Donnerstag, 16. September 2010

Stuttgart 21 verhinderte Verbesserungen bei der bestehenden Strecke Stuttgart - Ulm

Im Post vom 4. September 2010 war ja die bestehende Bahnstrecke Stuttgart - Ulm bereits das Thema. Im Post ist dargestellt, dass ein Ausbau der bestehenden Bahnstrecke Stuttgart - Ulm viele Vorteile gegenüber den Projekten Stuttgart 21 und Wendlingen - Ulm hat. Denn ein solcher Ausbau ist etappierbar, er ist preisgünstiger und er dient auch dem Güterverkehr.

Aber es gibt noch einen weiteren Punkt, der so viel Brisanz hat, dass man ihn kaum auszusprechen wagt:



Verbesserungen und Beschleunigungen bei der Bahnstrecke Stuttgart - Ulm wären bereits seit über 10 Jahren in Betrieb, wenn es dem inzwischen emeritierten Professor Heimerl nicht gelungen wäre, diese Planungen schlechtzureden und dem Vorstand der Bahn sowie den Politikern seine Unterfahrung von Stuttgart und seine Neubaustrecke Wendlingen - Ulm schmackhaft zu machen.

In den Achziger Jahren des letzten Jahrhunderts war eine Ausbau- und Neubaustrecke zwischen Plochingen (bei Stuttgart) und Günzburg (bei Ulm) in konkreter Planung. Der Bau dieser Strecke wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgt.

Diese Ausbau- und Neubaustrecke der Bahn wäre in Etappen zu verwirklichen gewesen. Sie wäre zudem sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr gedacht gewesen. Und sie hätte das neue Güterverkehrszentrum nördlich von Ulm angebunden. Zudem sah die Planung sowohl eine Strecke nördlich an Ulm vorbei direkt nach Günzburg (und weiter nach Augsburg - München) vor,  als auch einen Abzweig nach Ulm. Es hätte somit im Betrieb sowohl schnelle ICE gegeben, die an Ulm vorbei direkt nach München gefahren wären als auch ICE, die Ulm angebunden hätten.

Die geplante Ausbau- und Neubaustrecke sah allerdings im Filstal zwischen Plochingen und Süßen nur einen Ausbau bis auf eine Geschwindigkeit von 160 km/h vor. Das wäre zwar ungleich viel mehr als heute und hätte absolut ausgereicht. Aber dies war Herrn Heimerl nicht gut genug. Dies sei, so sein Kommentar, keine würdige Neubaustrecke, dies sei eine schwäbische Neubaustrecke.

Der Vorstand der Bahn hat sich irgendwann von diesen Argumenten überzeugen lassen, obwohl seitens der Bahn auch weiterhin festgestellt wurde, dass sich die Ausbau- und Neubaustrecke durch das Filstal schneller verwirklichen ließe als Stuttgart 21 und Wendlingen - Ulm.

Das Ergebnis der Einflussnahme von Herrn Heimerl ist bekannt: heute haben wir weder eine Ausbau- und Neubaustrecke Plochingen - Günzburg noch eine Neubaustrecke Wendlingen - Ulm.

Heute haben wir gar nichts! Was für ein Erfolg! Seit dreißig Jahren tut sich bei der Bahnstrecke Stuttgart - Ulm nichts, die Region Stuttgart und das Land Baden-Württemberg treten seit dreißig Jahren auf der Stelle. Und das nur, weil einige Leute in einer Art Größenwahn Eisenbahn spielen wollten.

Und das sollte auch der Oberbürgermeister von Ulm, Herr Ivo Gönner berücksichtigen, wenn er über die Stuttgarter und über die Gegner von Stuttgart 21 schimpft. Genauso sollten das die Landräte aus Oberschwaben und vom Bodensee berücksichtigen. Und genauso sollte das der SWR berücksichtigen, wenn er Berufspendler auf der Strecke Ulm - Stuttgart interviewt und aus Ihnen den Satz herauslockt, dass diese Strecke ja so langsam sei.

Wer hoch hinauswill, kann tief fallen. Und er läuft Gefahr, am Ende ohne irgendetwas dazustehen. 

Die Zeit des Größenwahns ist vorbei! Jetzt muss die Devise wieder lauten: maßvoller, etappierbarer, dem Personen- wie dem Güterverkehr dienender Ausbau der Bahnstrecke Stuttgart - Ulm. Je früher man damit anfängt, desto besser.

Ein kleines Trostpflaster gibt es noch: Erste Maßnahmen zur Verbesserung der Bahnstrecke Stuttgart  - Ulm sind auf jeden Fall vor den Wahnsinnsprojekten Wendlingen - Ulm und Stuttgart 21 fertig, selbst wenn man mit der Planung jetzt wieder bei Null anfangen müsste.            

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