Freitag, 28. Januar 2011

Der Werbe-Rohrkrepierer der CDU - Teil 4

Wieviele Menschen in Stuttgart mit nur geringen Kenntnissen des Projekts Stuttgart 21 und ohne Möglichkeit, sich im Internet näher über die Alternativen zu informieren, mag es geben? Diese Menschen hat die CDU wohl hauptsächlich im Blick, wenn sie ihre Broschüre zu Stuttgart 21 in die Haushalte wirft und versucht, Punkte gegen das Konzept K21, den etappierbaren Ausbau des Bahnknotens Stuttgart auf der Basis des bestehenden Kopfbahnhofs, vorzubringen.

Ich glaube jedoch, dass nur eine Minderheit den Ausführungen der CDU in dieser Broschüre Glauben schenkt. Man sollte die Stuttgarterinnen und Stuttgarter nicht als dumm einschätzen. Wie sonst wäre es in dieser Stadt möglich geworden, dass sich die größte und mächtigste Bürgerinitiative seit dem Bestehen der Bundesrepublik Deutschland gegen ein Prestigeprojekt gebildet hat?



Selbstverständlich gilt es, der Infokampagne der CDU auch etwas auf Papier Gebrachtes entgegenzusetzen. Das hat sich innerhalb des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 die sogenannte Infooffensive zum Ziel gesetzt. Die Mitarbeit dort ist jeder und jedem zu empfehlen.

http://infooffensive.de


In den letzten Posts in diesem Blog waren die Punkte 7,8 und 9 der CDU-Broschüre das Thema. Heute soll es um den Punkt 6 gehen, betitelt mit "Hedelfingen".


Die CDU ist in Sorge um Hedelfingen. Sie stellt ein Bild in ihre Broschüre, das eine perspektivisch und maßstäblich nicht korrekt abgebildete Brücke zeigt. Diese Brücke überquert den Neckar bei Hedelfingen. Angeblich soll das Konzept K21 diese Brücke beinhalten.

Nun kann man die nicht korrekte zeichnerische Einarbeitung der Brücke in das Foto vielleicht noch nachsehen. Auch die CDU hat möglicherweise nicht so viel Geld, dass sie sich ein teures Architekturbüro für diese Zeichnung leisten kann.


Was man jedoch nicht nachsehen kann ist, dass die CDU hier bewusst falsche Angaben macht. Im Sach- und Faktencheck wurde ausdrücklich betont, dass eine Querung des Neckars bei Hedelfingen im Rahmen des Konzepts K21 (mögliche Verbindung über die Scharnhauser Kurve zum Flughafen sowie zur Neubaustrecke nach Wendlingen) ausschließlich als Tunnellösung unter dem Neckar hindurch erfolgen wird. Zwar erwähnt die CDU in ihrer Broschüre mit einer Fußnote diesen Tunnel. Das hält sie jedoch nicht davon ab, zuerst einmal mit einer ins Auge stechenden Brückenkonstruktion die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Brücke zu lenken. Es bleibt dann für die CDU noch die Hoffnung, dass viele Leser die Fußnote nach dem Betrachten des Bilds gar nicht mehr beachten.

Diese Methoden sind ja hinlänglich bekannt. Es gibt ja auch die eine oder andere große Zeitung (mit groß meine ich hier große Buchstaben), die nach diesem Muster verfährt. Zuerst wird mit einer großen Schlagzeile irgendetwas behauptet. Später dann muss man zurückziehen. Das kommt dann aber irgendwo hinten in der Zeitung und mit kleinem Text. 

Und jetzt zum Tunnel unter dem Neckar bei Hedelfingen im Rahmen des Konzepts K 21. Dieser Tunnel bzw. diese Strecke ist ein optionales Modul im Rahmen des Konzepts K21. Kommt die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm nicht (es ist ja keineswegs sicher, ob diese Strecke wirklich gebaut wird), dann wird es auch die Verbindung unter dem Neckar bei Hedelfingen nicht geben. Kommt die Neubaustrecke, ist diese Verbindung unter dem Neckar als Anbindung an die Neubaustrecke und an den Flughafen möglich. Der große Vorteil von K21 ist ja, dass es mit und ohne die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm umgesetzt werden kann. Stuttgart 21 hingegen ist auf Gedeih und Verderb auf die Realisierung der Neubaustrecke angewiesen. Wird die Neubaustrecke nicht (fertig)gebaut, endet Stuttgart 21 als riesige Bauruine.

Und noch eine Anmerkung zum Tunnel unter dem Neckar als solchem. Wird dadurch das K21 - Konzept übermäßig teuer und unrealistisch? In keinster Weise!. Denn dieser Tunnel unter dem Neckar bei Hedelfingen und die beiden Tunnelrampen zwischen Obertürkheim und Mettingen sind nichts anderes als der bei Stuttgart 21 unter dem Neckar bei Untertürkheim geplante Tunnel mit Tunnelrampen zwischen Untertürkheim und Obertürkheim, eben nur neckaraufwärts verschoben. 

Der Tunnel unter dem Neckar bei Hedelfingen ist sogar viel einfacher und billiger als der Stuttgart 21 - Tunnel bei Untertürkheim. Denn es gibt beim Tunnel unter dem Neckar bei Hedelfingen keine Streckenverzweigungen wie bei Stuttgart 21 geplant und auch die Geologie ist viel einfacher, Mineralwasser ist bei Hedelfingen kein Thema.

Der Tunnel unter dem Neckar bei Untertürkheim ist beim Projekt Stuttgart 21 nur ein ganz kleiner Teil der gesamten Maßnahme und der insgesamt geplanten Tunnelstrecken. Und diese ganz kleine Teilmaßnahme wird beim Konzept K21 eben neckaraufwärts verschoben umgesetzt. Es ist deshalb realitätsfern, dem Konzept K21, das ja nur einen Bruchteil der Tunnel von Stuttgart 21 benötigt, zu hohe Kosten vorzuwerfen.         

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Liebe Herr Möbius, es ist schlicht falsch und unwahr, dass in der Schlcihtung klar Stellung zu einem Tunnel bezogen wurde. Der Tunnel wurde als option eingebracht, anchdem massive Kritik an der Brückenlösung laut wurde.
    Des weiteren sind mindestens 40km Tunnel (K21) ein recht großer "Bruchteil" von 66km Tunnel (S21).
    Desweiteren wäre es interessant zu erfahren woher Sie die Information haben, dass bei S21 zwischen Unter- und Obertürkheim ein Neckartunnel geplant ist - fließt der Neckar zwischen diesen beiden Städten doch gar nicht.

    Dazu kommt, dass bei einem Neckartunnel nicht das Mineralwasser, sondern viel mehr das Grundwasser eine Rolle spielt. Betrachtet man zum Vergleich die Kosten des Elbtunnels in Hamburg, wird schnell deutlich, dass dieser Tunnel eine massive Kostensteigerung im 3stelligen Millionebereich mit sich bringt. Dieser ist natürlich in keiner bisherigen K21-Kalkulation enthalten.

    Abschließend noch zum Mineralwasser: Dieses ist lediglich an einer Stelle theoretisch gefährdet, nämlich am Fundament der neuen Neckarbrücke. Diese Brücke ist aber auch Bestandteil des K21-Entwurfes. Bei S21 zwar breiter, das ändert aber nichts an der Fundamenttiefe und damit der theoretischen Gefährdung des Mineralwassers

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  3. Hallo twinthai,
    Sie haben den Post, auf den Sie sich beziehen, wohl doch nicht richtig gelesen. Ich bin überzeugt davon, dass Sie ein sympathischer Mensch sind. Ihre Anmerkung hat jedoch etwas Wwadenbeißerisches und insofern erinnert sie mich doch auffällig an einige Äußerungen, die von der Pro-Seite während des Sach- und Fakenchecks abgegeben wurden.

    Hier noch einmal der Halbsatz, den ich im betreffenden Post verfasst habe: ... ist nichts anderes als der bei Stuttgart 21 unter dem Neckar bei Untertürkheim geplante Tunnel mit Tunnelrampen zwischen Untertürkheim und Obertürkheim". Also: ich habe gesagt, dass bei Stuttgart 21 ein Tunnel unter dem Neckar bei Untertürkheim geplant ist und dass dieser Tunnel über zwei Tunnelrampen zwischen Unter- und Obertürkheim wieder an die bestehende Bahnstrecke anbindet. Ist daran irgendetwas falsch?

    Im nächsten geplanten Post komme ich auf diese Rampen sowieso noch zu sprechen, denn dann geht es um den Punkt 5 der CDU-Broschüre.

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  4. Hallo Herr Möbius,
    bei dem entsprechenden Tunnel habe ich wirklich etwas falsch verstanden. War ja auch schon spät. Wobei ich aus ingenieurstechnischer Sicht nicht verstehe, warum der Tunnel etwas verrückt unproblematischer fürs Mineralwasser sein soll. Das ist auch in Untertürkheim kein Thema. Schwierig ist das Grundwasser, das ist in Untertürkheim geklärt ist - in Hedelfingen (noch) nicht.
    Dazu kommt aber, dass der Neckartunnel in der K21-Kalkulation nicht berücksichtigt ist, der Tunnel von S21 "auf Höhe von Untertürkheim / Obertürkheim" jedoch schon. Der Neckartunnel bei K21 ist vielmehr eine kurzfristig eingebrachte Option der Gegnerseite, nachdem massive Kritik an der Brücklösung laut wurde. In der Schlichtung war der Tunnel daher auch nie als die Option angekündigt die gebaut werden sollte, vielmahr schwankten die Gegner je nach Argumentation der Befürworter zwischen Tunnel und Brücke.
    Allerdings ist bisher ungeklärt, wie eine Zuführung zu Tunnel oder Brücke stattfinden soll. Dass Herr Palmer "keine Probleme" sieht, wie er bei der Schlichtung verlauten ließ, wenn die Gleise durch die Daimler-Versandzentrale und über einen Sportplatz führen ist seine persönliche Einschätzung, ich sehe da massive Ausführungsprobleme - auch im Bereich des Hafens. Für mich ist die geplante Trassenführung egal ob Tunnel oder Brücke schlicht nicht so machbar.

    Ich hatte diesbezüglich auch schon direkt beim K21-Bündnis um konrkete Auskunft angefragt. Leider bekomme ich seither nur die Rundmail - eine Antwort kam nie.

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