Montag, 10. Januar 2011

Die Bahn treibt es langsam auf die Spitze

Im Hauptbahnhof von Freiburg ist seit einigen Tagen ein Plakat mit folgendem Text zu Stuttgart 21 aufgehängt: "Stuttgart 21. Schneller in die Zukunft. Von Freiburg (Brsg.) nach München ab 3 Stunden 50 Minuten statt heute 4 Stunden 20 Minuten."

Dies ist die alte Desinformationsmasche der Stuttgart 21-Befürworter. Wenn die Schlichtung zu Stuttgart 21 irgend etwas gebracht haben sollte, dann doch das, dass diese Vermischung zwischen Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen - Ulm endlich vorbei sein sollte. Aber nein, die Bahn macht stur weiter. Leider gibt es immer noch viele Menschen, die nicht oder nur sehr wenig über Stuttgart 21 informiert sind. Und diese Menschen glauben dann womöglich das, was auf diesem Plakat steht.
Dabei ist der auf dem Plakat angegebene Zeitgewinn von 30 Minuten fast ausschließlich auf die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm zurückzuführen. Stuttgart 21 selbst bringt für die angegebene Relation je nach Lesart zwischen 0 und 4 Minuten Zeitgewinn. 


Die Stuttgart 21 - Befürworter einschließlich der Bahn sind sich nicht zu schade, durch gezielte Auswahl an Information das unsinnigste Bahnprojekt aller Zeiten weiter zu bewerben. Wenn es um die exorbitanten Kosten geht, werden selbstverständlich nur die Kosten von Stuttgart 21, nicht jedoch der Neubaustrecke Wendlingen - Ulm angegeben. Wenn es jedoch um die Nutzen geht, werden die Nutzen der Neubaustrecke Wendlingen - Ulm den (kaum vorhandenen) Nutzen von Stuttgart 21 hinzugefügt, ohne dass dies ausreichend transparent gemacht wird.

Aber das ist noch lange nicht alles. Vor einigen Jahrzehnten war die Fahrzeit zwischen Freiburg und München schon fast genauso lang wie heute - obwohl es damals die Neubaustrecke Mannheim-Stuttgart noch nicht gab. Das war die Zeit, bevor die Bahn ihre festen Anlagen langsam hat verfallen lassen und die Fahrzeiten immer länger gemacht hat. Jetzt sollen durch ein viele Milliarden Euro schweres Projekt die Fahrzeiten wieder verkürzt werden. Aber eigentlich werden dadurch nur die Fahrzeitverlängerungen, die in der Vergangenheit auf anderen Abschnitten vorgenommen worden sind, wieder ausgeglichen.

Und warum wird gerade die Fahrzeit zwischen Freiburg und München im Freiburger Hauptbahnhof propagiert? Warum nicht die Fahrzeit zwischen Freiburg und Stuttgart (immerhin die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg)? Liegt der Grund vielleicht darin, dass die Fahrzeit Freiburg - Stuttgart durch Stuttgart 21, wenn überhaupt, um vielleicht eine bis drei Minuten schneller wird?

Und zu den Fahrzeiten Freiburg - Berlin, Freiburg - Frankfurt, Freiburg - Köln, Freiburg - Hamburg und zu vielen anderen Städten wird aus gutem Grund auf dem Plakat nichts gesagt. Denn zu diesen Zielen in der ganzen Bundesrepublik wird es von Freiburg aus in den nächsten Jahrzehnten überhaupt keine Verbesserungen geben - und daran hat Stuttgart 21 einen Anteil. 

Denn wegen Stuttgart 21 können in den nächsten 10 Jahren unter anderem der Rastatter Tunnel und die Neubaustrecke Mannheim - Frankfurt nicht gebaut werden. Beide Projekte würden den Freiburgerinnen und Freiburgern eine nennenswerte Verkürzung der Fahrzeiten in den Großteil der Bundesrepublik bringen. Und der Rastatter Tunnel würde auch zu Verkürzungen der Fahrzeiten nach Stuttgart und München führen. 

Fazit: die Info der Bahn ist gleich in mehrfacher Hinsicht falsch und irreführend. Nicht nur, dass dem Projekt Stuttgart 21 Nutzen zuerkannt werden, die dieses nicht hat. Es wird auch verschwiegen, dass bei einem Verzicht auf Stuttgart 21 die Freiburger wesentlich mehr Nutzen in Form kürzerer Fahrzeiten zu vielen Städten in Deutschland haben würden.

Die Bahn treibt es also langsam auf die Spitze. Das dürfte erst der Anfang der Kampagne der Stuttgart 21 - Befürworter im Hinblick auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg sein. Da ist sicher noch manches zu erwarten. Es gilt also, wachsam zu bleiben. 

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