernunft und des Willens zur Erhaltung des Schönbuchs
Die Koordinaten der Mahn-Eiche sind: 48 58 44 N / 9 09 45 E. Ausgangspunkt für eine Wanderung zur Mahn-Eiche ist zum Beispiel ein Parkplatz an der alten B27 zwischen Bebenhausen und Tübingen am Beginn des Kirnbachtals. Stets im Tal aufwärtsgehend erreicht man von dort die Mahn-Eiche nach 4,5 Kilometern.

Eine weitere Eiche ist dem Gedenken an den Tübinger Landrat Oskar Klumpp gewidmet. Diese Eiche befindet sich bei der Teufelsbrücke im Goldersbachtal.

Die Oskar-Klumpp-Eiche befindet sich am Zusammenfluss von Großem und Kleinem Goldersbach.
Der profilierte Gegner des Großflughafens Schönbuch, Oskar Klumpp, war von 1963 bis 1973 Landrat in Tübingen.
Die Koordinaten der Oskar-Klumpp-Eiche sind: 48 57 67 N / 9 03 52 E.

Ausgangspunkt ist das ehemalige Kloster Bebenhausen (Linienbus, Parkplätze). Von dort folgt man dem Goldersbachtal aufwärts ca. 3,2 Kilometer bis zur Teufelsbrücke. Dort befindet sich eine Schutzhütte. Neben der Hütte und am Bach befindet sich die Oskar-Klumpp-Eiche.     

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