Sonntag, 22. Mai 2011

Stop von Stuttgart 21 öffnet Tor für S-Bahnnetz im Großraum Stuttgart, Teil 1

Das S-Bahnnetz im Großraum Stuttgart ist im Vergleich der Metropolregionen nicht besonders gut aufgestellt. Die S-Bahn hat im Großraum Stuttgart weit weniger Streckenkilometer als in vergleichbaren Regionen. 

Von einem eigentlichen S-Bahnnetz kann in der Region Stuttgart nicht einmal die Rede sein. Denn ein Netz liegt strenggenommen nur dann vor, wenn verschiedene Strecken mehrfach miteinander verknüpft sind und somit auch alternative Streckenführungen zwischen zwei Punkten sowie Umleitungen möglich sind. 

Die inzwischen über 15jährige Fixierung auf das Prestigeprojekt Stuttgart 21 hat zudem einen größeren Ausbau der S-Bahn Stuttgart während dieser Zeit verhindert. Und Stuttgart 21 selbst würde, wenn es gebaut würde, der S-Bahn weiteren Schaden zufügen.



Es ist somit im Umkehrschluss wahrscheinlich, dass die S-Bahn Stuttgart nach einem Stop des Prestigeprojekts Stuttgart 21 eine große Zukunft vor sich haben wird. Allerdings kommt dann auch einige Arbeit auf die Zuständigen zu. Denn es wird dann ein großer Nachholbedarf abzuarbeiten sein.

Sehen wir uns das einmal etwas genauer an.

Zunächst einige Daten von vier Metropolregionen:

Frankfurt / Main
Einwohner: 3,4 Millionen*
S-Bahnnetzlänge: 303 km
Einwohner pro S-Bahnkilometer: 11.221**

München
Einwohner: 2.7 Millionen*
S-Bahnnetzlänge: 442 km
Einwohner pro S-Bahnkilometer: 6.108**

Zürich
Einwohner: 1,4 Millionen*
S-Bahnnetzlänge: 380 km
Einwohner pro S-Bahnkilometer: 3.684**

Stuttgart
Einwohner: 2,7 Millionen*
S-Bahnnetzlänge: 195,5 Km
Einwohner pro S-Bahnkilometer: 13.810**      

* aufgerundet
** pseudogenau


Aus der Auflistung ist klar erkennbar, dass die Region Stuttgart die schlechtesten Werte bei der Erschließung durch die S-Bahn hat. Bei der Einwohnerzahl kann die Region Stuttgart gut mit allen anderen Regionen mithalten. Das S-Bahnnetz ist jedoch das kleinste aller Regionen, nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch bezogen auf die Einwohnerzahl.

Nun fällt einem, wenn man die Region Stuttgart und deren Kennzahlen mit anderen Regionen vergleicht, immer als erstes die besondere topographische Situation der Region Stuttgart ein. Und tatsächlich kann man diesen Sachverhalt zu einem gewissen Grad auch als Erklärung für das relativ kleine S-Bahnnetz heranziehen. Die sehr hügelige Topographie und die Besonderheit der Schichtstufenlandschaft sind nun eben nicht gerade eisenbahnfreundlich. 

Die hier aufgestellte These ist jedoch, dass ein durchaus möglicher forcierter Ausbau des Stuttgarter S-Bahnnetzes in den vergangenen 15 Jahren wegen der Fixierung auf Stuttgart 21 unterblieben ist. Mehr noch: das Projekt Stuttgart 21 würde auch für die kommenden 15 Jahre während der Bauphase den dringend erforderlichen Ausbau des S-Bahnnetzes verhindern. Zusammengenommen würde durch Stuttgart 21 das S-Bahnnetz der Region Stuttgart um 30 Jahre hinter die S-Bahnnetze der anderen Regionen zurückgeworfen.

Im folgenden Post geht es darum, wie Stuttgart 21 dem S-Bahnnetz konkret schadet. Und im übernächsten Post werden Vorschläge zusammengetragen, wie nach einem Stop von Stuttgart 21 die Region Stuttgart ein S-Bahnnetz erhalten kann, das diesen Namen verdient und das mit dem S-Bahnnetz der anderen Regionen mithalten kann.     

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