Freitag, 15. April 2011

Der Akademiegarten oder die Rückseite des Neuen Schlosses


Dies ist nun der dritte Post, in dem es um Paul Bonatz geht, den Erbauer des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Auf der aktuellen Paul Bonatz - Ausstellung in der Kunsthalle in Tübingen kann man erfahren, dass Paul Bonatz wesentlich mehr für Stuttgart geleistet hat als nur den Bau des  Hauptbahnhofs.  Im heutigen Post geht es um den Akademiegarten, für den Paul Bonatz nach seiner Rückkehr aus der Türkei Planungen vorgelegt hat.

Der Akademiegarten zwischen dem Neuen Schloss und der Konarad Adenauer Straße ist nach wie vor ein Problembereich in der Stuttgarter Innenstadt. Dieses Gebiet in seinem heutigen Zustand ist aus städtebaulicher Sicht eine Katastrophe. Eine unschöne Billiggrünanlage befindet sich heute an einer Stelle, die während des größten Teils der Stuttgarter Stadtgeschichte bebaut war.

Blick von der Treppe in Fortsetzung des neuen Überwegs über die Konrad Adenauer Straße in Richtung der Grünanlage Akademiegarten und in Richtung des nicht sichtbaren Schlossplatzes: bis vor kurzem gab es gar keine direkte Fußwegverbindung zwischen der Treppe und dem Schlossplatz. Dann wurde notdürftig ein asphaltierter Weg (unmittelbar rechts des Baums) gebaut, der die entstandenen Trampelpfade abdeckt. 
Eine städtebauliche Katastrophe: das was heute vom Akademiegarten übriggeblieben ist, senkt sich in Richtung der Unterführung unter dem Charlottenplatz ab. Diese Stufen, diese Barrieren, diese künstlichen Höhenunterschiede haben in der Stuttgarter Innenstadt eigentlich nichts verloren. Sie sind das Gegenteil von Urbanität, von einer lebendigen Abfolge von Straßen, Plätzen und Gebäuden. Im Vordergrund links erkennt man die Treppe vom ersten Bild. Würde sich die Grünfläche nicht absenken, könnte man auf diese Treppe verzichten und eben zwischen der Konrad-Adenauer-Straße und dem Schlossplatz gehen.
Der Akademiebrunnen von 1811 steht heute verloren und seines Umfelds beraubt in der Gegend herum. Dieser Brunnen war Bestandteil eines Innenhofs der Akademie oder "Hohe Carlsschule".
Das Neue Schloss zeigt mit seiner Rückseite in Richtung Akademiegarten. Diese Seite ist fast schmucklos im Vergleich zu den anderen drei Seiten des Neuen Schlosses. Diese Seite in Richtung Akademiegarten wurde bewusst als eigentliche Rückseite gebaut. Weil der Akademiegarten bebaut war, war diese Rückseite des Neuen Schlosses zumindest aus der Ferne gar nicht sichtbar.
Blick vom Charlottenplatz (oder besser: von der Charlottenkreuzung) in Richtung Akademiegarten: hier fehlt es an Allem, es gibt keinen Platz und keine Platzbegrenzung. Statt dessen städtebauliche Orientierungslosigkeit und Leere.
Der Akademiegarten braucht dringend wieder eine Bebauung. Noch bis zum Jahr 1959 waren die Reste des Festsaals der Hohen Carlsschule dort vorhanden. Dann wurden sie abgerissen. Die Deutsche Schillergesellschaft hat dagegen protestiert. 

Es ist dringend erforderlich, im Bereich des Akademiegartens wieder urbane Räume entstehen zu lassen. Die Rückseite des Neuen Schlosses muss wieder Rückseite werden. Der Akademiebrunnen muss wieder in einem großartigen Innenhof stehen. Der Charlottenplatz braucht dringend eine ansprechende bauliche Begrenzung. Und die Wegbeziehungen zwischen der Konrad-Adenauer-Straße, dem Charlottenplatz und dem Schlossplatz müssen wieder barrierefrei und eben möglich sein.

Freilich darf im Bereich des Akademiegartens kein gesichtsloser Gebäudeklotz entstehen. Es muss ein Gebäude mit Innenhöfen entstehen. Wie viele Touristen pilgern jedes Jahr etwa nach Genua oder nach Palma de Mallorca, um großartige Bauwerke mit großartigen Innenhöfen zu bestaunen? Warum kann so ein Gebäude nicht auch in Stuttgart möglich sein?

Und jetzt zu Paul Bonatz. Er plante eine Bebauung des Akademiegartens im Anschluss an das Neue Schloss für den Landtag von Baden-Württemberg. Jedoch kamen seine Planungen nicht zur Ausführung. Die Entwürfe sind in der Paul Bonatz - Ausstellung in Tübingen zu sehen.

Erst vor wenigen Monaten kam eine erneute Anfrage aus dem Landtag von Baden-Württemberg über eine Bebauung des Akademiegartens. Der Stuttgarter OB Schuster lehnte ab.

Das ist ein weiterer Akt des Trauerspiels um den Akademiegarten. Derselbe OB, der das wahnwitzige Prestigeprojekt Stuttgart 21 maßgeblich vorantrieb, der keine Bedenken hat, hunderte von Bäumen im Mittleren Schlossgarten plattzumachen, lehnt die Bebauung des Akademiegartens ab, eines Gartens, der stets bebaut war und dessen fehlende Bebauung heute eine Lücke in der Urbanität der Stadt hinterlässt.

Aber dieser OB ist nicht mehr frei in seinen Entscheidungen. Wegen seiner Stuttgart 21 - Verwicklungen ist er in der Bevölkerung unbeliebt wie kein anderer OB zuvor. Da traut er sich dann natürlich nicht mehr, irgendwelche wegweisenden städtebaulichen Weichen zu stellen. Das Ende der Amtszeit von OB Schuster ist im Jahr 2012. Eigentlich nicht mehr allzu lange, unter städtebaulichen Gesichtspunkten ist dieser Zeitraum ein Wimpernschlag. Von daher heißt es Geduld haben. Es wird mit der Entwicklung von Stuttgart irgendwann schon weitergehen.         

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