Freitag, 1. April 2011

Stadt Stuttgart macht aus Versehen Werbung für K 21

Die Stadtverwaltung Stuttgart unter Leitung des OB Schuster hatte in den vergangenen Monaten eine Vortragsreihe am Laufen, die sich Inspirationsphase Rosenstein nennt.

Um das im Rahmen des (nicht mehr umsetzbaren) Projekts Stuttgart 21 geplante neue Rosensteinviertel argumentativ zu untermauern, wurden Vertreter von Städtebauprojekten aus anderen Städten eingeladen.

Was die Stadtverwaltung unter OB Schuster anscheinend nicht merkt ist, dass alle vorgestellten Projekte dem Konzept K21 (etappierbarer Ausbau des Bahnknotens Stuttgart unter Beibehaltung des bestehenden Kopfbahnhofs) ähneln. Oder anders ausgedrückt: die vorgestelllten Städtebauprojekte haben mit S21 gar nichts zu tun. S21 bleibt in Europa und möglicherweise sogar weltweit ein kurioses Unikum.



Schauen wir uns das mal etwas näher an. 

Als erstes gab es einen Vortag über ein Städtebauprojekt in der Stadt Utrecht. Dort werden nicht mehr benötigte Gleisflächen in der Nähe des Hauptbahnhofs einer Bebauung zugeführt. Über die Gleise werden neue Brücken für Autos und Fußgänger gelegt. Über einen kleinen Teil des Gleisfeldes wird eine Bebauung gezogen. Bewertung des Städtebauvorhabens: fast 1 zu 1 ist dies K21.

Dann wurde das Entwicklungsprojekt der Hafen-City Hamburg vorgestellt. Dieses Projekt hat selbstverständlich mit der Eisenbahn nichts zu tun. Aber man kann eine interessante Analogie ziehen: beim Projekt Hafen-City werden nicht mehr benötigte Teile des Hamburger Hafens einer anderen Nutzung zugeführt. Aber es wird keineswegs der gesamte Hafen oder gar die Elbe zugeschüttet. Also auch hier: Hafen-City ist K21 und nicht S21.

Der dritte Vortrag betraf Wien. Auch dort sieht man nur Ähnlichkeiten zu K21. Es werden im Bereich des zukünftigen Hauptbahnhofs Wien nur die am Rand gelegenen nicht mehr benötigten Gleisflächen aufgegeben und einer anderen städtebaulichen Nutzung zugeführt. Die zentralen Gleisflächen bleiben erhalten. Dort findet eine Umstrukturierung der Gleisanlagen statt, indem zwei rechtwinklig zueinander gelegene und aneinander angrenzende Kopfbahnhöfe zu einem (oberirdischen) Durchgangsbahnhof umgebaut werden.    

Der letzte Vortrag handelte von Zürich und dort konkret von den Projekten Europaallee und Durchmesserlinie. Diese Projekte gleichen bis aufs Detail dem Konzept K21. Denn in Zürich wird ja mitnichten der bestehende Kopfbahnhof aufgegeben. Und es wird auch in keinster Weise das bestehende Gleisvorfeld abgerissen. Viermehr wurden und werden der Kopfbahnhof und das Gleisvorfeld ständig modernisiert. Aufgegeben werden hingegen Flächen am Rand des Kopfbahnhofs und des Gleisvorfelds, die die Bahn nicht mehr benötigt. Und auf diesen Flächen soll zum Beispiel das Städtebauprojekt Europaallee entstehen. Genau dasselbe sieht das Konzept K21 für Stuttgart vor. Und der Umstand, dass Zürich zusätzlich zum Kopfbahnhof eine unterirdische Durchmesserlinie baut, ist allein dem Umstand geschuldet, dass der Züricher Kopfbahnhof trotz aller Ausbaumaßnahmen an seine Leistungsgrenze kommt. Und die Politik sowie die Bevölkerung der Schweiz erwarten in der Zukunft eine weitere massive Steigerung des Bahnverkehrs. Der Kopfbahnhof in Stuttgart ist noch längst nicht ausgelastet. Und wir alle wären froh, wenn der Bahnverkehr auch in Baden-Württemberg so zunähme, dass irgendwann auch der Kopfbahnhof Stuttgart ausgelastet ist. Dann würde sich sicher niemand dagegen wehren, wenn wir auch in Stuttgart über eine zusätzliche Durchmesserlinie diskutieren würden.

Allen vier Projekten gemeinsam ist zudem ihre Etappierbarkeit wie dies auch bei K21 der Fall ist. Also: wie lange will uns OB Schuster eigentlich noch an der Nase herumführen? Wann gibt er endlich zu, dass S21 ein unglaublicher Irrweg war, ein Irrweg, der weltweit sonst nirgendwo gegangen wird?             

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