Sonntag, 21. November 2010

Fünfte Schlichtungsrunde: K21 ist ökologischer als Stuttgart 21

Eines der Themen bei der vom Schlichter Heiner Geißler geführten fünften Schlichtungsrunde zum Projekt Stuttgart 21 war die Ökologie. Bei dieser Gelegenheit bezog der Schlichter einmal klar Position, etwas ungewöhnlich, denn so etwas hätte man erst am Schluss der Schlichtung erwartet. Heiner Geißler betonte, dass K21 (der etappierbare Ausbau des Bahnknotens Stuttgart auf der Basis des bestehenden Kopfbahnhofs) ökologischer sei als das Projekt Stuttgart 21.

 
Auffallend war, dass die Vertreter der Bahn sich darauf beschränkten, über die allgemeinen ökologischen Vorteile des Schienenverkehrs gegenüber anderen Verkehrsarten zu referieren. Das war aber eigentlich gar nicht das Thema. Denn die ökologischen Vorteile des Schienenverkehrs sind ja auch und gerade bei den Gegnern des Projekts Stuttgart 21 unumstritten. Gerade wegen der ökologischen Vorteile des Schienenverkehrs sollte dieser ja in der Zukunft massiv an Bedeutung gewinnen. Und gerade deshalb darf Stuttgart 21 nicht gebaut werden. Die Vertreter der Bahn hatten keine Argumente parat, warum gerade Stuttgart 21 ökologisch vorteilhaft sein soll.

Der Energiewissenschaftler Dr. Nitsch zog in seinem Vortrag eine verheerende Ökobilanz des Projekts Stuttgart 21. So würde Stuttgart 21 nach den Angaben der Betreiber gerade einmal 0,5 Prozent der Pkw-Kilometer in BW reduzieren. Die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm käme auf 0,8 Prozent der Pkw-Kilometer. Hierbei wird nichts gesagt über die mit Stuttgart 21 verbundene Zunahme des Flugverkehrs, über den induzierten Pkw-Verkehr sowie über den Güterverkehr.

In die Gesamtökobilanz eines Projekts müssen auch die Baumaßnahmen und die Bauzeit einfließen. Dadurch wird einem Projekt ein sogenannter ökologischer Rucksack übergestülpt. Die während der Bauzeit angehäuften ökologischen Schäden müssen nach der Inbetriebnahme eines Projekts während der sogenannten Rückzahlzeit kompensiert werden. Erst nach dem Ablauf der Rückzahlzeit beginnt der eventuelle ökologische Vorteil eines Projekts. Beim Projekt Stuttgart 21 ist die Rückzahlzeit 11 Jahre lang. Erst nach der Bauzeit von ca. 15 Jahren und der Rückzahlzeit von 11 Jahren (Gesamtzeit 26 Jahre) könnte das Projekt Stuttgart 21 somit beginnen, einen ökologischen Vorteil zu entfalten. Und dies auch nur dann, wenn die von den Projektbetreibern beschriebenen Vorteile eintreten und man die oben genannten negativen Folgewirkungen vernachlässigt.

Die Klimabilanz beim Projekt K 21 ist wesentlich besser. Denn wegen der kürzeren Bauzeit und der nur ein Drittel gegenüber Stuttgart 21 betragenden Kosten wäre der ökologische Rücksack bei weitem nicht so groß wie bei Stuttgart 21. Und die Rückzahlzeit könnte früher beginnen als bei Stuttgart 21. In diesem Zusammenhang ist auch der etappierbare Ausbau bei K21 wichtig, der zur frühen Inbetriebnahme und vollen Verkehrswirksamkeit der ersten Bauabschnitte führt. Und es ist sicher dass durch die K21-Maßnahme wesentlich mehr Menschen für die Bahn gewonnen  werden können als bei Stuttgart 21. Damit wären auch die ökologischen Nutzen von K21 wesentlich größer.

Stuttgart 21 lässt sich unter diesen Randbedingungen nicht in die Klimaschutzstrategie der Bundesregierung einordnen und darf nicht gebaut werden. Interessant ist auch ein Vergleich mit einem alternativen Ausbau der Güterbahn. Würden die für Stuttgart 21 erforderlichen Mittel in den bundesweiten Ausbau der Güterbahn investiert, könnte das hundertfache (!) an ökologischem Nutzen erreicht werden. Aus klimatologischer Sicht ist der Nutzen von Stuttgart 21 minimal. 

Gerhard Pfeifer vom BUND ging in seinem Vortrag auf die Wichtigkeit der Gleisanlagen für den Erhalt der Biodiversität ein. Die Gleisanlagen mit ihren Magerrasen und Schotterflächen sind in den letzten Jahrzehnten zum Ersatzlebensraum für einen durch die Kanalisierung der Flüsse weggefallenen Lebensraum geworden. Beim Projekt K 21 bleibt ein Teil der mit den Gleisanlagen verbundenen Biotope erhalten und der Fortbestand der wärmeliebenden Tier- und Pflanzenarten wäre gesichert. Bei Stuttgart 21 würden diese Biotope im Bereich des inneren Stadtgebiets vollständig wegfallen. 

Für die Kompensation des Wegfalls von über 100 großen Bäumen im Mittleren Schlossgarten als Folge des Projekts Stuttgart 21 wäre die Pflanzung von 5.000 zusätzlichen Bäumen erforderlich. Diese Bäume werden in der erforderlichen Größe jedoch erst im Jahr 2040 zur Verfügung stehen. Für die Dauer von 30 Jahren wäre somit keine Kompensation gegeben.

Das Gleisvorfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs stellt heute einen wichtigen Kaltluftbereich dar, denn diese Fläche kühlt nachts wesentlich stärker ab als die umgebenden bebauten Bereiche. Bei einer Bebauung wie bei Stuttgart 21 vorgesehen entfällt dieser Abkühlungseffekt. Die Nächte in der inneren Stadt würden während des Sommers immer wärmer werden, das Leben in der in einem Kessel gelegenen Stadt mit den kleinsten Windgeschwindigkeiten aller Städte in Deutschland würde kaum mehr erträglich sein.  

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