Dienstag, 23. November 2010

Sechste Schlichtungsrunde: Probleme bei Geologie und Mineralwasser

Themen der sechsten Schlichtungsrunde zu Stuttgart 21 unter Leitung des Schlichters Heiner Geißler waren unter anderem die Geologie und das Mineralwasser.



Professor Walter Wittke trug auf Seiten der Bahn über die geplanten Tunnel, deren Geologie und die geplanten Tunnelbauweisen vor. Alle Tunnel mit Ausnahme des Tunnels bei der Rohrer Kurve führen mindestens auf einem Teil durch den problematischen Gipskeuper. Es werden verschiedene teilweise komplizierte Bauverfahren angewendet, um den Wasserzutritt zum Gipskeuper zu verhindern. Gipskeuper quillt bei Wasserzutritt mit einer Volumenvergrößerung von 60 Prozent und starken Drücken.

Der Geologe Dr. Jakob Sierig ging auf die großen Probleme ein, die Tunnel im Gipskeuper bereiten. Der Stuttgarter Talkessel ist auf dem Tunnelweg nur durch den Gipskeuper erreichbar. Die in den Stuttgart 21 - Tunneln geplante sogenannte Neue Österreichische Tunnelbauweise (NÖT) bezeichnete er als riskante Bauweise. Denn hier ist die Gefahr eines Wasserzutritts hoch. Von 14 vorhandenen Tunneln im Gipskeuper in BW und in der Schweiz weisen nur 2 keine Probleme auf.

Bei der Mehrzahl der Tunnels im Gipskeuper gibt es Probleme. Diese Probleme halten oft viele Jahrzehnte an, denn das Quellen des Gipskeupers erstreckt sich über einen Zeitraum von 100 - 150 Jahren. Beispiele sind der Engelberg-Basistunnel (Autobahn A81), wo der Gipskeuper quillt und einen ungeheuren Druck auf die Betonschale des Tunnels ausübt. Dies erfordert ständige teure Reparaturen. Auch im Adlertunnel in der Schweiz (Bahnstrecke Basel-Olten) müssen millionenschwere Reparaturen mit Teilsperrungen des Tunnels durchgeführt werden.

Es ist somit zu erwarten, dass das Bahnsystem ganz Deutschlands wegen der immer wieder schadensbedingten Sperrung von einzelnen Tunnels des Systems Stuttgart 21 schwer beeinträchtigt sein wird.    

Anmerkung: Schäden in einem Tunnel durch quellenden Gipskeuper wirken sich bei einem Bahntunnel sehr viel gravierender aus als bei einem Straßentunnel. Im Wagenburgtunnel (Straßentunnel in Stuttgart), der starken Drücken des quellenden Gipskeupers ausgesetzt ist, fahren die Kfz über eine Fahrbahn, die Steigungen und Senkungen aufweist. Beim Kfz-Verkehr ist dies gerade noch tolerabel. Sollten solche Verwerfungen jedoch bei einem Bahntunnel auftreten, müsste der Bahnverkehr sofort eingestellt werden.

Ein weiteres Thema waren die Auswirkungen der Stuttgart 21-Maßnahme auf das Mineralwasser. Professor Walter Lächler trug auf der Bahnseite vor. Ein Restrisiko bleibt, dass die Baumaßnahme Auswirkungen auf das Mineralwasser hat. Das druckhafte Mineralwasser fließt in einer Schicht ca. 60 Meter unter dem Hauptbahnhof. Dem Druck des Mineralwassers entgegen stehen das Gewicht der darüberlagernden Erdschichten sowie das Gewicht des darüberlagernden Grundwassers. Beim Projekt Stuttgart 21 werden diese Erdschichten teilweise abgetragen und das Grundwasser teilweise abgesenkt. Dadurch vermindert sich der Druck von oben, der dem von unten wirkenden Druck des Mineralwassers entgegensteht. Dadurch könnte - laut Lächler mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit - das Mineralwasser durch die verbleibenden Erdschichten nach oben steigen, so dass der Druck bei den Mineralwasserquellen im Bereich des Neckars nachlässt. Für diesen Fall gibt es ein Szenario, dass aus dem städtischen Wasserleitungsnetz Wasser in eine Gesteinsschicht oberhalb der mineralwasserführenden Schicht gepumpt wird, um den Druck von oben gegen den Druck des Mineralwasser wieder zu erhöhen.

Boris Palmer (Bündnis 90 / Die Grünen) zog ein klares und einfaches Fazit aus den geschilderten geologischen Gegebenheiten und Problemen: Wenn die Funktionsfähigkeit des Bahnhofs und die Mineralquellen absolut schutzwürdige Güter sind, muss man zwingend das Projekt K 21 (etappierbarer Ausbau des Bahnknotens Stuttgart auf der Basis des bestehenden Kopfbahnhofs) verwirklichen. Denn bei diesem Projekt bestehen keine Risiken in Bezug auf die Geologie und das Mineralwasser.   

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