Sonntag, 2. Januar 2011

Ein Cityring, der Stuttgart nicht zerstört

Das Projekt Stuttgart 21 bietet immer wieder Anlass, über die Verkehrs- und Städtebaupolitik Stuttgarts generell nachzudenken und besonders über die epochalen Fehler, die seit dem Zweiten Weltkrieg auf diesen Gebieten gemacht worden sind. Und es ist auch klar, dass der Kampf gegen Stuttgart 21 sich auch auf die Verkorkstheit und den Murks der gesamten Verkehrspolitik der vergangenen Jahrzehnte in Stuttgart beziehen muss.

Im letzten Post ging es um die Fragmentierung der Stadt, die die völlig falsch geplanten Stadtstraßen im Stuttgarter Talkessel bewirken. Eine Neukonzeption des Cityrings ohne Tunnelrampen ist dringend erforderlich. Diese Neukonzeption muss unabhängig vom Bau eines Mittleren Rings in Angriff genommen werden.



Wie aber soll nun ein neuer Cityring aussehen, der weiterhin den nicht gerade kleinen Straßenverkehr bewältigen muss, der stadtverträglich sein muss, der Stuttgart wesentlich mehr Urbanität bringen muss und der gleichzeitig auch den Fußgängern beim Überqueren wesentlich bessere Verhältnisse als heute bieten muss? Ist das nicht die Quadratur des Kreises?

Tatsächlich gibt es kein Patentrezept und keine Wunderwaffe für einen neuen Cityring. Erinnern wir uns jedoch an den Vortrag von Professor Dr. Volker Klotz bei der Montagsdemonstration am 6. Dezember 2010 gegen Stuttgart 21 (Post vom 7.12.2010). Professor Klotz verglich in seinem Vortrag die Situation in Wien mit der Situation in Stuttgart. Stuttgart kam dabei nicht besonders gut weg. Können wir von Wien auch etwas lernen, was den Cityring angeht?

Der Cityring in Wien ist als Einbahnstraße ausgebildet. Einbahnstraßen haben interessante verkehrstechnische Eigenschaften. Sie können große Autoverkehrsmengen bewältigen und gleichzeitig eine Vielzahl hintereinanderliegender ampelgeregelter Fußgängerquerungen aufweisen, bei denen für den Kfz-Verkehr eine Grüne Welle geschaltet ist. Hingegen sind Grüne Wellen bei Straßen mit Zweirichtungsverkehr meist nur schwer oder nur mit Einschränkungen machbar.

Die These lautet also: ein vierspuriger Cityring in Stuttgart als Einbahnstraße kann die heute vorhandenen Verkehrsmengen bewältigen, ohne dass es der heute noch vorhandenen Unterführungen und Tunnelrampen bedarf. Gleichzeitig ermöglicht es die Einbahnstraßenführung, im Verlauf des Cityrings wesentlich mehr Querungsmöglichkeiten für die Fußgänger einzurichten. Bei allen diesen hintereinanderliegenden Fußgängerquerungen kann der Kfz-Verkehr in Grüner Welle geschaltet werden.

Der Cityring in Einbahnrichtung verliefe somit im Verlauf der Hauptstätter Straße, der Konrad-Adenauer-Straße, der Schillerstraße, der Friedrichstrraße, der Theodor-Heuss-Straße und der Paulinenstraße. Es bleibt zunächst noch offen, ob die Einbahnrichtung im oder gegen den Uhrzeigersinn besser ist. In einer zweiten Stufe kann der Cityring in den Bereich der Wolframstraße erweitert werden. Dann wäre die Schillerstraße nur noch für den Anliegerverkehr (Hauptbahnhof) zuständig.

Eine fünfte Spur im Verlauf des Cityrings könnte für krankenfahrzeuge/ Feuerwehr / Polizei und auch für die Linienbusse reserviert sein. Der Linienbusverkehr in den Inneren Stadtbezirken müsste teilweise neu konzipiert werden, indem die Buslinien 40 bis 44 den Cityring in Einbahnstraßenrichtung mitbefahren. Theoretisch gibt es auch die Möglichkeit, dass die Busse auf einer separaten Spur entgegen der Einbahnrichtung fahren. Hier besteht allerdings die Gefahr, dass die Fahrbahn zu breit und zu unübersichtlich wird und dass es bei den Straßenkreuzungen zu viele Phasen gibt.

Im nächsten Post geht es weiter um die Verkehrsmisere in Stuttgart, wie sie ja auch durch die Übertragung der Schlichtung zu Stuttgart 21 den Fernsehzuschauern in ganz Deutschland bekannt gemacht worden ist. Dann geht es auch noch um das Thema des Mittleren Rings, bevor dieser Ausflug in die Straßenverkehrspolitik Stuttgarts dann abgeschlossen wird.

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