Donnerstag, 16. September 2010

Irritationen um ICE-Halt in Böblingen

Mit welchen Tricks die Betreiber von Stuttgart 21 das Projekt bei den Menschen schönreden, zeigt nun die Diskussion um den ICE-Halt in Böblingen.

Bis vor einigen Jahren hielten die Fernzüge auf der Relation Stuttgart - Zürich (Gäubahn) noch in Böblingen. Dann wurde der Halt in Böblingen storniert. Grund waren Probleme mit den Fahrzeiten sowie die Randbedingungen bei den Bahnknoten Zürich und Stuttgart.

Seit der Stornierung des Fernzughalts in Böblingen gab es seitens der Politik und seitens der Bevölkerung immer wieder Anfragen und Forderungen, Fernzüge in Böblingen so schnell wie möglich wieder halten zu lassen.



Die Bahn hat immer wieder klargemacht, dass ein Fernzughalt in Böblingen wünschenswert sei und auf längere Sicht wieder eingerichtet werden solle, dass aber dessen Einrichtung von Änderungen an der Strecke Stuttgart - Zürich abhängig sei. 

Eine Zeitlang fuhren ICE mit Neigetechnik im Verlauf der Verbindung Stuttgart - Zürich. Die Neigetechnikzüge wären ein Ansatz gewesen, auf längere Sicht den Fernzughalt in Böblingen wieder einzuführen. Denn diese Züge hätten zusammen mit einer Änderung der Signaltechnik an der Strecke eine Verkürzung der Fahrzeiten erlaubt. Damit hättte man genügend Zeitreserven gehabt, in Böblingen zu halten.

Die Neigetechnikzüge wurden jedoch wegen technischer Probleme wieder abgezogen und es ist aus heutiger Sicht nahezu ausgeschlossen, dass diese Züge noch einmal auf der Strecke eingesetzt werden.

Ein weiterer Ansatz zu einer Verkürzung der Fahrzeiten liegt in einem etappierbaren Ausbau der Gäubahn, zum Beispiel durch den Bau des zweiten Gleises, durch Änderungen der Signaltechnik, durch die Begradigung besonders enger Kurven und durch einen Bypass von Singen / Hohentwiel. Hier gibt es konkrete Planungen für eine erste Ausbaustufe: das zweite Gleis zwischen Horb und Sulz am Neckar sowie zwischen Rottweil und Spaichingen. Diese Maßnahme würde bereits eine derartige Beschleunigung des Zugverkehrs bewirken, dass ohne Probleme in Böblingen wieder Fernzüge halten könnten.

Vor wenigen Tagen hat die Bahn nun in einer Anhörung zu Stuttgart 21 versprochen, dass nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 wieder Fernzüge in Böblingen halten werden. 

Diese Aussage muss als Täuschung der Bevölkerung bezeichnet werden. Durch die Maßnahme Stuttgart 21 ergibt sich keine Beschleunigung der Gäubahn. Die Betreiber von Stuttgart 21 behaupten, dass sich durch die neue Führung der Gäubahn als Folge von Stuttgart 21 über die Rohrer Kurve und über den Flughafen keine Verlängerung der Fahrzeiten ergibt. Andere Fachleute sagen hingegen eine Verlängerung der Fahrzeiten voraus.

Auf jeden Fall gibt es durch Stuttgart 21 keine Verkürzung der Fahrzeiten der Gäubahn. Deshalb ist es geradezu abenteuerlich, einen Fernzughalt in Böblingen vom Projekt Stuttgart 21 abhängig zu machen. Wenn als Folge von Stuttgart 21 wieder Fernzüge in Böblingen halten können, dann könnten sie auch jetzt und ab sofort wieder dort halten.

Die Propaganda für Stuttgart 21 im Zusammenhang mit dem Fernzughalt in Böblingen hat noch eine ganz andere Dimension. Denn der dringend erforderliche Ausbau der Gäubahn wird ja wie auch der Ausbau vieler anderer Bahnstrecken gerade durch das Prestigeprojekt Stuttgart 21 behindert und verzögert.

Ich bin mir sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger von Böblingen und Sindelfingen auf diese Stuttgart 21 - Propaganda nicht hereinfallen werden. Liebe Bürgerinnen und Bürger von Böblingen und Sindelfingen, bleiben Sie an der Sache dran und fordern Sie den sofortigen Ausbau der Gäubahn an Stelle von Stuttgart 21.    

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