Mittwoch, 24. November 2010

Heimerl: halb steht er noch, halb fällt er hin

Professor Gerhard Heimerl ("Erfinder des Tiefbahnhofs") ist augenscheinlich von den massiven Argumenten gegen Stuttgart 21 beeindruckt, die während der Schlichtung bisher vorgetragen worden sind. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass er nun mit einer Reihe von teuren Nachrüstungsvorschlägen zu Stuttgart 21 an die Öffentlichkeit geht (Bericht in den Stuttgarter Nachrichten).



Gemäß Heimerl muss die Kapazität der Zufahrt von Zuffenhausen verbessert werden. Hierzu müssen zwei zusätzliche Gleise von Zuffenhausen / Feuerbach in die von Bad Cannstatt kommenden Gleise nordwestlich des Tiefbahnhofs einmünden. Für uns ist die mangelnde Kapazität der Zufahrt Zuffenhausen nichts Neues (siehe den Post vom 13.09.2010).

Dann muss die Wendlinger Kurve (Einfädelung der Strecke von Tübingen in die Schnellfahrstrecke Ulm - Stuttgart) kreuzungsfrei und zweigleisig ausgebaut werden. Ebenso muss die Ausfädelung zum neuen Flughafenbahnhof zweigleisig werden. Bei der S-Bahnstation Flughafen muss es neue Weichenverbindungen geben, denn sonst wäre bei einem Störungsfall in einer der beiden eingleisigen Strecken der Bahnverkehr blockiert.

Aber die Krönung der Heimerl-Vorschläge kommt erst jetzt. Der geplante Stuttgart 21 - Tiefbahnhof muss von vornherein nicht nur acht, sondern zehn Gleise besitzen. Der Trog für das Bahnhofsbauwerk muss von vornherein auf 10 Gleise ausgelegt sein.

Nun ja, es ist schwierig, Prognosen abzugeben, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Aber ich wage hier die Prognose, dass später einmal in der Nachbetrachtung die Heimerl`schen Einlassungen als der Anfang vom Ende des Projekts Stuttgart 21 betrachtet werden.

Also: was passiert hier gerade?

Zunächst einmal gibt Heimerl zu, dass die aktuelle Planung von Stuttgart 21 Murks ist. Dann schlägt er Nachrüstungen vor, die hunderte von Millionen, wenn nicht eine Milliarde an zusätzlichen Kosten verursachen würden. Die Finanzierung des Projekts Stuttgart 21 ist bereits mit heutigem Stand fraglich. Zusätzliche Kosten in der genannten Höhe würden selbst die eingefleischesten Stuttgart 21 - Befürworter zu einem Rückzug aus dem Projekt zwingen.

Aber das Wichtigste ist noch gar nicht gesagt. Auch mit den vorgeschlagenen Nachrüstungen ist Stuttgart 21 indiskutabel. Denn die Hauptfehler und Hauptnachteile des Projekts werden auch mit den Nachrüstungen nicht beseitigt:
  • das Projekt ist nicht etappierbar und kann erst nach 15 Jahren Bauzeit in einem Schritt in Betrieb genommen werden,
  • das Projekt erlaubt keinen flexiblen Fahrplan und keinen integralen Taktfahrplan und schon gar keinen Zukunfts-Fahrplan, der auf wesentlich mehr Bahnverkehr setzt,
  • die Trassenkosten werden wegen der vielen teuren Tunnel so stark steigen, dass zukünftig weniger Züge als heute fahren werden,
  • eine Anbindung des Flughafens an den Fernverkehr ist Unsinn,
  • zwei Bahnhöfe am Flughafen sind ein Schwabenstreich,
  • das Projekt verhindert sinnvolle Investitionen in die Flächen- und Güterbahn,
  • der quer zum Tal an der engsten Stelle des Talkessels liegende Tiefbahnhof riegelt den Kessel mit einem bis zu 8 Meter hohen Wall ab und behindert den Abfluss des Grundwassers,
  • die durchgehende Parkverbindung in der Innenstadt wird unterbrochen,
  • es gibt Restgefährdungen für das Mineralwasser,
  • Schäden an den Tunneln durch quellenden Anhydrit sind zu erwarten,
  • das Projekt verhindert den Wohnungsbau bzw. verschiebt ihn um 20 Jahre,
  • das Projekt führt zur Verwahrlosung und zum Aussterben der Innenstadt,
  • das Projekt führt zu Verschlechterungen im Nahverkehr, indem die Trassenpreise steigen, Anschlüsse nicht vorhanden sind und die Fahrzeiten zum Teil länger werden.


Fazit: das Stuttgart 21 - Gebäude beginnt zu bröckeln. Hoffen wir, dass bald die Anweisung zum kontrollierten Abriss kommt.
   

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