Montag, 20. Dezember 2010

Winterwetter bestätigt: Stuttgart 21 wäre riesige Fehlinvestition

In den Sechziger und Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts warb die Bahn noch damit, dass sie im Gegensatz zu den anderen Verkehrsmitteln wetterunabhängig sei.

Diese glücklichen Zeiten sind schon längst vorbei. Heute ist die Bahn von den Unbilden des (Winter)wetters genauso betroffen wie das Auto oder das Flugzeug. Man hat sogar den Eindruck, dass die Probleme der Bahn mit dem Winterwetter von Jahr zu Jahr größer werden.

Nun könnte man die Bahn zunächst einmal damit entschuldigen, dass angesichts der jahrelangen gebetsmühlenhaften Ankündigungen einer Klimaerwärmung seitens einiger Wissenschaftler eigentlich niemand damit gerechnet hat, dass es überhaupt noch einmal Probleme mit ernsthaftem Winterwetter gibt. Überrascht stellen wir fest, dass die Winter in Deutschland und Europa seit einigen Jahren wieder strenger werden. In den Siebziger und Achziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es immer wieder Winter, während denen in tiefen Lagen (zum Beispiel im Stuttgarter Talkessel) kaum einmal eine Schneeflocke fiel. Das scheint jedoch vorbei zu sein. Schneefall und Kälte werden seit einigen Jahren wieder zu den eigentlichen Kennzeichen des deutschen Winters.



Es würde jetzt zu weit führen, in diesem Blog auch noch eine Diskussion über die Klimaerwärmung bzw.Nicht-Klimaerwärmung zu führen. Es wäre auch zu kurz gesprungen, wenn man die Bahn mit dem Hinweis auf die ausbleibende Klimaerwärmung aus ihrer Verantwortung entließe. Denn die Bahn trägt ein gehöriges Maß an Mitverantwortung für die teilweise skandalösen Zustände im Schienenverkehr, wie sie sich inzwischen regelmäßig während des Winters einstellen. Mit dem Ziel des Börsengangs wurde an allen Ecken und Enden gespart und gekürzt. 

Da wurden entlang der Strecken immer mehr Weichen ausgebaut. Die verbliebenen Weichen werden teilweise nicht ausreichend beheizt. Da wurde rigoros Personal eingespart und die Wartung und der Winterdienst für viele Anlagen an Privatfirmen übertragen. Da wird die Reserve beim Personal und bei den Fahrzeugen immer kleiner. Da werden die high-tech-Fahrzeuge immer anfälliger. So dürfen die ICE bei bestimmten Schneeverhältnissen nur noch mit 160 km/h an Stelle von 260 km/h fahren. Denn Schnee und Eis könnten aufgewirbelt werden und wichtige Teile des Fahrzeugs beschädigen.

Dies alles führt dazu, dass es bei richtigem Winterwetter zu massiven Verspätungen und zu Zugausfällen beim Fernverkehr der Bahn kommt. Diese Probleme sind so groß, dass ihnen die Fernsehsender sogar Sondersendungen widmen.

So kann und darf es bei der Bahn nicht weitergehen! Selbst wenn ab sofort Geld im Überfluss für die Bahn vorhanden wäre, ließen sich die größten Missstände erst in vielen Jahren abstellen. Denn neue und mehr Fahrzeuge kann man nicht von heute auf morgen in Betrieb setzen. Und zusätzliches Personal kann man ebenfalls nicht von einem Tag auf den anderen einstellen. Auch bei den Strecken bräuchte es Jahre, um sie wieder auf einen Stand zu bringen, wie er noch vor Jahrzehnten gegeben war.

Das Ruder bei der Bahn muss jetzt und sofort herumgerissen werden, damit wenigstens in einigen Jahren wieder akzeptable Zustände herrschen. Und ein ganz wichtiges Element hierzu ist der Verzicht auf kropfunnötige und schädliche Prestigeprojekte wie Stuttgart 21. Das bei einem Verzicht auf Stuttgart 21 freiwerdende Geld muss dringend in die Verbesserung der Servicequalität der Bahn investiert werden.

Auch Hochgeschwindigkeitsstreckenprojekte wie Wendlingen - Ulm müssen vor dem Hintergrund des aktuellen Winter-Desasters sofort gestoppt werden. Was nutzt eine sündhaft teure, für über 250 km/h ausgelegte Hochgeschwindigkeitsstrecke, wenn während mehrerer Wintermonate im Jahr dort nur mit 160 km/h gefahren werden kann? Da ist es doch um ein Vielfaches wirtschaftlicher und kundenfreundlicher, wenn man mit dem Geld alle wichtigen Strecken in Baden-Württemberg auf 160 km/h ausbaut, zum Beispiel die Südbahn, die Gäubahn, die Bodensee-Gürtelbahn, die Frankenbahn, die Remsbahn, die Murrbahn und auch die Filstalbahn Stuttgart-Ulm. 

Hoffentlich öffnet das akuelle Bahn-Winter-Desaster auch bei einigen der bisherigen Stuttgart 21 - Befürworter die Augen für die wirklichen Notwendigkeiten in Bezug auf die Zukunft der Bahn! 

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