Dienstag, 24. Mai 2011

Stop von Stuttgart 21 öffnet Tor für S-Bahnnetz im Großraum Stuttgart, Teil 2

Im letzten Post wurde klar, das das S-Bahnnetz der Region Stuttgart gegenüber den S-Bahnnetzen vergleichbarer Regionen unterentwickelt ist. Und es besteht eine starke Vermutung, dass die seit über 15 Jahren bestehende Fixierung auf das Immobilienprojekt Stuttgart 21 ihren Teil zu diesem Missstand beigetragen hat. Würde Stuttgart 21 gebaut werden, würde das Stuttgarter S-Bahnnetz 15 weitere Jahre gegenüber den S-Bahnnetzen anderer Regionen zurückfallen.

In diesem Post geht es darum, wie Stuttgart 21 dem S-Bahnnetz konkret schaden würde - über die genannte allgemeine Verzögerung von über 30 Jahren beim weiteren Ausbau der S-Bahn hinaus.



Der erste hier zu nennende Punkt ist der bei Stuttgart 21 geplante neue S-Bahnhaltepunkt Mittnachtstraße. Dieser Haltepunkt würde sich zwischen den Haltepunkten Hauptbahnhof und Nordbahnhof bzw. Bad Cannstatt befinden. Alle Linien der S-Bahn müssten am neuen Haltepunkt anhalten. Für alle Züge gebe es jeweils eine Fahrzeitverlängerung von zwei Minuten pro Richtung - wegen des Anhaltens und Wiederanfahrens, wegen des Aufenthalts im Haltepunkt und wegen der tieferen erreichbaren Höchstgeschwindigkeiten auf den Strecken zu den Nachbarhaltepunkten. Ein Großteil der Fahrgäste der S-Bahn müsste diese zwei Minuten zusätzliche Fahrzeit erleiden. Dabei ist die S-Bahn bereits heute relativ langsam und es sind seit der Erstinbetriebnahme im Jahr 1978 immer wieder neue Haltepunkte in bestehende Strecken eingefügt worden, die die Fahrzeit weiter verlangsamen. Wahrscheinlich ist auch, dass wegen der Fahrzeitverlängerung die Umlaufzeiten der S-Bahn nicht mehr funktionieren und in der Folge entweder teure zusätzliche Züge oder fahrgastunfreundliche Linienänderungen eingeführt werden müssen. Zwar wird durch einen neuen Haltepunkt Mittnachtstraße das Umsteigen über Eck (Bad Cannstatt - Nordbahnhof) verbessert. Das wiegt jedoch die Fahrzeitverlägerung für alle Züge auf der Stammstrecke der S-Bahn nicht auf.

Der nächste Punkt ist das leidige und in diesem Blog schon an verschiedener Stelle angesprochene Filderthema. Durch Stuttgart 21 würden sich für die Filder-S-Bahn gravierende Verschlechterungen ergeben. Es würde beim Haltepunkt Flughafen eine eingleisige Strecke für beide Richtungen geben. Es würde niveaugleiche Kreuzungen zwischen der S-Bahn und den Fernzügen im Westen des Flughafenbahnhofs geben. Es würde einen Mischbetrieb zwischen der S-Bahn und den Fern- und Regionalzügen zwischen dem Flughafenbahnhof und der Rohrer Kurve geben. Und es würde bei der Rohrer Kurve ebenfalls eine niveaugleiche Kreuzung geben. Das zusammengenommen wird die Betriebsqualität der S-Bahn sowie die Gestaltungsfreiheit beim Fahrplan der S-Bahn massiv einschränken. Verspätungen und Ausdünnungen beim S-Bahnfahrplan wären die Folge.

Ein weiterer Punkt betrifft die S-Bahn von Esslingen über Plochingen bis nach Göppingen. Bei Stuttgart 21 würden für alle Zeiten Güterzüge auf dieser S-Bahnstrecke fahren. Die Bahnsteige könnten somit nicht auf ein barrierefreies Niveau angehoben werden. Die auf den Bahnsteigen wartenden Fahrgäste müssten den Lärm, den Windsog und die Erschütterungen der vorbeifahrenden Güterzüge ertragen. Verbesserungen kann es hier nur geben, wenn an Stelle der geplanten Neubaustrecke Wendlingen - Ulm ein etappierbarer Ausbau des Bahnkorridors Stuttgart-Ulm erfolgt, der sowohl von den Fernzügen als auch von den Güterzügen genutzt werden kann (in diesem Blog wurde dieses Thema bereits angesprochen).

Eine neue niveaugleiche Kreuzung zwischen S-Bahn und Regionalbahn bzw. Fernzügen gäbe es bei Stuttgart 21 auch im Abschnitt zwischen dem Bahnhof Bad Cannstatt und dem Haltepunkt Nürnberger Straße. Dort kreuzen sich die Strecke der S-Bahn mit der Strecke der Fernbahn vom Tiefbahnhof über Wangen nach Waiblingen. 

Dann kommen wir zum Störungsmanagement. Bei einer Störung auf der S-Bahn-Stammstrecke können heute die Züge problemlos in den Kopfbahnhof einfahren. Die Fahrgäste der S-Bahn sind damit im Störungsfall wenigstens schon einmal in der Innenstadt und können vom Hauptbahnhof mit anderen Verkehrsmitteln weiterfahren. Beim Schienen-Engpass Stuttgart 21 können die S-Bahnzüge bei Störungen auf der Stammstrecke vielleicht teilweise noch bis zum Bahnhof Mittnachtstraße fahren. Da in diesem Bahnhof nur ein kleiner Teil der Züge wenden kann, ist für die Mehrzahl der Züge bereits in Bad Cannstatt und in Zuffenhausen Schluss. 

Im nächsten Post geht es darum, nach welchen Leitlinien und Randbedingungen ein forcierter Ausbau des Stuttgarter S-Bahnnetzes nach dem Stop von Stuttgart 21 erfolgen sollte. Und im übernächsten Post sind dann konkrete, etappierbare Ausbaumaßnahmen (neue Strecken, Haltestellen) an der Reihe.           

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